40 Jahre Harley-Davidson Super Glide
Wie Willie das Gleiten neu erfand

Seit dem Kultfilm "Easy Rider" gelten Chopper als Sinnbild für Freiheit und Abenteuer. Wer damals ein solches Motorrad fahren wollte, musste selber schrauben - bis Harley-Davidson die Super Glide präsentierte.
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BerlinHarley-Davidson-Fahrer sind Individualisten: Keine anderen Motorräder werden so häufig nach Gusto ihrer Besitzer umgebaut und veredelt wie die legendären Maschinen aus Milwaukee. Ende der 1960er Jahre boomte in den USA der Trend zum besonderen Bike - die beiden Leinwandhelden aus "Easy Rider" trugen dazu einen beträchtlichen Teil bei. Mit extremen Harley-Umbauten unterm Hintern hatten sie Amerikas Jugend endgültig davon überzeugt, das Originalmodelle nur etwas für Spießer sind. Das ging an Willie G. Davidson, dem Gründerenkel und Chefdesigner von Harley-Davidson, nicht vorbei und spornte ihn an, eine für die damalige Zeit radikale Serienmaschine zu entwerfen: die FX 1200 Super Glide.

Davidson wusste genau, was die jungen Motorradfahrer wollten. Bei Bikertreffen war er Stammgast, spürte dort neue Trends auf. Die wohl wichtigste Strömung mündete damals im Purismus: Chopper lautete das Stichwort. Dieser Begriff ist vom englischen Verb "to chop" abgeleitet, was "(ab)hacken" bedeutet. Chopper sind demzufolge Maschinen, bei denen "überflüssige" Teile kurzerhand entfernt wurden - Schutzbleche, Trittbretter und Verkleidungsteile. Da diese abgespeckten Motorräder nicht von der Stange zu bekommen waren, legten die Besitzer selbst Hand an. Als Basis für die Umbauten dienten häufig Touring-Maschinen von Harley-Davidson.

Kein Zufall also, dass Willie G. Davidson den mächtigen Tourer Electra Glide als Ausgangsmodell für seine Chopper-Pläne wählte. Ohnehin fehlte auch das nötige Geld, um ein komplett neues Motorrad zu entwickeln, denn das Unternehmen war finanziell angeschlagen. Der Designer kombinierte den Rahmen, den 1200 Kubikzentimeter großen V-Motor und das dicke Hinterrad der FL Elektra Glide mit der engen Teleskopgabel und dem schmalen Vorderrad der XL Sportster. Mit vergleichsweise wenig Aufwand war der Chopper-Look perfekt. Die Typenkürzel der beiden Teilespender verschmolzen zu einer neuen Kennung: Die FX 1200 Super Glide war geboren.

Die ersten Maschinen kamen 1971 zu den Händlern. Allerdings hielt sich die Begeisterung der Kunden anfangs in Grenzen. Schuld daran waren Details wie der dicke Tank, die überlange Stufensitzbank und vor allem das klobige Fiberglasheck, das Willie G. Davidson exklusiv für den ersten Serien-Chopper entworfen hatte. Dieses sogenannte Boat Tail mit integriertem Rücklicht und spitz zulaufendem Abschluss ragte weit übers Hinterrad hinaus und sah aus wie von einem anderen Stern.

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