Zwischen China und den USA bahnt sich eine diplomatische Krise an
Bush fordert von China Zugang zu US-Flugzeugbesatzung

US-Präsident George W. Bush hat sofortigen Zugang zur Besatzung der in China notgelandeten US-Aufklärungsmaschine verlangt. Nach Gesprächen mit seinen engsten Beratern sagte Bush am Montag in Washington, die Weigerung Chinas, Vertreter der US-Botschaft zur Besatzung zu lassen, laufe der üblichen diplomatischen Praxis und dem Wunsch beider Länder nach verbesserten bilateralen Beziehungen zuwider.

Reuters WASHINGTON. Aus US-Kreisen verlautete, chinesische Soldaten seien nach der Notlandung in das US-Flugzeug eingedrungen, in dem sich Militärexperten zufolge hochmoderne Abhör-Technologie befinden soll. Die US-Maschine mit 24 Mann an Bord war am Sonntag nach einem Zusammenstoß mit einem chinesischen Abfangjäger auf der südchinesischen Insel Hainan notgelandet.

An dem Treffen mit Bush nahmen nach Angaben des US-Präsidialamtes Außenminister Colin Powell, Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und die Nationale Sicherheitsberaterin, Condoleezza Rice, teil. Im Anschluss sagte Bush vor Journalisten, er sei beunruhigt, dass China nicht unverzüglich auf die Aufforderung der USA reagiert habe, Botschaftsvertretern Zugang zu den US-Soldaten zu gewähren. Personal der US-Botschaft sei vor Ort und könne die Besatzung aufsuchen, sobald die chinesische Regierung dies gestatte. Bush verlangte die Maschine zurückzugeben, ohne weiter an hier herumzuhantieren. Er bot China die Hilfe des US-Militärs bei der Suche nach dem vermissten Abfangjänger und dessen Piloten an.

Die USA hofften auf eine rasche Lösung, eine rasche Rückkehr der Mannschaft und die Rückgabe der amerikanischen Maschine, sagte eine Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrates. Derzeit stelle der Vorfall noch keine ernsthafte Gefahr für die amerikanisch-chinesischen Beziehungen dar, fügte sie hinzu. Eine umgehende Lösung des Streits liege im Interesse der USA und Chinas, da beide Länder den Wunsch nach verbesserten Beziehungen erklärt hätten. Die diplomatischen Verwicklungen nach der Kollision hätten das Potenzial für einen größeren Konflikt, hatte ein Verteidigungsexperte des Fachmagazins "Jane's Defence Weekly" am Montag gewarnt.

Aus US-Regierungskreisen verlautete, bewaffnete chinesische Soldaten seien am Sonntag in die US-Maschine eingedrungen. Dies gehe aus dem letzten Funkverkehr mit der Maschine hervor. Nach der Notlandung des Flugzeugs sei der Funkverkehr abgebrochen. Ein Sprecher der US-Marine hatte zuvor erklärt, die USA sähen das Flugzeug als ihr Hoheitsgebiet an. Den Chinesen sei weder erlaubt, das Flugzeug zu betreten noch seine Ausrüstung zu inspizieren. Nach Einschätzung von Militärexperten stellt das mit hochmoderner Elektronik ausgestattete Aufklärungsflugzeug vom Typ EP-3 eine große Versuchung für die chinesische Spionageabwehr dar, das nur leicht beschädigte Flugzeug genauer unter die Lupe zu nehmen. Bis zur Klärung der Situation würden drei amerikanische Zerstörer im Südchinesischen Meer kreuzen, verlautete aus Kreisen des Verteidigungsministeriums in Washington. Die ursprünglich geplante Durchfahrt der Schiffe werde verlangsamt, um die Entwicklung zu überwachen, solange sich die US-Maschine in Hainan am Boden befinde. Dies sei keine Demonstration militärischer Stärke, hieß es dazu weiter. Die Präsenz der US-Kriegsschiffe sei als "kontinuierliches Signal amerikanischer Aufmerksamkeit" zu verstehen.

Die USA und China haben sich gegenseitig für den Zusammenstoß in der Luft verantwortlich gemacht. Während die USA erklärten, der Abfangjäger habe die US-Maschine gerammt und von einem Unfall sprachen, teilte China mit, das US-Flugzeug habe den Vorfall durch unerlaubtes Eindringen in chinesischen Luftraum verschuldet. Die US-Maschine hatte nach der Kollision ein Notsignal abgesetzt und war nahe der Stadt Sanya gelandet.

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