Zweitgrößter Reisekonzern Europas setzt künftig auf Allianzen
C & N plant europäisches Reiseportal im Internet

Nach der Übernahme des britischen Reisekonzerns Thomas Cook arbeitet C & N an einem gesamteuropäischen Auftritt, sowohl im Internet als auch im Veranstaltermarkt.

HB FRANKFURT/M. In diesen Tagen hat C & N-Chef Stefan Pichler die letzten Verträge unterzeichnet: Die Ankündigung, dass der deutsche Tourismuskonzern den britischen Reiseveranstalter Thomas Cook übernimmt, ist jetzt auch formal abgesichert. Doch in Gedanken ist der Manager schon viel weiter. Sein Ziel ist es, aus der Holding mit Veranstaltern in mehreren Ländern den ersten wirklich europäisch integrierten Reisekonzern zu schmieden.

"Im Grunde ist das wie bei einem Eisberg, bei dem nur die 20 Prozent über Wasser zu sehen sind", beschreibt es Stefan Pichler im Gespräch mit dem Handelsblatt. "Die spektakulären Akquisitionen machen nur die sichtbaren 20 Prozent aus." Jetzt stehe die Integration der Zukäufe an, die den eigentlichen Mehrwert für das Unternehmen schaffe.



Europäisches Reiseportal im Internet

Das erste sichtbare Ergebnis der engeren Verzahnung von C & N und Thomas Cook wird ein europäisches Reiseportal im Internet sein. "Ein pan-europäischer Reiseauftritt im Internet ist eines der Felder, an dem wir in den nächsten Wochen und Monaten intensiv arbeiten", sagt Pichler. Dass dieser Auftritt unter dem Namen "Thomas Cook" erfolgen soll, wollte Pichler nicht bestätigen. Doch auch er räumt ein, dass der Name Thomas Cook das Potenzial hat, ihn als gesamteuropäische Marke zu platzieren.

Dazu kommt: Thomas Cook ist Internet-Pionier. Er war der erste britische Reiseveranstalter, der Reisebuchungen über das weltwite Netz angeboten hat und ist mit 25 Mill. DM Online-Umsatz in diesem Jahr in dem Bereich Marktführer in Großbritannien. C &N will im kommenden Jahr seine Online-Umsätze auf 50 Mill. DM verdoppeln. "Natürlich ist das noch nicht der Großteil des Geschäfts", räumt Pichler ein. "Aber es zeigt, wie dynamisch die Wachstumsraten in diesem Markt sind."

Der gemeinsame Internetauftritt ist der erste Schritt zu einer wirklich europäischen Veranstaltermarke. "Marken wie Neckermann, TUI oder Nouvelles Frontières, die auf den breiten Massenmarkt ausgerichtet sind, besitzen zumindest derzeit kein gesamteuropäisches Potenzial", hat Pichler erkannt. Chancen sieht er dagegen vor allem für Spezialmarken im höherwertigen Segment. C & N tritt in diesem Segment bisher unter dem Namen Terramar auf. Die Briten haben dort die Marke Thomas Cook Holidays, die gerade erst durch die Fusion mit dem Touristikgeschäft von British Airways weiter gestärkt worden ist.



"Börsengang ist ein Stück näher gekommen"

Eine stabile, international ausgerichtete Konzernstruktur ist nach Ansicht von Pichler eine der zentralen Voraussetzungen für den von C & N geplanten Gang an die Börse. "Wir wollen mittelfristig börsenfähig sein", bekräftigt Pichler früher gemachte Aussagen einer Börsenfähigkeit bis 2002/2003. Mit Thomas Cook sei das Unternehmen diesem Ziel ein gutes Stück näher gekommen, sagt Pichler.

Eine weitere wichtige Voraussetzung für einen Börsengang ist für den C & N-Chef eine nachhaltig positive Ergebnisentwicklung. Vom dem einst als Zielmarke gesetzten Wert einer Umsatzrendite von 5 % rückt das Unternehmen allerdings ab. Lieber spricht Pichler nun von einer anderen Kennzahl: "Eine Kapitalrendite von rund 20 % ist langfristig nötig und möglich."

Das Jahr 2000 war in der Touristik das Jahr der Fusionen: Die Branchenführer C & N und Preussag kauften sich jeweils in Großbritannien und in Frankreich ein. Doch in den nächsten Jahren, so C & N-Chef Pichler, werden in der Branche Allianzen und Kooperationen an Bedeutung gewinnen. "Wachstum und Europäisierung müssen nicht notwendigerweise über teure Akquisitionen erfolgen", äußert Pichler seine Ansicht. "Vorbild sind für uns da die internationalen Kooperationen der Fluggesellschaften." Vor allem in den kapitalintensiven Bereichen Hotel und Flug böten sich diese Lösungen an: "C & N denkt mit potenziellen Partnern über solche Bündnisse nach." Mit der Hotelgruppe Iberostar beispielsweise hat C & N schon eine Allianz. Gespräche würden auch weiterhin geführt mit Accor, der größten Hotelgruppe Europas.

Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum
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