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Zwischenruf: Schweigen ist Gold

Ferdinand Piech hat letzte Woche kräftig Prügel ausgeteilt. Mutlosigkeit und Stillstand warf der VW-Chef seiner Tochter Audi vor, er bemängelte Technik und Design. Heute auf der Audi-Hauptversammlung gab Vorstandsvorsitzender Franz-Josef Paefgen die richtige Antwort: Das erste Halbjahr sei "das erfolgreichste in der bisherigen Firmengeschichte", sagte er vor den Aktionären. Kein Wort zu Piechs Attacken. Nur zwischen den Zeilen wollte Paefgen zeigen, wo seiner Meinung nach die Wahrheit liegt. Immer wieder betonte er in seiner Rede die "vorausschauende Modell- und Markenpolitik".

Im Frühjahr 2002 wird sich Piech altersbedingt aus dem operativen Geschäft zurückziehen, um dann vom Vorsitz des Aufsichtsrats weiter die Fäden in der Hand zu halten. Mit seiner Kritik an Paefgen hat er diesem erneut die Chancenlosigkeit einer Nachfolgeschaft klar gemacht. Gleichzeitig könnte das Störfeuer auch auf VW-Vertriebsvorstand und Audi-Aufsichtsratchef Robert Büchelhofer gerichtet gewesen sein. Es wäre nicht das erste Mal, dass der Technokrat Piech mit dem Marketingmann aneinander gerät.

Wenn im nächsten Jahr das große Stühlerücken beginnt, muss sich Ferdinand Piech allerdings auch selbst fragen lassen, ob er alle seine Hausaufgaben erledigt hat. Die gescheiterten Verhandlungen über ein neues Tarifmodell, das die Fixkosten des Konzerns gesenkt hätte, sind nur ein Beispiel.

Fraglich ist auch, ob seine Ideen zur Umstrukturierung des Konzerns Piech den ersehnt glanzvollen Abtritt verschaffen. Schon jetzt sorgt die geplante-aber noch nicht entschiedene- Dreiteilung in die Bereiche Luxus-, Massen- und Nutzfahrzeug-Marken für Unruhe. Durchaus möglich wäre, dass die Luxusmarken Bentley und Lamborghini mit Premiummodellen von VW und Audi zu einem Konzernteil vereint würden. Es geht die Angst um, die Marke Audi könne so ihre Selbstständigkeit verlieren.

Dass Audi zu Recht einen Bruch in der Markenführung fürchten muss, ist nicht auszuschließen. Der als neue VW-Vorstandschef gehandelte Bernd Pischetsrieder ist wie Piech auch ein Techniker. Zudem wird er in Zukunft weiterhin den Atem seines Chefs im Nacken spüren.

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