Zweiwöchiges Treffen in Den Haag
Weltklimakonferenz muss Handel mit Treibhausgasen regeln

ap DEN HAAG/BERLIN. Drei Jahre nach dem Klimagipfel von Kyoto bleiben konkrete Vorgaben zur Umsetzung der damals vereinbarten Ziele Aufgabe der am Montag in Den Haag beginnenden Weltklimakonferenz. Trotz kontinuierlicher Verhandlungen seit 1997 sind die Meinungsverschiedenheiten innerhalb der rund 180 beteiligten Staaten noch so groß, dass Umweltschützer bereits um den Bestand bisheriger Vereinbarungen bangen. In der japanischen Stadt Kyoto hatten sich die Industrieländer verpflichtet, ihre gemeinsamen Treibhausgasemissionen im Zeitraum von 2008 bis 2012 um mindestens 5 % gegenüber dem Niveau von 1990 vermindern.

"In Den Haag geht es darum, dass die Vereinbarungen von Kyoto nicht wieder zur Diskussion stehen", erklärte der niederländische Umweltminister und Konferenzvorsitzende Jan Pronk. Nach Ansicht von Bundesumweltminister Jürgen Trittin steht die Glaubwürdigkeit des Klimaschutzprozesses auf dem Spiel. Möglichst viele Länder müssten das Kyoto-Protokoll ratifizieren und die USA als größter Emittent den Vertrag tolerieren, sagte der Grünen-Politiker einer Zeitung. Bislang haben 22 der 83 Unterzeichner-Staaten die Vereinbarung ratifiziert. Sie tritt aber erst in Kraft, wenn 55 Vertragsparteien die Ratifizierung abgeschlossen haben.

EU hat bei Emissionen ihr Etappenziel knapp erreicht

Der internationale Klimaschutzprozess habe langsam, aber stetig Fortschritte gemacht, sagte Trittin. So habe die EU knapp ihr Etappenziel erreicht, bis 2000 ihre Emissionen auf dem Niveau von 1990 zu stabilisieren. Dies gehe allerdings nur auf Deutschland, Großbritannien und Luxemburg zurück. "Dass der große Teil der Industrieländer so weiter macht wie bisher, ist völlig unakzeptabel", sagte Trittin.

In Den Haag werden auch Vertreter eines neuen Wirtschaftszweiges erwartet: Händler für Treibhausgase. Nach dem Protokoll von Kyoto ist es Staaten, die ihr Klimaziel nicht erfüllen, erlaubt, saubere Luft von Staaten zu kaufen, die über den Vorgaben liegen. So gab das US-Unternehmen EPCOR am Mittwoch bekannt, es habe ein Emissionsguthaben um Umfang von 50 000 Tonnen vom europäischen Energieversorger Fortum gekauft. Die EU hat vor der Den Haager Konferenz eine Deckelung der erlaubten Kaufmenge gefordert. Die Delegation der USA hingegen setzt sich für einen unbeschränkten Handel ein.



Appelle von Umweltschützern

Die Umweltstiftung WWF kritisierte am Sonntag die USA, Kanada, Australien und Japan als "Bremser". Viele Staaten wollten Schlupflöcher im Protokoll nutzen, um sich vor einer wirklichen Reduzierung der Treibhausgase zu drücken. Wenn sich die USA, Kanada, Australien und Japan durchsetzten, "ist das Kyoto-Protokoll tot", sagte Regine Günther, Leiterin der Abteilung Klimaschutz und Energiepolitik beim WWF Deutschland. "Auf dem Papier würden die Industriestaaten zwar ihr Ziel erreichen, in Wirklichkeit könnten sie aber ihre Treibhausgas-Emissionen bis 2012 um 50 % erhöhen." Der WWF fordert, dass die Staaten den Großteil ihrer Verpflichtungen durch Emissionsvermeidung im eigenen Land erzielen.

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