Zwischenbilanz bei der Euro 2008
Enttäuschte Erwartungen und schlechte Geschäfte

Am Anfang war die Euphorie: Politiker und Wirtschaftsvereinigungen in der Schweiz und in Österreich priesen die gemeinsam veranstaltete Fußball-Europameisterschaft im Vorfeld lange Zeit als die "große Chance" für die heimische Wirtschaft. Hunderte Millionen Euro und Franken wurden in die Infrastruktur investiert. Doch die Euphorie ist verflogen.

HB WIEN/GENF. Zur Halbzeit der EM gibt es allenthalben enttäuschte Gesichter. In acht Austragungsstädten überwiegen die Klagen. Der erwartete Touristenansturm blieb ebenso aus wie der Run auf die großen Fanzonen. Das unerwartet schlechte Wetter tat ein übriges.

Besonders frustriert ist die Tourismusbranche. Viele Hotels meldeten lange vor dem ersten Anpfiff: "Wir sind ausgebucht." Doch der Jubel war voreilig. "Bis auf die großen Fünf-Sterne-Hotels gibt es praktisch in allen Städten noch genügend Hotelbetten", sagt der Salzburger EM-Beauftragte Martin Roseneder. In Österreich ist es fast überall das gleiche Bild. "Wir haben allerdings die Hoteliers schon im März 2007 angeschrieben und sie vor zu hohen Erwartungen gewarnt", erläutert Vera Schweder von der Wiener Tourismus-Zentrale. "Aus den Erfahrungen von Deutschland während der WM wussten wir, dass man nicht mit einem großen Boom rechnen konnte."

Was den Deutschen passierte, geschah nun auch in Österreich und der Schweiz: "Große Reiseveranstalter hatten vorab große Zimmer- Kontingente gebucht und sie dann kurz vor der EM wieder abbestellt." Wien traf es gleich doppelt hart: Nicht nur viele der üblichen Städtetouristen blieben der Hauptstadt fern. Für die Zeit der EM wurden auch alle internationalen Kongresse abgesagt, die sonst Zehntausende an die Donau ziehen. Das Ergebnis: Halbleere Straßencafès zur Mittagszeit und unerwartet leere Geschäfte. Vor allem die Taxifahrer jammern. Die vielen Absperrungen in den Städten machten ihnen das Leben schwer, "und die meisten Fußball-Fans fahren eben kein Taxi".

Besonders laut sind die Klagen der Geschäftsleute, die für Zehntausende Euros oder Franken Lizenzen für Stände in den Fanmeilen erworben hatten. Nach dem Ausscheiden der Heimmannschaften ist das Interesse am Public Viewing in beiden Ländern weiter gesunken. In Klagenfurt, aber auch in Wien herrscht in den abgesperrten Zonen außerhalb der Spielzeiten oft gähnende Leere. In Klagenfurt wurde bereits eine Fanzone geschlossen, auf den übrigen verloren sich nach dem Ausscheiden Österreichs am Mittwochabend rund 150 Fans. In Wien gaben deshalb 20 von 86 "Standler" schon nach wenigen Tagen ihre Lizenz zurück. Nur in Innsbruck konnte man bisher nicht klagen. Zehntausende treue Fans sorgten hier überwiegend für gute Geschäfte.

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