Zweitgrößter deutscher Touristikkonzern übernimmt britischen Reiseanbieter
Branchenkreise: C&N kauft Thomas Cook

Der beim zweitgrößten deutschen Touristikkonzern C&N Touristic AG lang ersehnte Einstieg in Großbritannien ist nach Angaben aus Branchenkreisen perfekt. C&N übernimmt den britischen Reiseanbieter Thomas Cook von der US-Gruppe Carlson für 553 Mill. Pfund oder 940 Mill. Euro, wie aus Kreisen am Mittwoch verlautete.

Reuters HANNOVER/FRANKFURT. Die C&N-Eigner Lufthansa und Karstadt hätten bereits Zustimmung signalisiert. C&N würde mit einem Umsatz von 14 Mrd. DM und knapp 14 Mill. Gästen im Jahr Europas zweitgrößter Touristikkonzern hinter der Preussag AG. Mit einer offiziellen Verlautbarung des Kaufes wird bereits am Donnerstag gerechnet. Ein C&N-Sprecher wollte die Angaben am Mittwoch nicht kommentieren.

Der Lufthansa-Aufsichtsrat kam am Mittwochnachmittag zusammen. An diesem Freitag tagt das Kontrollgremium der Karstadt Quelle AG. Die Zustimmung beider Gremien galt den Kreisen zufolge am Mittwoch als sicher.

C&N versucht bereits seit langem in Großbritannien als wichtigstem europäischen Reisemarkt nach Deutschland Fuß zu fassen, war aber im Frühjahr beim geplanten Kauf von Thomson Travel an Preussag gescheitert. Jetzt übernehmen die Reiseanbieter aus Oberursel Thomas Cook zu großen Teilen indirekt von Preussag, ohne allerdings mit dem Konkurrenten verhandelt zu haben. Verkäufer von Thomas Cook ist die US-Gruppe Carlson Companies, die selbst nur 22 % hält, aber ein Vorkaufsrecht für sämtliche anderen Anteile hat. Diese liegen derzeit noch beim C&N-Konkurrenten Preussag und dessen Anteilseigner WestLB. Preussag muss sich aber aus kartellrechtlichen Gründen nach der Übernahme der Thomson Travel Group von Thomas Cook trennen.

Preussag-Sprecher Frank Laurich erklärte, Preussag habe seine 50,1 % und die 27,9 % der Westdeutschen Landesbank Carlson nach der Thomson-Übernahme "im Paket zu einem Festpreis" angeboten. Über die Höhe des Preises sei Stillschweigen vereinbart worden. Eine Zusage von Carlson über die Ausübung der Kaufoption liege noch nicht vor.

Weltweit größte Touristiksparte

Preussag bleibt auch nach dem Einstieg von C&N in Großbritannien weiterhin ungefochten der Konzern mit der weltweit größten Touristiksparte. Diese käme bei voller Konsolidierung von Thomson Travel rechnerisch derzeit auf rund 24 Mrd. DM Touristikumsatz im Jahr, sagte Laurich.

C&N zieht mit Thomas Cook in Europa am größten britischen Reisekonzern Airtours vorbei auf Platz zwei und liegt weltweit auf Rang drei, mit 14 Mrd. DM Jahresumsatz allerdings deutlich hinter Preussag und Japan Travel Bureau.

Nach dem Scheitern bei Thomson Travel hatte C&N zunächst Interesse an der noch größeren Airtours Plc gezeigt, die auch in Skandinavien stark vertreten ist. Mit Airtours wäre C&N auch wieder sehr nah an den Marktführer Preussag herangerückt. Wie es in Branchenkreisen heißt, lagen die Preisvorstellungen aber zu weit auseinander. Auch bei Thomas Cook war in den vergangenen Wochen zunächst ein deutlich höherer Kaufpreis von mehr als 700 Mill. Pfund im Gespräch.

Pichler: "Größe kein Selbstzweck"

C&N-Chef Stefan Pichler hatte noch vor einem Monat in einem Reuters-Interview erklärt, Größe sei kein Selbstzweck. Die geplante Expansion könne nur unter strengen betriebswirtschaftlichen Regeln funktionieren. Man müsse sich immer eine Preisgrenze setzen, sonst lasse sich das investierte Kapital nicht zurückverdienen. C&N soll nach den Vorstellungen Pichlers und der Muttergesellschaft bis 2002 reif für den Börsengang sein. Bei Thomson Travel hatte Preussag 5,8 Mrd. DM gezahlt und C&N um gut 700 Mill. DM überboten.

Vor einem Monat hatte Thomas Cook seine Finanzsparte für 440 Mill. Pfund an die Travelex Group verkauft und damit ein Hindernis für die Übernahme durch C&N aus dem Weg geräumt. Der Umsatz der Touristiksparte von Thomas Cook wird bei Branchenexperten auf derzeit fünf Mrd. DM bei 3,5 Mill. Reisenden geschätzt.

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