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Zykliker helfen der Wall Street aus Telekom-Schwäche

An der Wall Street zeigt sich auch am Dienstag ein uneinheitliches Bild: Der Dow schaffte es nach Schwäche in den grünen Bereich und schloss mit einem Plus von 20 Punkten oder 0,2 % auf 10.631 Punkten. Die Nasdaq handelte in engen Grenzen und ging mit einem Minus von 32 Punkten oder 1,7 % bei 1897 Punkten aus dem Handel.

Nach Gewinnmitnahmen, die nach den Kurssprüngen seit Anfang März weder überraschten noch Sorge machten, nutzten viele Investoren die morgendliche Kursschwäche, ihre Aktienpositionen weiter auszuweiten. Andere warteten ab - sie sagen, der Standardindex könnte nach der jüngsten Rally durchaus noch bis auf 10.300 Punkte sinken ohne dabei technischen Schaden anzurichten.

Größte Verlierer waren den ganzen Tag über die Unternehmen des Telekom-Sektors. Der zweitgrößte US-Hersteller von Telekom-Technologie, Lucent, wird die Umsatzprognosen im laufenden Quartal verfehlen. Erst im Fiskaljahr 2003, das in diesem Sommer beginnt, rechnet das Management mit einem positiven Cash Flow und der Rückkehr in die Gewinnzone. Die Aktie verlor 10 %.

Der Sektor wurde weiterhin durch Umsatzwarnungen der Handyhersteller Siemens und Nokia belastet. Im laufenden Quartal seien die Verkaufszahlen enttäuschend, heißt es aus dem Nokia-Management. Statt eines Umsatzrückgangs um 20 % erwarte man ein Minus von 25 %, was die Jahresbilanz auf ein Umsatzminus von 6 % bis 10 % drücken könnte. Nokia verlor 6,5 %.

Andere Telekommunikations-Werte standen am Dienstag unter Druck. Nachdem der Branchenriese Qwest bereits am Montag 10 % verloren hatte, ging es am Dienstag um weitere 5 % bergab. Die US-Börsenaufsicht SEC hat Ermittlungen gegen das Unternehmen aufgenommen und Bilanzunterlagen angefordert. Es geht unter anderem um einige Übernahmen aus dem Bestand des bankrotten Konkurrenten Global Crossing.

Ähnlich die Situation beim Konkurrenten Worldcom: Auch hier ermittelt die SEC in Sachen Bilanzen. Merrill Lynch reagiert mit einer Abstufung der Aktie auf "neutral". Es sei nicht angemessen, den Titel weiterhin positiv zu bewerten, solange die Bilanz-Unklarheiten nicht geklärt seien. Die Nachrichten schickte das Papier auf Talfahrt - die Aktie rutschte um 13 % ab.

Die schlechten Nachrichten aus dem Telekombereich belasteten auch den Netzwerksektor. Betroffen waren insbesondere die Aktien von Juniper Networks . Der Wert gab um etwa 8,5 % nach. Auch JDS Uniphase befand sich auf dem Weg nach unten und verlor 10 %.

Der Netzwerk-Riese Cisco gab deutlich nach, obwohl es von Goldman Sachs positive Kommentare zu dem Unternehmen gibt. Im laufenden Quartal sehe man Cisco zwar am unteren Ende der Prognosen aber im Rahmen der Erwartungen, sagen die Experten. Aktien von Cisco verloren in einem branchenübergreifend schwachen Handel dennoch fast 5 %.

Auch die übrigen Big Caps schlossen komplett im Minus. Der Software-Gigant Microsoft gab 2,7 % ab, die Aktie litt unter vorsichtigen Kommentaren von Goldman Sachs. Die Analysten befürchten, dass das Unternehmen - obwohl man im laufenden Quartal die Erwartungen erfüllen könne - für das Fiskaljahr warnen werde.

Schlechte Nachrichten gab es auch für die PC-Branche. Die Deutsche Banc Alex Brown senkt die Wachstumsaussichten. Was die kurzfristige Entwicklung der PC-Industrie betrifft, sei Vorsicht angebracht. Für 2002 revidiert man die erwarteten Verkäufe um 3 % nach unten. An den Prognosen und Ertragsschätzungen von Apple, Dell, Compaq und Gateway rütteln die Analysten jedoch nicht. Dennoch schlossen die Werte fast ausnahmslos im roten Bereich. Gateway verlor 3 %, Dell 2,6 %, Apple 1,5 %.

IBM konnte sich hingegen im grünen Bereich halten. Im Zuge der Enron-Nachwehen will "Big Blue" eine detailliertere Bilanz vorlegen, um das Vertrauen der Investoren zu erhalten. Der nun vorgelegte ausgeweitete Jahresbericht ruft gemischte Reaktionen bei den Analysten hervor. Merrill Lynch gibt Entwarnung, bei IBM scheine auf den ersten Blick alles in Ordnung: "Wir sehen keine ,smoking guns?". Prudential Securities bewertet die Aktie weiterhin mit "halten". Die veröffentlichten Details würden keine Überraschungen beinhalten, demnach gebe es auch keinen Grund die Aktie heraufzustufen. Anleger orientierten sich am Urteil von Merrill Lynch, und die Aktie verbesserte sich um 3 %.

Weitere Dow-Stützen kamen aus den Bereichen der Zykliker und der Konsumwerte. Alcoa und 3M , Procter & Gamble und McDonald?s gehörten zu den besten Performern im Standardindex.

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