Zwischenruf: Vom Schuldenkönig zum Kuturdenkmal

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Zwischenruf: Vom Schuldenkönig zum Kuturdenkmal

Leo Kirch ist unglaublich. Überall mittendrin, nicht einfach nur dabei. Mit dem Bimbes anderer beherrscht er die mediale Klaviatur bis zum Anschlag.

Leo Kirch ist unglaublich. Überall mittendrin, nicht einfach nur dabei. Mit dem Bimbes anderer beherrscht er die mediale Klaviatur bis zum Anschlag. Doch welche Wellen der Herrscher über den verkabelten Sex, Talk und Crime tatsächlich zu schlagen vermag, gerät erst jetzt in tiefster Finanznot an die Oberfläche. Das vorerst letzte Meisterstück des TV-Imperators könnte in eine Schublade mit engem nachbarschaftlichem Verhältnis zur Realsatire a la Kir Royal passen. Nur leider, wenn von Kirch auch nicht ganz freiwillig konstruiert, wächst wohl schon bald ein staatstragendes Stück daraus.

Nicht anders ist die derzeitige Aufgeregtheit der hiesigen Medienkonkurrenz wie auch der Bundesregierung zu vestehen. Als hätte bislang niemand auch nur im entferntesten etwas von Kirchs Balanceakt zwischen unternehmerischem Aufstieg und Fall geahnt, geht plötzlich die Angst um in Deutschland. Die Angst vor ausländischem Wettbewerb. Die Namen von Rupert Murdoch und John Malone ziehen als Schreckgespenster durchs Land. Und getreu dem soziologischem Phänomen, in Krisenzeiten fest zusammen zustehen, erhält Kirch ganz neue Weihen von unvermuteter Stelle. Wenn Murdoch und Liberty-Boss Malone auf den Markt kämen, werde diese Kultur Schaden nehmen, will auf einmal ARD-Chef Pleitgen wissen. Selbst Historiker werden wohl niemanden finden, der so schnell vom Schuldenkönig zum Kulturdenkmal aufsteigen konnte.

Damit ist die Geschichte allerdings noch nicht am Ende. Als Ouvertüre zum politischen Hauptakt haben jetzt die Grünen angekündigt, das Problem in den Bundestag zu schicken. Kurios, dass gerade diejenigen mit dem vermeindlich geringsten wirtschaftlichen Sachverstand die ersten sind, die Aufklärung wünschen. Wenn sich aber die Abgeordneten schon einmal mit Kirch befassen, warum nicht gleich noch einmal über Globalisierung und Zuwanderung debattieren? Schließlich hat der Medienlöwe überall seine Fingerabdrücke hinterlassen. Aber dass Anglo-Amerikaner Murdoch am Ende noch die Green-Card erhält, davor bewahre uns des Kanzlers Basta.

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