24 Stunden von Le Mans Starke Favoriten, ungewöhnliche Herausforderer

Samstag Nachmittag startet das härteste Langstreckenrennen der Welt. Die Favoritenrollen bei den 24 Stunden von Le Mans sind fest verteilt: Audi und Porsche sind Seriensieger. Doch das Event hat seine eigenen Gesetze.
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Auf ein ungewöhnliches Experiment setzt Nissan. Zuletzt vor 16 Jahren aktiv in Le Mans vertreten, tritt man nun mit einem Frontmotor und Frontantrieb an. Das Fahrzeug mit der ungewöhnlich langen Schnauze bekommt viel Aufmerksamkeit, hat aber keine realistischen Aussichten auf den Gesamtsieg. Quelle: PR
Nissan GT-R LM Nismo

Auf ein ungewöhnliches Experiment setzt Nissan. Zuletzt vor 16 Jahren aktiv in Le Mans vertreten, tritt man nun mit einem Frontmotor und Frontantrieb an. Das Fahrzeug mit der ungewöhnlich langen Schnauze bekommt viel Aufmerksamkeit, hat aber keine realistischen Aussichten auf den Gesamtsieg.

(Foto: PR)

Düsseldorf/Le MansLe Mans ist fest in deutscher Hand. 16 mal siegte beim härtesten und prestigeträchtigsten Langstreckenrennen der Welt Porsche, Audi war 13 mal bei den 24 Stunden von Le Mans ganz vorn. Toyota fährt dem Sieg seit 30 Jahren hinterher, oft mit unglaublichem Pech. Peugeot hat sich sogar ganz zurückgezogen von der einzigen französischen Veranstaltung im Rahmen der Langstreckenweltmeisterschaft WEC.

Und jetzt greift Nissan mit einem Konzept an, wie es der Motorsport noch nicht gesehen hat. Nach 16 Jahren Abwesenheit von dem materialmordenden Event. Kann das gutgehen?

Wenn am kommenden Samstag um 15 Uhr die Ampel auf Grün wechselt, werden unter den 56 Fahrzeugen, die in vier verschiedenen Rennklassen starten, auch drei Nissan GT-R LM Nismo das härteste Langstreckenrennen der Welt unter die Räder nehmen.

Zwei Besonderheiten ragen bei den mit Superlativen gespickten Boliden heraus: Das radikal konzipierte Hybrid-Modell, das in der in der LM P1+H-Kategorie startet, tritt mit Frontmotor und Frontantrieb an, und neben erfahrenen Piloten wie Michael Krumm und Alex Buncombe sitzen auch Youngster aus der hausinternen Nachwuchsschmiede GT Academy hinterm Lenkrad. Sehr junge Rennfahrer, die vor kurzem noch an Sonys Playstation mit Gran Turismo 6 ihre virtuellen Runden drehten.

Die großen Legenden von Le Mans
Bis 1930 fuhr Bentley in Le Mans vier Gesamtsiege ein
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Teil des Mythos von Le Mans sind einerseits die Autos und erfolgreichen Marken, andererseits Fahrer, die teils zu Helden des Motorsports wurden, und daneben die Rivalitäten der verschiedenen Hersteller. Während die moderne Le-Mans-Epoche bislang vom Duell Audi gegen Peugeot geprägt wurde, könnte es in Zukunft mehr auf den Kampf um bessere Hybrid-Konzept hinauslaufen, - bevor letztlich Elektromotoren übernehmen?

Schlendrian
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Legendär war der 1925 eingeführte Le-Mans-Start: Die Fahrer sprinteten quer über die Fahrbahn zu den gegenüber aufgereihten Boliden. Nach Einführung der Sicherheitsgurte 1969 wollten einige Fahrer diesen Startmodus ändern. Allen voran Jacky Ickx. Der demonstrierte seinen Unmut durch demonstratives Schlendern – und gewann am Ende trotzdem. 1970 starteten die Fahrer sitzend in ihren Fahrzeugen mit stehendem Motor. Seit 1971 beginnen die 24 Stunden mit fliegenden Start.

