Zweitgrößtes Suchtproblem in Deutschland
Süchtig nach Medikamenten

Medikamentenabhängigkeit ist nach Angaben des Fachverbands Sucht das zweitgrößte Suchtproblem in Deutschland. Mit rund 1,5 Mill. Tablettensüchtigen rangiere die Krankheit direkt hinter der Alkoholabhängigkeit, an der etwa 1,6 Mill. Menschen litten, sagte der Suchtexperte Gerd Glaeske von der Universität Bremen am Montag in Heidelberg. Bis zum Mittwoch tagt dort der 16. Bundeskongress des Fachverbands Sucht unter dem Motto "Sucht macht krank".

HB/dpa HEIDELBERG. 2001 wurden nach Angaben des Suchtexperten 1,66 Mrd. Packungen Arzneimittel verkauft. Das seien im Schnitt 20 pro Einwohner in Deutschland. Etwa sechs bis acht Prozent dieser Arzneimittel hätten ein bekanntes Sucht- oder Missbrauchspotenzial. Zur Abhängigkeit komme es vor allem, wenn Medikamente wie Schlaf- oder Muskelentspannungsmittel sowie Arzneimittel gegen Depressionen über einen längeren Zeitraum eingenommen würden. Eine Einnahme über mehr als zwei bis drei Monate führe häufig zur Gewöhnung, erklärte Glaeske. "Es ist eine stille Sucht, die weit unauffälliger als Alkohol wirkt." Rund 60 % der Betroffenen seien Frauen.

Nach der Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit wertet der Verband die Drogensucht mit etwa 120 000 bis 150 000 Betroffenen als drittgrößtes Problem. Die Behandlung der knapp 4 Mill. süchtigen Raucher rechne dagegen nicht zu den eigentlichen Suchttherapien, hieß es.

Der Vorstandsvorsitzende des Fachverbands, Ralf Schneider, betonte, dass Abhängigkeitserkrankungen eine Vielzahl von Folgeerkrankungen sowie Schädigungen des Organsystems nach sich zögen. Schneider forderte eine verstärkte Präventionsarbeit, die vor allem Zielgruppen bezogen sein müsse. Gerade die Aufklärung über die Medikamentenabhängigkeit als "stille Suchtform" sei in Deutschland noch "deutlich unterbelichtet".

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