Zwischen Sieg oder Niederlage
Länder von Pisa-Noten kaum überrascht

Die meisten wollen es jetzt schon immer gewusst haben. Egal, ob die Ergebnisse des innerdeutschen Pisa-Vergleichs eher einem blauen Brief gleichkommen oder als Fleißbildchen ins Klassenbuch geklebt werden können - viele Bundesländer haben ihre Noten schon vor dem Bekanntwerden erahnt. Die "Musterländer" Bayern und Baden-Württemberg ebenso wie die "Schlusslichter" Sachsen-Anhalt und Bremen.

dpa BERLIN. "Wer weiß, wie die Studie angelegt ist, kann nicht überrascht sein", sagt die SPD-Bildungspolitikern in der Bremer Bürgerschaft, Ulrike Hövelmann. Die Schüler ihres Landes haben es geschafft, in allen Bereichen - Lesekompetenz, Mathematik und Naturwissenschaften - auf dem letzten Platz zu landen. International liegt Bremen hinter Lettland auf dem 42. und damit drittletzten Platz. Bei der hohen Sozialhilfe-Dichte in Bremen ist das für Hövelmann aber nicht verwunderlich.

In "Sack und Asche" will sich der SPD/CDU-regierte Stadtstaat dennoch nicht hüllen. So will Bremen unter anderem im Herbst flächendeckend ab der dritten Klasse Englisch anbieten, präventiv gegen Schulschwänzer vorgehen und die Sprach- und Lesekompetenz vor allem für Migrantenkinder verbessern.

Länder voller Tatendrang

Tatendrang ist auch in Sachsen-Anhalt ausgebrochen - jenem Bundesland, dessen Schüler es mit sieben Punkten Vorsprung gerade noch auf den vorletzten Platz geschafft haben. "Ich will die Veränderung zum frühestmöglichen Zeitpunkt. Aber es darf den jungen Leuten kein Nachteil entstehen, und das Abitur muss bundesweit anerkannt bleiben", sagt der parteilose Kultusminister Jan-Hendrik Olbertz.

Als eine der ersten Reformen will das Kabinettsmitglied der neuen CDU/FDP-Landesregierung in Magdeburg die Schulzeit bis zum Abitur wieder von 13 auf 12 Jahre reduzieren. Erst 1998 hatte die damalige, von der PDS tolerierte rot-grüne Minderheitsregierung das zu DDR- Zeiten geltende "Abitur nach 12 Jahren" abgeschafft.

Bayern will noch besser werden

Das Pisa-Musterland Bayern will noch besser werden. "Wir werden uns nicht selbstgefällig zurücklehnen", kündigt Bayerns Schulministerin Monika Hohlmeier (CSU) an. Ihre Schüler haben als einzige in Deutschland auch international das obere Leistungsdrittel erreicht und landeten auf Platz 10 - knapp vor Österreich, was in Bayern besonders wichtig ist.

Trotz des guten Abschneiden gibt es aber Kritik von der Opposition. "Wenn bis zu zehn Prozent der Jugendlichen die Schule ohne Abschluss verlassen, ist das ein Armutszeugnis für die Gesellschaft", sagt Marianne Schieder von der SPD.

Im CDU/FDP-regierten Baden-Württemberg zeigt man sich zufrieden - und lobt die eigene Politik. "Wir haben lange vor PISA schon den Weg eingeschlagen, den PISA jetzt fordert", heißt es im zuständigen Ministerium. Auch Eltern und Wirtschaft loben die Schulpolitik im "Ländle". Selbst die sonst so kritische Bildungsgewerkschaft GEW hebt hervor: "In Baden-Württemberg hat im Unterschied zu anderen Ländern kein Kahlschlag stattgefunden."

Kultusministerin Annette Schavan (CDU) plant jetzt bereits Deutsch-Tests ein Jahr vor der Einschulung. Sie hat auch bundespolitische Ambitionen, gehört sie doch zum Wahlkampfteam des Unions-Kanzlerkandidaten Edmund Stoiber (CSU).

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