Zwickel bekräftigt Streikwillen
IG Metall will in vielen Betrieben streiken

IG-Metall-Chef Klaus Zwickel hat den Streikwillen seiner Gewerkschaft bekräftigt, zugleich aber auch deren Wunsch nach einem möglichst schnellen Tarifabschluss bekundet.

Reuters BÖBLINGEN/BERLIN. Ziel der IG Metall sei es, nach dem am 6. Mai geplanten Beginn des Arbeitskampfes möglichst schnell ein akzeptables Tarifergebnis zu erreichen, sagte Zwickel am Samstag im baden-württembergischen Böblingen. Dafür habe die IG Metall ein neues flexibles Streikkonzept entwickelt, mit dem so genannte kalte Aussperrungen außerhalb des Streikgebiets verhindert werden sollen.

Die IG Metall wolle die Streiks nicht auf einzelne wenige Betriebe konzentrieren, sondern möglichst viele Betriebe abwechselnd in den Streik einbeziehen. Bestimmte Unternehmen sollten mehrmals bestreikt werden. "Wir streiken da, wo es richtig wehtut", kündigte Zwickel an. Dazu gehörten auch die großen Automobilkonzerne.

Der IG-Metall Bezirksleiter Berlin/Brandenburg, Hasso Düvel, verteidigte die Auswahl dieser Region als Streikgebiet. "Wenn Konzerne in ihren ostdeutschen Filialen erhebliche Sondergewinne erzeilen und dies auf Dauer zementieren wollen, dann müssen die sich nicht wundern, wenn wir so ein Tarifgebiet aussuchen", sagte Düvel dem "Tagesspiegel". Zudem seien die Lohnstückkosten im Osten mittlerweile geringer als im Westen. Das Arbeitsgericht in Berlin will am Montag über eine einstweilige Verfügung der Berliner Arbeitgeber entscheiden, wonach ein Streik in dieser Region nicht rechtmäßig sei. Als Grund nennen die Arbeitgeber, dass die Gewerkschaft auch wegen der Wochenarbeitszeit im Osten streiken wolle. Diese sei aber in derzeit unkündbaren Manteltarifverträgen geregelt.

Derzeit läuft noch bis Dienstag in Baden-Württemberg und im Bezirk Berlin-Brandenburg die Urabstimmung für einen Streik. Damit soll die Gewerkschaftsforderung nach mindestens vier Prozent mehr Lohn durchgesetzt werden. Konjunkturforscher warnten vor einem Tarifabschluss in dieser Größenordnung.

Ziel der Gewerkschaftsstrategie sei es, möglichst schnell den größtmöglichen Druck auf die Arbeitgeber auszuüben, um ein akzeptables Tarifergebnis zu erreichen, sagte Zwickel weiter. Er warnte die Arbeitgeber, durch Aussperrungen würde sich der Konflikt schnell zu einem "Flächenbrand" ausweiten. Der Bezirksvorsitzende der Gewerkschaft in Baden-Württemberg, Berthold Huber, forderte Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) auf, die Aussperrung gesetztlich zu erschweren. Dann könne er auch Unterstützung im Wahlkampf von den Gewerkschaften erhalten. Die Metallarbeitgeber haben Aussperrungen als Reaktion auf den Streik nicht ausgeschlossen.

Das Angebot der Arbeitgeber für Einkommenserhöhungen um 3,3 Prozent für 13 Monate zuzüglich einer Einmalzahlung von 190 Euro für zwei weitere Monate wies IG-Metall-Chef Zwickel erneut als Provokation zurück. Die IG Metall strebt Erhöhungen um vier Prozent an. Auf dieses Niveau hatte die Gewerkschaft ihre ursprüngliche Forderung von 6,5 Prozent in den Verhandlungen zuletzt gesenkt. Wirtschaftsexperten warnten vor einem Lohnabschluss über vier Prozent. "Wenn das Ergebnis über vier Prozent liegt, dann wäre es von der Signalwirkung her ein Problem", sagte DIW-Chef Klaus Zimmermann dem Anlegermagazin "Euro am Sonntag".

Bei einem Abschluss von über vier Prozent besteht nach seinen Worten "die Gefahr eines Flächenbrandes und der Infizierung anderer Branchen oder der Wirtschaft in Ostdeutschland". Das Wachstum könne sich dann in diesem Jahr auf bis zu 0,5 Prozent statt der bislang geschätzten 0,9 Prozent abschwächen. Der Konjunkturchef des Münchener Ifo-Instituts, Jan-Egbert Sturm, sagte der "Berliner Zeitung", die Obergrenze eines Abschlusses liege bei etwa drei Prozent.

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