Zweitgrößtes Softwarehaus warnt vor Schwierigkeiten in den nächsten Quartalen - SAP-Aktie reagiert auf US-Zahlen
Oracle leidet unter US-Konjunktur

Oracle konnte im dritten Quartal seinen Gewinn steigern und die reduzierten Erwartungen der Analysten erfüllen. Doch der Ausblick ist schlecht.

ruk / jkn PALO ALTO / FRANKFURT. Oracle-Chef Larry Ellison zeigte sich sichtlich enttäuscht. In Interviews mit dem US-Fernsehen, denen er sich gerade in schlechten Zeiten stellen muss, behält er nur mit Mühe die Fassung. Die Monate Dezember und Januar, so Ellison, seien gut, ja besser als erwartet gelaufen. Noch bis kurz vor Quartalsabschluss Ende Februar habe niemand in der kalifornischen Firmenzentrale in Redwood Shores mit einem Einbruch gerechnet. Doch in den letzten beiden Februarwochen musste Oracle eine Reihe von zeitlichen Verschiebungen von Aufträgen hinnehmen, mit denen der Softwarespezialist für Datenbanken und Business-Software fest gerechnet hatte.

Nach Ansicht von Marktbeobachtern neigt derzeit eine Reihe von IT-Verantwortlichen in den Unternehmen dazu, große Softwareprojekte mit Millionenkosten so lange auf Eis zu legen, bis sich die Zeichen der US-Konjunktur wieder gebessert hätten. Wegen dieser Einsparungen lassen sich bessere Quartalsergebnisse erzielen, die viele Unternehmen angesichts der Ängste der Investoren brauchen. Die Projekte von Oracle fallen fast alle in diese Kategorie.

Oracle hatte daher Anfang März eine Gewinnwarnung ausgegeben und seine Gewinnprognose für das Quartal auf zehn Cents je Aktie gesenkt. Analysten hatten nach Angaben von First Call/Thomson Finance zuvor mit einem Gewinn je Aktie von zwölf Cents gerechnet. Am Donnerstag vergangener Woche hat das kalifornische Softwarehaus das offizielle Ergebnis für das 3. Quartal seines Geschäftsjahres 2001 (28.2.) nach US-Börsenschluss bekannt gegeben. Der Gewinn stieg in diesem Zeitraum auf 583 Mill. $ (503 Mill. $) oder 10 (8) Cents je Aktie. Der Quartalsumsatz kletterte auf 2,67 Mrd. $ (2,45 Mrd. $).

An der Technologiebörse Nasdaq schlossen Oracle vor der Mitteilung mit einem deutlichen Minus von 8,56 % mit 14,69 $. Im außerbörslichen Handel zog die Aktie dann wieder bis auf Kurse um 15,13 $ an. Das Papier war am 2. März um 21 % gefallen, nachdem Oracle tags zuvor die Ertragsprognose für das dritte Quartal nach unten berichtigt hatte.

"Die wirtschaftliche Abkühlung in den USA in den vergangenen Monaten hat unser Umsatz- und Gewinnwachstum klar beeinflusst", erklärte Oracle - Finanzchef Jeffrey Henley in einem Telefongespräch mit dem Handelsblatt. Dies gelte vor allem für die USA. In Europa sei die Entwicklung bisher besser verlaufen. Die gegenwärtige Unsicherheit über die wirtschaftliche Lage lasse derzeit nur einen begrenzten Ausblick, speziell in den Vereinigten Staaten, aber auch weltweit zu.

Die Erlöse mit Software für das Datenbankmanagement seien um sechs Prozent und damit mehr als zuvor erwartet gestiegen. Bei Software-Anwendungen betrage der Umsatzzuwachs indes nur 25%. Anfang März hatte Oracle für Anwendungssoftware noch ein Umsatzplus von 50 % vorausgesagt.

Der pessimistische Ausblick von Oracle hatte am Freitag auch die Aktien des deutschen Konkurrenten SAP AG unter Druck gesetzt. Die Papiere des Walldorfer Unternehmens schlossen im Xetra-Handel um 8,46 % auf 129,99 Euro. Zwar wiesen Analysten darauf hin, dass SAP im Gegensatz zu Oracle nicht vom Datenbankgeschäft und vom US-Markt abhängig sei. Auch SAP selbst sieht zurzeit keinen Anlass, die ursprüngliche Halbjahresprognose zu revidieren. Sorge dürfte Investoren aber die Nachricht bereitet haben, dass Oracle auch in Europa, also dem Stammmarkt von SAP, Wachstumsprobleme verspürt.

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