100 Jahre GM
General Motors: Getriebeschaden

Der Auto-Riese General Motors wird 100 Jahre alt. Doch zum runden Jubiläum kommt der einstige Vorzeige-Konzern nicht in Feierstimmung. Die Verluste sind gigantisch - und die Hoffnung ruht auf einem Elektroauto, das noch lange nicht serienreif ist.

NEW YORK/LONDON. "In zehn Jahren werden wir die erfolgreichste und profitabelste Autofirma der Welt sein." Es ist Ende Juli und der Mann, der da während der Autoshow in London auf seinem Blackberry herumtippt, liebt starke Sprüche. Würde er bei Toyota arbeiten oder wenigstens bei VW, hätten die Worte nichts Gewaltiges, nichts Sensationelles. Doch der Manager im blütenweißen Hemd, dessen erstes Erkennungsmerkmal die stets heiser klingende Stimme ist, sitzt gerade im Besprechungszimmer des Messestandes von Opel und ist Vizechef des bedrohlich wankenden US-Mutterkonzerns General Motors (GM).

1,90 Meter Körpergröße und ein stattliches Manager-Alter von 76 Jahren lassen Robert "Bob" Lutz wie einen Souverän wirken, egal wie schlecht es um seinen Arbeitgeber steht. Schließlich hat der Mann im Laufe der Jahre zahlreiche Autokrisen miterlebt, und von keiner ging die Welt unter. Er sah schon Chrysler 1982 dem Bankrott von der Schippe springen, Nissan 1999, Fiat im Jahr 2006. Auch GM hat sich aus existenzbedrohenden Krisen immer wieder befreit. Aber diesmal? Branchenexperten haben den 180 Milliarden Dollar Umsatz schweren Koloss abgeschrieben. Doch das stachelt den ältesten Topmanager der Autoindustrie nur noch mehr an: "Wir werden nicht nur überleben", sagt Lutz, "sondern erstarkt und wettbewerbsfähiger denn je aus dieser Situation hervorgehen."

Zu Jubiläen passt eben keine schlechte Stimmung, schon gar nicht zum runden 100. Geburtstag. Mit einer riesigen Style-Fashion-Show hatte es der Konzern zu Jahresbeginn noch richtig krachen lassen: 3 000 Gäste feierten am Detroit River den Auftakt des Jubiläumsjahres. Grammy-Gewinnerin und Soulsängerin Mary J. Blige sorgte für Stimmung, Kid Rock war da, und angesagte Nachwuchs-Designer schickten ihre Models auf den Laufsteg. Aber schon damals tanzte GM auf dem Vulkan.

Nun, acht Monate später, zittern so manchem GMler die Beine - vor Angst. In der gläsernen GM-Zentrale an der Jefferson Avenue ist kaum jemandem mehr nach einer Jubelshow zu Mute. Der glücklose Konzernchef Rick Wagoner wird am heutigen Dienstag, dem offiziellen Geburtstag, lediglich die wichtigsten Standorte weltweit in einer Telefonkonferenz zusammenschalten. Das klingt eher nach stillem Wasser als nach prickelndem Schampus.

Der Mutterkonzern von Opel steckt in der bedrohlichsten Krise seiner langen und bewegten Unternehmensgeschichte. Ein weltweites Autoimperium ist GM im 100. Lebensjahr geblieben, aber ein im Zerfall befindliches. Pro Tag verbrennt GM derzeit mehr als 30 Millionen Dollar Cash.

Allein im zweiten Quartal 2008 hat die Firma 15 Milliarden Dollar verloren, nach einem Rekordminus von fast 40 Milliarden Dollar im Vorjahr. Die Summe entspricht etwa einem Jahresumsatz des IT-Riesen Microsoft. Dass der Börsenkurs auf ein Niveau herabgestürzt ist, auf dem sich die GM-Aktie zuletzt in der Ära von Präsident Dwight Eisenhower befunden hat, ist da kaum verwunderlich. Sieben Milliarden Dollar Marktkapitalisierung bleiben gerade noch - etwa so viel wie bei Mattell, dem Hersteller von Matchbox-Autos.

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