Zwiespalt
Paulo Rink: Klassenverbleib oder Meistertitel

Wenn Paulo Rink am Samstag mit dem 1. FC Nürnberg in der Fußball-Bundesliga gegen Bayer 04 Leverkusen antritt, spielt der Stürmer auch gewissermaßen gegen sich selbst. Bis November 2001 noch beim Tabellenführer unter Vertrag, dürfte auch er sich deutscher Meister nennen, wenn der Werksverein am Saisonende triumphiert.

dpa NÜRNBERG. Die Situation beim abstiegsbedrohten "Club" erlauben ihm aber weder Geschenke noch Eigennutz. Und so ist Rink zu glauben, wenn er sagt: "Für mich zählt nur Nürnberg." Trotz einer Saison mit mehr Schatten als Licht hat der gebürtige Brasilianer zudem ein Ziel noch nicht aufgegeben: Er will mit der deutschen Nationalmannschaft zur Weltmeisterschaft nach Japan und Südkorea fahren.

Ex-Bundestrainer Berti Vogts animierte Rink einst, die deutsche Staatsbürgerschaft anzunehmen, und machte ihn zum Nationalspieler. 13 Mal trug der 29-Jährige das DFB-Trikot, zuletzt im September 2000 in der WM-Qualifikation gegen Griechenland. Von einem Einsatz in Asien scheint der Mann aus Mineiro bei ganzen drei Saisontreffern aber weit entfernt. Doch Rink glaubt noch an seine Chance. "Wenn ich gegen Bayern München meine zwei Chancen genutzt hätte, wäre ich für das Argentinien-Spiel nominiert worden und nicht Martin Max", sagt er selbstbewusst.

Ausgerechnet gegen Bayer Leverkusen wieder zu treffen und den alten Arbeitgeber somit weiter vom Titelkurs abzubringen hätte für Rink sicherlich auch einen speziellen Reiz. Nur einmal kam er bei Bayer 04 unter Trainer Klaus Toppmöller zum Einsatz, bevor er schließlich für rund 255 000 Euro entnervt nach Nürnberg wechselte. Obwohl bei den Franken auch nicht alles nach Wunsch lief, klopften immer wieder andere Bundesliga-Clubs an, um ihr Interesse an dem nach Saisonschluss ablösefreien Stürmer zu bekunden.

Zuletzt ist es mangels Erfolg aber ruhiger geworden um Rink, der nur im Falle des Klassenverbleibs weiter in Nürnberg spielen würde. "Für die zweite Liga habe ich nicht geplant", sagt er. Berater Michael Ruhnau hat bei seinem Schützling "eine gewisse Tendenz in Richtung Süden, Italien oder Spanien" festgestellt. Zumindest scheint privat der Anschluss in Nürnberg gefunden zu sein, gehörte Rink doch zu der Gruppe von Spielern, die jüngst mit einem Disco-Besuch für Schlagzeilen sorgte.

"Paulo ist als erster gegangen, hat nichts getrunken und ist Trainer Klaus Augenthaler noch in der Nacht auf dem Hotelflur begegnet", klärte Ruhnau auf. Gefeiert werden soll erst wieder, wenn Nürnberg der Klassenverbleib geglückt ist. Ein Gläschen Sekt auf einen Leverkusener Meistertitel würde Rink aber sicher auch nicht verschmähen.

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