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Zwischenruf: Premiere wackelt weiter

Kirch Pay TV hat Insolvenz angemeldet. Die desaströse Unternehmensgeschichte um das Fernsehgeschäft des Münchner Medienmoguls ist damit allerdings noch nicht am Ende.

DÜSSELDORF. Denn Premiere, letztlich verantwortlich für den Zusammenbruch des Kirch-Imperiums, ist nach Unternehmensangaben nicht von dem Antrag seiner Muttergesellschaft betroffen. Der Betrieb des Senders, der im vergangenen Jahr fast eine Milliarde Euro Verlust brachte, soll weiter gehen. Premiere-Chef Georg Kofler hat damit ein weiteres Etappenziel erreicht. Jetzt steht die Möglichkeit offen, den Sender von der Kirch-Gruppe abzukoppeln und die eingeleitete Sanierung voran zu treiben. Vor allen die Kosten sollen weiter massiv gesenkt werden. Dazu hat Kofler bereits Gespräche mit seinen Geschäftspartner angekündigt. Wichtig wäre vor allem, die überteuerten Rechteverträge neu zu verhandeln. Fest steht dagegen schon jetzt, dass 200 Mitarbeiter mehr als noch zuletzt geplant den Verlustbringer verlassen müssen.

Ob diese Maßnahmen allerdings greifen ist fraglich. Denn so lange das Bezahlfernsehen keine neuen Impulse erhält, bleiben auch die Kunden aus. Ein Problem, dass im übrigen auch in Ländern wie Spanien oder England akut ist. Den Misserfolg des Pay TV als europäisches Problem darzustellen, wäre aber zu einfach. Dass Premiere immer noch mit rund 2,4 Millionen Abonnenten dahin dümpelt und gewaltig unter den Planzahlen liegt, ist sicher vor allem auch auf eine schlechte Marketingstrategie zurückzuführen. Individuellere Pay per View-Angebote zu fairen Preisen sind nur ein Beispiel. Der geplante Preiszuschlag für seine Sportabonnenten während der Fußball-Weltmeisterschaft in Japan/Südkorea, der erst nach wütenden Protesten beerdigt wurde, war dagegen keine Meisterleistung.

Und je länger für Premiere keine endgültige Lösung gefunden ist, wächst der Imageschaden. Kein vernünftiger Mensch würde einen Abo-Vertrag unterschreiben, solange die Premiere-Zukunft nicht gesichert ist. Denn eine Insolvenz ist nach wie vor nicht ausgeschlossen. Dass der Sendebetrieb völlig eingestellt wird ist zwar unwahrscheinlich, aber auch nicht völlig abwegig.

Kofler hat also nur wenig Zeit zum Luftholen. Der strikte Sparkurs allein wird die Gesellschafter nicht mehr lange ruhig halten. Und auch mögliche neue Investoren warten auf Koflers nächsten Schritt.

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