Zwischen Vorsicht und Hysterie
Milzbrand-Angst in Deutschland

Verdächtige Briefe mit weißem Pulver haben in der Region Köln/Bonn die Postzustellung am Montag zu großen Teilen lahm gelegt. Aus Angst vor möglichen Milzbrand-Bakterien wurden zwei Verteilzentren gesperrt, wie Post-Sprecher Achim Gahr in Düsseldorf bestätigte. Bislang seien aber keine gefährlichen Stoffe gefunden worden.

ap/dpa-afx/ddp/rtr BERLIN/BRAUNSCHWEIG/BREMEN/ DÜSSELDORF/WIEN/WIESBADEN. Bei der Post waren die Briefzentren Troisdorf-Spich (Region Bonn, Postleitzahl 53...) und Frechen (Region linksrheinisches Köln und Erftkreis, Postleitzahl 50...) betroffen. In Frechen hatten am Sonntag Mitarbeiter beim Umkippen eines Postbehälters austretendes Pulver entdeckt. 45 Mitarbeiter wurden daraufhin vorsorglich untersucht. In Troisdorf waren vier Mitarbeiterinnen betroffen, denen ein Brief mit weißem Pulver aufgefallen war. Die alarmierte Polizei sperrte beide Zentren ab.

Nach einem negativen Untersuchungsergebnis wurde die Halle in Frechen wieder freigegeben. Auch für Troisdorf erwartete der Post-Sprecher eine Entwarnung am Montag. Die liegengebliebene Post werde den Kunden nun mit einem Tag Verzögerung zugestellt, kündigte er an. Die beiden Zentren organisieren die Postverteilung für rund 800 000 Kunden.

Unterdessen gab die Stadt Mülheim an der Ruhr Entwarnung, nachdem dort am Sonntag zwei verdächtige Umschläge mit Pulver im St. Marien-Hospital entdeckt worden waren. Bei einer Untersuchung seien keine Milzbrand-Erreger gefunden worden. Vier Polizeibeamte, die Kontakt mit den Briefen hatten, wurden vorsorglich eine Nacht im Krankenhaus beobachtet.

Wiesbadener Drohbriefe werden untersucht

Die Wiesbadener "Dschihad"-Drohbriefe werden jetzt im Landeskriminalamt (LKA) untersucht. Es gehe um Fingerabdrücke, Speichelspuren und die Begutachtung durch einen Schrift-Sachverständigen, sagte ein Polizeisprecher am Montag auf Anfrage. Das Ziel sei, aus möglichen Speichelspuren eine DNA-Analyse zu fertigen. Der Sachverständige soll klären, ob die Schrift von einer einzigen Person stammt.

Die zehn Drohbriefe mit der Aufschrift "Der Dschihad beginnt" hatten am vergangenen Donnerstag im Wiesbadener Stadtteil Schierstein für Aufsehen gesorgt. Nach den Milzbrand-Fällen in den USA waren die Briefe auf den Anthrax-Erreger untersucht worden. Ein Spezial-Labor hatte allerdings keine Spuren des Erregers gefunden.

Drei Personen in Bremen unter Quarantäne

In Bremen löste ein verdächtiges Päckchen am Sonntagabend einen Großeinsatz der Polizei aus. Zwei Kunststudenten hatten im Hafengebiet das Plastikbehältnis mit noch unbekanntem Inhalt gefunden, an dem ein Überraschungsei und ein Zettel mit der Aufschrift "Dies ist der leise Wind des Schicksals" befestigt waren, wie ein Polizeisprecher am Montag sagte. Die beiden Stundenten und ein Polizist, der mit dem Päckchen in Berührung kam, wurden unter Quarantäne gestellt und erhielten vorsorglich Antibiotika. Der Polizeisprecher sagte, es weise zurzeit nichts auf einen Milzbrand-Anschlag hin.

Absender von "Shelter Now"-Brief ermittelt

Unterdessen hat die Polizei Braunschweig einen 32-jährigen Mann aus Sachsen-Anhalt ermittelt, der einen verdächtigen Brief an die Zentrale der Hilfsorganisation "Shelter Now" in Braunschweig geschickt hat. Der am Samstag sicher gestellte schlichte weiße Umschlag habe auf Grund seiner Aufmachung Verdacht ausgelöst, berichtete die Polizei am Montag. Eine Untersuchung im Wehrwissenschaftlichen Institut in Münster habe aber keinerlei Hinweise auf Gefahrstoffe ergeben. Der 32-jährige habe in einer ersten Vernehmung angegeben, dass er mit dem Schreiben lediglich auf die seiner Meinung nach unsensible Bombardierung durch die Amerikaner in Afghanistan habe hinweisen wollen. Weitere Einzelheiten wollte die Polizei im Laufe des Vormittags mitteilen.

Falscher Alarm am Wiener Flughafen

Auf dem Flughafen Wien hat sich ein Alarm um den Fund eines Pulvers, in dem ein biologischer Kampfstoff vermutet wurde, am Montag als falsch herausgestellt. Bei der weißen Substanz handle es sich um Stärke, sagte eine Sprecherin des Flughafens. Ein Teil des Flughafengebäudes war am späten Sonntagabend geräumt und desinfiziert worden, nachdem ein Passagier im Terminal Eins etwa 200 Gramm eines Pulvers entdeckt hatte. Es bestand der Verdacht, dass es Milzbranderreger enthalten könnte. In den USA waren in den vergangenen Tagen mehrere Milzbrandfälle festgestellt worden, bei denen ein terroristischer Hintergrund vermutet wurde.

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