20 Jahre Grüner Pfeil: Umstrittenes DDR-Erbe verwirrt noch immer

20 Jahre Grüner Pfeil
Umstrittenes DDR-Erbe verwirrt noch immer

Viele Wessis nahmen ihn kaum wahr und trieben damit Ossis zur Verzweiflung. Der Grünpfeil, als DDR-Relikt in die bundesdeutsche Straßenverkehrsordnung importiert, ist vielerorts schon wieder auf dem Rückzug.
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Potsdam/BerlinEs war eine der wenigen Errungenschaften der ehemaligen DDR, die sich dauerhaft in der wiedervereinigten Bundesrepublik durchsetzen konnten: Das kleine Blechschild mit grünem Pfeil auf schwarzem Grund, das ein Rechtsabbiegen an der Kreuzung auch bei Rotlicht erlaubt.

Anfang März 1994 wurde der Grünpfeil in § 37 der Straßenverkehrsordnung aufgenommen und trat danach zunächst einen Siegeszug durch die deutschen Großstädte an. Die Verkehrsplaner setzten große Hoffnung in eine Beschleunigung des Verkehrs. Doch inzwischen werden die Blechschilder vielerorts wieder abmontiert.

Die meisten Grünpfeile gibt es mittlerweile in Westdeutschland. «Weil es dort mehr Großstädte gibt», sagt Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer (UDV), die den Grünpfeil vor zwei Jahren zusammen mit der TU Dresden untersucht hat.

Ein Ergebnis: Immer mehr Städte haben den Grünpfeil übernommen, nur 16 von 61 befragten Städten lehnten ihn grundsätzlich ab. Aber nach anfänglicher Euphorie ließ die Begeisterung schnell wieder nach und viele Blechschilder wurden nach und nach wieder abmontiert.

«Bei leichten Unfällen gab es etwas höhere Raten an den Kreuzungen mit Grünpfeil», erläutert Brockmann, etwa durch Auffahrunfälle. Denn rund 77 Prozent der in der Studie beobachteten rund tausend Autofahrer missachteten das Anhaltegebot und fuhren weiter.

Außerdem zerschlug sich die Hoffnung auf einen schnelleren Verkehrsfluss. «Der Zeitvorteil war nur minimal und entsprechend der Grünen Welle steht der abbiegende Autofahrer dann länger vor der nächsten roten Ampel.»

So hingen etwa in Berlin im Jahr 2007 an 90 Ampelanlagen insgesamt 110 Blechpfeile, inzwischen sind es nur noch 69. Den Fachverband Fußverkehr freut es. «Der Grünpfeil ist ein zusätzliches Risiko für den Fußgänger, weil der Autofahrer ja trotz Rotlicht weiterfährt», sagt Geschäftsführer Bernd Herzog-Schlagk. «Wenn der Fußgänger Grün hat, muss er Grün haben - das gilt besonders für Sehbehinderte.» In Berlin stoße der Verband auf offene Ohren, wenn er wegen Gefährdung von Senioren oder Radfahrern ein Abmontieren des Schildes fordere.

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