Zweitgrößtes Produktabkommen in der Biotechindustrie
Aventis kauft Biotech-Partnerschaft teuer ein

Der französisch-deutsche Pharmakonzern Aventis hat mit der US-Biotechfirma Genta eine mehrere hundert Millionen Dollar schwere Partnerschaft zur Entwicklung und Vermarktung ihres führenden Krebsmittels Genasense geschlossen.

Reuters FRANKFURT. Im Rahmen der Vereinbarung werden beide Unternehmen zusammen das Krebsmedikament Genasense in den USA entwickeln und vermarkten, teilte Aventis am Montag in Frankfurt mit. Außerhalb der USA habe Aventis die exklusiven Entwicklungs- und Vermarktungsrechte.

Genta erhält bis zu 480 Millionen Dollar

Genta erhalte bis zu 480 Millionen Dollar in bar, Aktien, Schuldverschreibungen und Meilensteinzahlungen unter der Bedingung, dass bestimmte Forschungsziele erreicht werden und die Zulassungsanträge erfolgreich sind. Aventis werde in den USA drei Viertel aller künftigen, mit dem Zulassungsantrag verbundenen Kosten übernehmen. Alle anderen Entwicklungs-, Vermarktungs- und Vertriebskosten in den USA und anderswo werde Aventis zu 100 Prozent übernehmen.

Die Vereinbarung ist nach Angaben von Genta das bisher zweitgrößte Produktabkommen in der Biotechindustrie. Das Unternehmen erhält nach Mitteilung von Aventis Lizenzzahlungen auf den gesamten weltweiten Absatz des Krebsmittels.

Milliardenumsätze erwartet

Nach Einschätzung von Branchenbeobachtern zeigt die Vereinbarung, dass Pharmakonzerne immer größere Summen bezahlen müssen, um Zugang zu neuen vielversprechenden Medikamenten aus der Biotechbranche zu erhalten. Erwartet wird, dass sich beide Unternehmen darauf konzentrieren, Genasense in Kombination mit dem Aventis-Krebsmittel Taxotere einzusetzen. Zurzeit befindet sich Genasense in einer späten klinischen Überprüfungsphase. Nach Einschätzung von Analysten könnten mit dem Mittel möglicherweise Milliardenumsätze erzielt werden, die Technologie hinter dem Medikament gilt aber als relativ riskant.

Roche war auch an Partnerschaft interessiert

Das neue Krebsmittel basiert auf der sogenannten Antisense-Technologie, mit der auf genetischer Ebene die Erzeugung von krankheitsverursachenden Proteinen verhindert werden soll. Mit dem Mittel Genasense soll die Effektivität der Chemotherapie bei Krebspatienten steigen. Die Technologie hatte zuletzt die Aufmerksamkeit einiger größerer Pharmafirmen gefunden, nachdem nach einer Reihe von Anfangserfolgen vor einem Jahrzehnt eine Serie von Enttäuschungen gefolgt war. Neben Aventis hatten Beobachter auch den schweizerischen Pharmakonzern Roche als einen der Interessenten für einen Genasense-Deal gesehen. Im vergangenen Jahr hatte Aventis-Finanzchef Patrick Langlois Reuters gesagt, er strebe weitere Vereinbarungen mit Biotechfirmen an.

Biotech-Deals werden teurer

Im Jahr 2000 hatte Aventis bereits in einer ebenfalls hochpreisigen Vereinbarung Millenium Pharmaceuticals Inc 450 Millionen Dollar für einen Anteil an dem Unternehmen und Rechten gezahlt. Seitdem haben die Kosten für den Zugang zu neuen biotechnologischen Arzneimitteln weiter zugenommen, auch durch den steigenden Wettbewerb der großen Pharmakonzerne, die darauf aus sind, ihre eigene Forschungspipeline aufzustocken.

"Es gibt in der Pharmabranche einen Mangel an neuen Substanzen mit hohem Potenzial," sagte Franc Gregori, Analyst bei der BNP Paribas. Pharmakonzerne müssten daher hohe Summen für Substanzen mit hoher Qualität aus der Biotech-Branche, die sich in der späten klinischen Erprobung befinden, zahlen.

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