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Zwischenruf: Freibrief für Möllemann ?

So hat sich das Guido Westerwelle wohl nicht vorgestellt. Die von Möllemann geborene Strategie 18 hat er sich nach anfänglichem Zögern ja noch zu eigen gemacht. Den Rat seines Wahlkampfstrategen, die Liberalen Tabus brechen zu lassen und sich als Spaßpartei zu positionieren, nahm er sogar dankbar auf.

Doch urplötzlich ist Schluss mit Lustig. Möllemann hat sein wahres Gesicht gezeigt und stellt Westerwelle seit Tagen als butterweiche Führungskraft bloß. Während vor allem die NRW-Liberalen ihrer Leitfigur auch dann bedingungslos zujubeln, wenn die skrupellos im rechtspopulistischen Fahrwasser fischt, fehlen dem Parteichef auf medialer Bühne zunehmend die Worte.

Der ehemalige Lehrer Möllemann dagegen scheint gegen Sprachlosigkeit geimpft. Und offenbar war das kalkulierte Lostreten des Antisemitismus-Streits nur eine Ouvertüre vor dem nächsten großen Auftritt des Jürgen M. Nachdem der Parteivize mit dumpfer Rhetorik vor allem auf das geringe Geschichtsbewußtsein potenzieller Nationalliberaler wirkte, zieht er jetzt mephistogleich aus, die gelb-blauen Strukturen ins Wanken zu bringen. Mit der Nonchalance eines Stammtischbruders fordert der Fallschirmspringer für die Grand Dame der Liberalen Hildegard Hamm-Brücher und den frühere Bundesinnenminister Gerhart Baum den Ruhestand. Die beiden hatten es gewagt, ihn zu kritisieren.

Will sich die FDP nicht endgültig als führungslos präsentieren, sollte Westerwelle endlich die Reissleine ziehen. Als Kanzlerkandidat ohnehin nicht ernstgenommen, gelingt es ihm vielleicht wenigstens die Partei vor weiterem Schaden zu retten. Denn die Wahlen sind nicht mehr weit. Und Agitator Möllemann sollte sich auf eine erfolgreiche Tat seiner Vergangenheit besinnen: Den Rücktritt.

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