Alfa Romeo 8C 2300
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Um ein paritätisches Ergebnis über die gesamte Geschichte des Rennens zu erzielen, traten die Wettbewerber jeweils für eine jeweilige Epoche an. Für die "Gründerjahre" der Veranstaltung setzten sich der Bentley "Speed Six" durch, der zweimal gewann. Bis 1930 dominierten die Briten das Rennen mit insgesamt vier Gesamtsiegen. Die Vierziger bis zum Krieg prägte Alfa Romeo mit dem 8C. Erfolgreichste Marke ist aber bislang Porsche mit 16 Siegen.

Leerlauf und Gleichberechtigung
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Leerlauf: Beim ersten Rennen 1923 wurde der Tank des Bentleys von John Duff durchschlagen und lief leer. Der Kanadier rannte zum nächsten Fernsprecher und rief in der Box an. Dort borgte man sich ein Fahrrad, fixierte zwei Kanister Benzin darauf und radelte zum gestrandeten Fahrzeug. Nach dem Auftanken erreichte der Bentley sogar noch das Ziel.

Gleichberechtigung: Mit Odette Siko und Marguerite Mareuse ging 1930 zum ersten Mal ein Damenduo an den Start und erreichte den siebten Platz in der Gesamtwertung. 1932 fuhr Odette Siko sogar auf Rang Vier, die beste Platzierung, die jemals eine Frau in Le Mans schaffte.

Ferrari 166MM 1949
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Obwohl sich Ferrari insgesamt neun Mal als Sieger in die Listen des Rennens eintragen konnte, schaffte nur der 166 MM den Sprung in den elitären Zirkel der "Legenden von Le Mans". Als erster Gesamtsieger von Ferrari 1949.

Kalte Dusche
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Dan Gurny führte 1967 ein heute nicht mehr wegzudenkendes Ritual bei der Siegerehrung ein: Der US-Amerikaner war der Erste, der trunken vor Siegerglück Champagner auf dem Siegerpodest versprühte.

Schlimmster Unfall
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1955 war ein schwarzer Tag für Fahrer, Fans und Veranstalter. Auf der Zielgeraden raste der Franzose Levegh auf das Heck des vor ihm fahrenden Briten Macklin auf Austin-Healey 100. Leveghs Mercedes 300 SLR hob ab und überschlug sich. Dabei wurden u.a. Motorhaube und Frontachse in die Zuschauertribüne geschleudert. 84 Menschen kamen ums Leben. Es war der schwerste Unfall der Motorsportgeschichte. Das Rennen wurde dennoch zuende gefahren.

Eine ungewöhnliche und recht experimentelle Kombination, bei der noch vieles schief gehen kann, wie verschiedene technische Pannen und Probleme bei der Zulassung und in der Vorbereitungsphase zeigten.

Zwar kehrt Nissan erstmals wieder offiziell und nach 16 Jahren Abwesenheit an den „Circuit des 24 heures“ zurück, doch sind die experimentierfreudigen Japaner an der rund 13 Kilometer langen Hochgeschwindigkeitsstrecke keine Unbekannten. Das vom Werkstuner Nismo unterstützte Team war in vergangenen Jahren mit dem Rennsportexperiment Nissan Xeod RC zumindest Ehrengast in Frankreich. Und drehte außer Konkurrenz die erste vollständig elektrisch gefahrene Rennrunde auf dem Kurs.

Die drei Wagen, mit denen Nissan diesmal ernsthaft gegen die besten Sportwagenteams antritt, nennt Motorsportchef Darren Cox „eine mutige Interpretation des technischen Reglements“, das den Entwicklern in Le Mans einige Freiheiten lässt.

Seit der Saison 2014 gilt in der LMP1-Kategorie ein besonders fortschrittliches Technikreglement: Es beschränkt die Energiemenge, die von den Werksautos pro Runde eingesetzt werden darf. Zugleich ist für Hersteller mindestens ein Hybridsystem Pflicht.

Welcher Art dies ist und wie die zurückgewonnene Energie zwischengespeichert wird, stellt das Reglement ebenso frei wie die Wahl des Motorkonzepts, des Hubraums und der Kraftübertragung. So entstehen große kreative Freiräume für die Ingenieure. Allerdings unterliegen alle Lösungen dem radikalen Grundgedanken des Reglements: Je mehr Energie aus Rückgewinnungssystemen eingesetzt wird, desto weniger Kraftstoff darf verbrannt werden.

Mit Tempo 330 über die Landstraße
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