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Zypern: Wo die Götter speisen

Feinschmecker schätzen den harten Halloumi-Käse und den honigsüßen Commanderia. Dieser Wein aus dem Troodos-Gebirge wird nach uralten Rezepten gekeltert.

Thedoroy Panikos spricht fast trotzig in die karge Landschaft des zypriotischen Troodos-Gebirges hinaus: "Mein Vater würde das verstehen. Mit diesem Erlös kann niemand überleben." Er betreibt die schleichende Beerdigung des Lebenswerks seines Vaters Andreas. Dieser war es, der die Rebbauern in der Kooperative S.E.A.K.X. zusammenfasste und der Produktion des Commanderia, des berühmten zypriotischen Süßweines, eine hoffnungsvolle Zukunft voraussagte.

Tempi passati. Heute sagt sein Sohn: "Das Einkommen ist seit zehn Jahren gleich geblieben. Hier verdiene ich 600 Euro im Monat, an der Küste könnte ich das Doppelte verdienen." Die Konsequenz: Die Weinstöcke verwildern, die Landschaft verödet. Von den 14 Dörfern, welche den Dessertwein unter dem Namen Commanderia keltern dürfen, nutzen nur noch vier diese Möglichkeit.

Dabei ist die Nachfrage nach dem Wein so groß wie zu Zeiten Kleopatras, als der römische Herrscher Marcus Antonius ihr ins Ohr flüsterte: "Die Süße deiner Liebe ist wie zyprischer Wein."

Die Rede ist von einer süßen, fruchtigen Flüssigkeit mit vielschichtigen Aromen, die aus dem Saft von gut zehn Prozent weißen und 90 Prozent roten Trauben gepresst wird. Zum Commanderia verarbeitet, trägt der Trunk 15 Prozent Alkohol in sich und besticht in jungen Jahren mit roter Farbe, die sich im Alter ins Bräunliche wandelt.

Das Troodos-Gebirge ist eines der ältesten Weinanbaugebiete der Welt. Auf einem ruppigen Terrain in einer Höhe zwischen 400 und 800 Metern wachsen die Reben verstreut, als wären sie wild wachsende Büsche. Thedoroy Panikos rechnet vor: Ein Stock trägt drei Kilo Trauben. Die Trauben von zwei Stöcken schrumpfen nach acht Tagen in der Sonne etwa auf 2,5 Kilo zusammen. Das gibt ein Liter Süßwein, der 60 Cent - etwa ein Euro - einbringt. "Davon kann man nicht leben."

Akis Zambartas sieht dies anders. Der smarte kleine Mann ist Geschäftsführer von KEO, dem größten Produzenten von Commanderia. KEO füllt unter dem Namen "St. John" 500 000 Flaschen ab und exportiert sie in die halbe Welt. "Wir könnten mehr liefern", erklärt der Geschäftsführer. Noch immer ist der Commanderia so etwas wie das Flaggschiff des Wasser-, Bier-, Fruchtsäfte- und Weinproduzenten.

Verarbeitet und gelagert wird die edle Flüssigkeit auch an Ort und Stelle, bis sie in die Keller von KEO nach Limassol überführt wird. Während dieser Lagerzeit setzt sich in den Tanks von Kalo Chorio am Boden eine mit Fruchtfleisch durchsetzte, süße und bräunliche Brühe ab, die unter dem Namen "Zivania" als besondere Leckerei von den Einheimischen verkostet wird.

Der Commanderia lagert bei KEO in großen Eichenfässern, von denen jährlich nur ein Viertel abgefüllt wird, so dass in jeder Flasche noch Tropfen von 1927 sein könnten, als KEO gegründet wurde.

Akis Zambartas sieht keine Gefahr für den weltweit ältesten Wein, der noch nach Originalrezept gekeltert wird. Er hält es mit dem König Philippe August, der den Commanderia den "Vater der Weine" nannte. "Ein Vater ist immer unsterblich."

Quelle: Handelsblatt

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