Zweitgrößter Fernnetzbetreibers der USA: Bilanz von Worldcom beruhigt die Analysten

Zweitgrößter Fernnetzbetreibers der USA
Bilanz von Worldcom beruhigt die Analysten

Das US Worldcom Inc., -Telekommunikationsunternehmen Clinton/Mississippi, kämpft um seinen guten Ruf an den Finanzmärkten. Bernie Ebbers, Gründer und CEO des hinter AT&T zweitgrößten Fernnetzbetreibers der USA, nutzte gestern die Veröffentlichung der Bilanz für 2001, sein Unternehmen gegenüber dem insolventen Glasfasernetzbetreiber Global Crossing abzugrenzen.

dri BERLIN. Worldcom habe keinerlei Finanzrisiken außerhalb der Bilanz, sagte Ebbers. Den Schulden von 24,7 Mrd. $ stünden 10 Mrd. $ verfügbare Barmittel gegenüber. Seit Anfang des Jahres hat Worldcom etwa die Hälfte seines Börsenwertes eingebüßt.

"Trotz des schwierigen Marktumfeldes sind wir so aufgestellt, dass wir unserer Position als Marktführer in den Wachstumsbereichen Internet und internationale Dienste in diesem Jahr halten können", sagte er.

Analysten reagierten beruhigt auf die Worldcom-Mitteilungen. Der Aktienkurs machte einen Teil der Verluste der vergangenen Tage wieder wett und stieg um 14 % auf 7,60 $. Für das gesamte Jahr wies Worldcom einen um 1 % rückläufigen Umsatz von 35,2 Mrd. $ aus und einen Nettogewinn von 2,1 Mrd. $. Im vierten Quartal allerdings war der Gewinn um 64 % auf 258 Mill. $ eingebrochen - bei einem um 12 % rückläufigen Umsatz. Worldcom begründete dies mit Rückgängen vor allem bei der US-Ferngesprächstochter MCI.

Für das laufende Jahr rechnet Ebbers damit, dass der MCI-Umsatz weiter zurückgeht, aber die Umsätze der Gesamtgruppe mit Datendiensten und im internationalen Geschäft steigen. Er nannte dabei allerdings geringere Wachstumserwartungen als zuvor. Worldcom ist in 65 Ländern aktiv, auch Deutschland ist darunter. Durch die Umstellung der US-Bilanzregeln für die Abschreibung von Goodwill - Preisaufschlag, den Unternehmen bei Übernahmen auf den Firmenwert zahlen - wird Worldcom im zweiten Quartal 2002 bis zu 20 Mrd. $ abschreiben müssen.

Vertrauenskrise der Märkte

Die spektakuläre Pleite des Glasfaser-Festnetzbetreibers Global Crossing vor zwei Wochen, bei der die Gläubiger voraussichtlich 12 Mrd. $ verlieren werden, hatte eine Vertrauenskrise der Märkte für sämtliche Fernnetzbetreiber ausgelöst. Meldungen über ernste Schwierigkeiten des europäischen Start-up Carrier 1 und eine Warnung von Level 3, dass bei weiter rückläufigem Geschäft die Bedienung der Schulden möglicherweise nicht mehr gesichert sei, drückten die Kurse auch von AT&T, Worldcom und Sprint.

Mit Fernnetzen lässt sich nichts verdienen, lautet heute die überwiegende Meinung von Analysten. So empfiehlt Credit Suisse First Boston (CSFB) Investoren, die in Telekommunikationsaktien investieren wollen, auf frühere Monopolisten, wie die Deutsche Telekom, zu setzen: Neue Verdienstmöglichkeiten mit neuen Datendiensten ergäben sich vor allem bei Ortsnetzbetreibern mit direktem Zugang zum Kunden und im Mobilfunk. Die Betreiber großer multinationaler Glasfasernetze würden dagegen noch lange unter Überkapazitäten leiden. So würden derzeit nur 3 % der weltweiten Glasfaser-Fernnetze genutzt.

Eine Sprecherin von Worldcom Deutschland verwies jedoch darauf, dass es große Unterschiede zwischen dem Geschäft etablierter Glasfasernetzbetreiber und dem der neuen Anbieter gebe. So habe Worldcom seinen globalen Glasfaser-Netzaufbau bereits 1997 abgeschlossen, als Global Crossing erst damit angefangen habe. Worldcom habe höherwertige Datendienste entwickelt und vor Jahren zahlreiche Großunternehmen als Kunden gewonnen. Die neueren Glasfaseranbieter lebten hingegen fast ausschließlich von der Vermietung von Bandbreite, für die die Preise dramatisch eingebrochen sei.

Trotz der niedrigen Börsenbewertung scheint Worldcom kein Übernahmekandidat zu sein. Die als Interessenten genannten US-Ortsnetzbetreiber Verizon und SBC dementierten Übernahme-Absichten.

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