Zyklisches Geschäft
Renditechancen im Anlagenbau sinken

Noch bis etwa Mitte des vergangenen Jahres konnte sich der Anlagenbau von der gesamten Flaute abkoppeln. Doch inzwischen ist der Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Großanlagenbau im Branchenverband VDMA, Thomas Waldmann, nur noch "verhalten optimistisch". Wie im gesamten Maschinenbau spürt auch der Anlagenbau die schlechte Konjunktur. Vereinzelt schaffen es Konzerne allerdings, sich gegen den Trend zu stemmen. Auch glauben Experten, dass der gesamte Maschinenbau inzwischen die Talsohle überwunden hat.

DÜSSELDORF. Die Aufträge im Anlagenbau sind im vergangenen Jahr um 10 % zurückgegangen. Mit diesem Ergebnis sei man angesichts der Investitionszurückhaltung "durchaus zufrieden", sagte Waldmann. Dem gesamten Maschinenbau hat die Unternehmensberatung Mercer erst kürzlich "trotz der momentanen konjunkturellen Krise gute Entwicklungspotenziale" bescheinigt. Die Landesbank Baden-Württemberg schätzt in einer Studie, dass die Branche den Boden erreicht hat. Zahlreiche Unternehmen zeigten attraktive Dividendenrenditen, die erfahrungsgemäß mittelfristig den Aktienkurs positiv beeinflussten, schreibt die LBBW.

Der Anlagenbau spielt im Maschinenbau allerdings eine Sonderrolle. Er verhält sich sehr zyklisch, außerdem läuft er der allgemeinen Konjunkturentwicklung bis zu einem Jahr hinterher. Deshalb sind einige Anlagenbauer in der Fertigung ausgelastet, während sich beim Auftragseingang die Krise bereits voll bemerkbar macht. Aus diesem Grund seien die Margen im Anlagenbau häufig zu gering, meint Analyst Dirk Lohmann von HSBC Trinkaus & Burkhardt. So wie viele Analysten steht er dem Anlagenbau generell kritisch gegenüber. "Das hat Babcock das Genick gebrochen", meint Lohmann. Analysten stört nicht nur das sehr langfristige Geschäft im Großanlagenbau: Lohmann wie auch Alexandra Hauser von der Landesbank Baden-Württemberg sehen auch die hohe Anlagenbindung als belastend an.

Doch es gibt auch positive Beispiele. Bei Siemens gehören die Bereiche Automatisierung und Antriebe (A&D) und Energieerzeugung (PG) zu den Spitzenverdienern im Konzern. Dass Siemens den Anlagenbereich weiter stärken will, zeigt der vor kurzem erfolgte Kauf des Industrieturbinen-Geschäfts von Alstom. Analyst Falk Reimann von der Landesbank Baden-Württemberg sieht den Anlagenbau bei Siemens als Pluspunkt für den breit gefächerten Elektrokonzern. "Er bringt einen Ausgleich zu den defizitären Bereichen", sagt Reimann.

Der Anlagenbauer Dürr profitiert von seiner starken Marktstellung. Als Weltmarktführer beim Bau von Lackieranlagen für die Autoindustrie ist er nach Ansicht von Harald Rehmet von der Landesbank Baden-Württemberg strategisch und technologisch hervorragend positioniert. Doch die schwache Konjunktur zeigt Spuren, weshalb die Mehrzahl der Analysten Dürr lediglich auf "Halten" einstuft.

Das Bild ist gemischt. Die (längst verkaufte) Kraftwerkssparte von ABB hat den Elektrokonzern fast in den Ruin gerissen. Die Klagen wegen Erkrankungen durch in Kühltürmen verwendetes Asbest belasten Unternehmen und Aktienkurs schwer. Sollte das US-Gericht in den nächsten Wochen dem angestrebten Vergleich zustimmen, könnte ABB dieses Kapitel endlich abschließen und sich auf die lukrativen Geschäfte mit Anlagen der Automatisierungstechnik und Energieverteilung konzentrieren. Zurzeit rät die Mehrheit der Analysten zum Verkauf der ABB-Aktien.

Beim in letzter Zeit stark ins Gerede gekommenen Konzern MG Technologies bringt der Großanlagenbau nicht die erwünschten Renditen im Gegensatz zu den Sparten Chemie und Maschinenbau. Der neue Konzernchef Udo Stark hat denn auch angekündigt, den Großanlagenbau zu verkleinern. Trotzdem stufen viele Analysten wie Richard Schramm von HSBC Trinkaus & Burkhardt MG als Kauf ein.

Es gibt in Deutschland nur wenige große Anlagenbauer, die an der Börse notiert sind. Bedeutende Anbieter wie Voith sind reine Familienunternehmen, andere wie Lurgi oder Uhde Teile von Konzernen.

In Europa gelten die Franzosen Technip-Coflexip als Vorbild der Branche.

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