Zweitgrößte Werbegruppe schwimmt im Strudel der Wirtschaftsflaute
Grey erwartet auch 2003 kein Wachstum

Deutschlands zweitgrößte Werbegruppe Grey hat für das abgeschlossene Geschäftsjahr erstmals seit vielen guten Jahren ein Null-Wachstum vorgelegt. Neben Sparrunden will die Gruppe jetzt mehr Kreativität bei Agentur-Leistungen bieten. Grey-Chef Bernd Michael denkt daran, Grey in Europa neu zu ordnen.

DÜSSELDORF. Die fetten Jahre für Deutschlands zweitgrößte Werbegruppe Grey sind vorüber. Grey-Chef und Anteilseigner Bernd Michael muss für das Ende September abgelaufene Geschäftsjahr kräftig zurückschalten: Nach regelmäßig zweistelligem Wachstum in den Vorjahren meldet die Gruppe in Deutschland bezogen auf Umsatz und Honorare nun ein Null-Wachstum. "Wir haben unsere Ziele nicht erreicht", so Michael. Ähnlich wie im letzten Geschäftsjahr habe Grey einen Honorarumsatz von 150,7 Mill. Euro erwirtschaftet. Das Volumen der betreuten Werbeetats unter anderem für den Energieversorger Eon, den Internetanbieter AOL und das Telekommunikationsunternehmen MM O2 betrug 1,005 Mrd. Euro. Zu Grey gehört auch die zweitgrößte deutsche Media-Agentur Mediacom. Gelitten hat die Gruppe unter verlorenen Werbekunden wie Skoda oder der Molkerei Weihenstephan. Zwar habe Grey in diesem Jahr knapp 80 neue Werbekunden gewonnen, doch stopfe das nicht die Löcher verlorener und gekürzter Etats.

Das Ergebnis der deutschen Agenturen zu verkünden, bleibe der Grey Holding in New York vorbehalten, erklärte Michael. Die Gewinne seien allerdings "wesentlich schlechter als vergangenes Jahr" ausgefallen. Auch für 2003 rechnet der Agenturchef mit einer "eher schlechteren als besseren Zeit" und hofft auf ein Null-Wachstum der Gruppe.

Grey Global Group gehört mit seinen Werbeagenturen und der Mediaagentur Mediacom zu den letzten international unabhängigen Werbegruppen. Auch in dieser mageren Zeit sieht Michael die Unabhängigkeit der Gruppe jedoch nicht gefährdet. Brancheninsider gehen davon aus, dass keine der großen Werbeholdings wie Interpublic, WPP, Omnicom und Publicis derzeit einen Kauf finanzieren könnte.

Die Stimmung in der gesamten Werbebranche ist unverändert schlecht. Für das laufende Jahr erwartet die Branche bei den Werbeinvestitionen der Unternehmen ein Minus von sechs bis acht Prozent. Rainer Zimmermann, Chef der größten deutschen Kommunikationsgruppe BBDO, prognostizierte vor kurzem für den Werbemarkt: "Es gibt überhaupt keine positiven Impulse. Alle erwarten, dass die Geldhähne bald wieder aufgedreht werden. Zu Unrecht." Auch Bernd Michael erwartet für kommendes Jahr ein weiteres Absacken der Werbeausgaben um 3 %.

Die Strategie der Gruppe lautet nun: Kosten senken. 55 % der Kosten entstehen im Personalbereich. Durch einen weitgehenden Einstellungs-Stop sollen hier weitere Stellen gespart werden. Allerdings gibt Michael jetzt mehr Geld als früher für kreatives Personal aus. "Bei der Kreativität haben wir klaren Nachholbedarf", so Michael. Der Werbekunde Procter & Gamble hat jüngst mehr preisgekrönte Werbekampagnen von seinen Agenturen gefordert. Dennoch hat Grey seine Mitarbeiterzahl in diesem Jahr um 200 auf 1 350 verringert. Zusätzlich sollen einige der derzeit 36 Firmenstandorte in Deutschland räumlich zusammengelegt werden. Wachstum durch Agentur-Zukäufe bleibt für Michael auch weiterhin Tabu.

In Zukunft will Michael der Werbegruppe eine neue Struktur geben. Wenn er spätestens 2005 als Chef für Deutschland und Osteuropa ausscheide, solle die gesamte Grey-Gruppe nur noch der jetzigen Europa-Chefin in London unterstehen.

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