Zwischen Aberglaube und Technologie
Hightechprodukt Fußballschuh

Fußballschuhe mit auswechselbaren Schraubstollen waren anfang der 50er Jahre eine Innovation. Die ersten Träger gewannen mit den "Wunderschuhen" 1954 in Bern den WM-Titel.

HB/dpa HAMBURG. Als der Fußball noch in den Kinderschuhen steckte, waren die Spieler mit knöchelhohen Stiefeln angetreten. Wenn am Samstag die Bundesliga in ihre 40. Saison startet, erinnert kaum noch etwas an die von "Tüftler" Adi Dassler erfundenen ersten Stiefel von 1929. Gefühlsechtes und federleichtes Material hat die einst derbe Hülle der Überzieher ersetzt, auch die Unterseite sieht anders aus.

Bei den meisten Spielern zeichnen sich die neuen Schuhe augenfällig durch längliche Nocken unter der Sohle aus, die für eine größere Bodenkontaktfläche sorgen. "So wird eine höhere Standfestigkeit garantiert", erläutert Oliver Brüggen, Sprecher des Sportartikelherstellers adidas. Auch die meist aus dehnbarem Känguru- Leder bestehende Oberfläche der Schuhe hat sich verändert. Während adidas mit Gummilamellen auf dem Spann Spielern die Möglichkeit des Anschneidens zu verbessern sucht, setzt der Konkurrent Nike bei seinem neuesten Modell auf eine vergrößerte Spannfläche, um das Ballgefühl zu optimieren. Eine Materialdicke von nur drei Millimetern trennt den Fuß des Spielers vom Ball.

Spiel ist wesentlich dynamischer geworden

Wog ein Schuh in frühen Tagen noch über 500 Gramm, bringt eines der neuesten Modelle dank Synthetik, Leichtmetall oder Leder nur noch ein Federgewicht von rund 200 Gramm auf die Waage. Damit wird auch der veränderten, kraftraubenden Spielkultur Rechnung getragen. "Heute legt ein Spieler in 90 Minuten mehr als 11 Kilometer zurück", sagt Nike-Sprecher Patrick Kammerer. "Das Spiel ist wesentlich dynamischer geworden." Die Spieler leben gut mit den neuen Modellen: "Ich habe schon beim Schuss das Gefühl, dass es klappt. Der Schuh ist superleicht", schwärmt Marcelinho, Stürmer bei Hertha BSC.

Bei Farbe und Outfit hat sich ebenfalls einiges getan: Brasiliens Fußballwunder Ronaldo trägt chrom, Real-Madrid-Star Louis Figo tanzt in schneeweiß über den Rasen. Farbgebung und Design haben auch mit der Selbstinszenierung der Stars zu tun, auf die die Ausrüster aus Marketinggründen gerne reagieren. "Bei David Beckham haben wir etwa für die WM in Südkorea und Japan seine Trikotnummer 7 in fernöstlichen Zeichen auf die Zunge seines Schuhs gestickt", sagt Brüggen. "Sicherlich ist das auch ein Marketing-Gag."

Bei einigen Spielern wird die Schuhwahl vom Aberglauben bestimmt. So bei Bayern-Stürmer Giovane Elber. "Als ich in der Saison 95/96 in vier Spielen noch kein Tor geschossen hatte, habe ich mir weiße Schuhe machen lassen. Plötzlich habe ich wieder getroffen. Seitdem spiele ich in weißen Schuhen", erinnert sich der Brasilianer.

Der Ex-HSV - und dänische Nationalspieler Stig Töfting legte sich eine Münze als Glücksbringer in den Schuh. HSV-Zeugwart Klaus Freytag entdeckte das Stück: "Er hatte vergessen, sie rauszunehmen. Gesagt hat er dazu nichts." Der 62-Jährige, seit 1973 bei dem Hamburger Verein, betreut in seiner "Schuhschleuse" pro Spieler rund 10 Paar, Noppen, klassische Schraubstollen, neben Laufschuhen und Badelatschen. Die meisten Spieler hätten ihre Lieblingsschuhe, verrät er. Die Pflege der Ausrüstung von Torwart Martin Pieckenhagen fordert den Zeugwart kaum: "Der nimmt immer das gleiche Paar Stollenschuhe."

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