40 Jahre Renault R5
Der kleine Freund feiert Geburtstag

Er war ein einsamer Kleinwagen unter großen Benzinkutschen und wurde ein Erfolg: Mit dem R5 schlug Renault ein neues Kapitel der Autogeschichte auf. Unzählige Male wurde der Franzose gebaut, doch heute macht er sich rar.
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Paris/BrühlDas Motto der Französischen Revolution lautete Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Menschen wie Markus Goris verbinden damit aber eher Schlagworte wie Charme, Esprit und Variabilität. Denn der Renault-Sammler aus Rheinbach gibt wenig auf politische Umbrüche im ausgehenden 18. Jahrhundert. Er redet von der Revolution des Kleinwagens, die vor genau 40 Jahren ebenfalls in Frankreich begann: 1972 lief bei Renault der erste R5 vom Band.

Außen klein, innen groß, chic und charmant, preiswert zu kaufen und billig zu reparieren, nimmt er die Herzen der Großstädter im Sturm. Fast über Nacht wird der von den Werbern erst zum «Supercar» und später zum «kleinen Freund» gestempelte Zweitürer zu einem der erfolgreichsten Autos in Frankreich und läutet eine neue Kleinwagen-Ära ein, die in Deutschland noch lange auf sich warten lässt. Schließlich knattert dort noch immer der Käfer.

Der Erfolg ist dem kleinen Franzosen buchstäblich in die Wiege gelegt. Denn zum ersten Mal wird ein Auto quasi von Kunden mitentwickelt, zitiert Renault-Sprecher Thomas May-Englert aus den Archiven. Projektleiter Bernard Hanon fragt Käufer, was sie von ihrem Wunschauto erwarten. Unkonventionell soll er sein, sagen diese.

Auch bei der Konstruktion betreten die Franzosen laut May-Englert Neuland. Einen kleinen Motor, vorn montiert für den Frontantrieb, kennt man bei Kleinwagen schon seit dem Mini und dem R5-Vorgänger R4. Aber die Kunststoffstoßfänger zum Beispiel sind eine kleine Revolution. Sie sind widerstandsfähiger und billiger als die damals gängigen Blechplanken.

Die senkrechten Rückleuchten schaffen Platz für eine breite wie tiefe Heckklappe, die das Laden erleichtert. Bei nur 3,51 Metern Länge bietet der R5 vier großzügig bemessene Plätze und schluckt mit umgeklappter Rückbank stattliche 900 Liter Gepäck.

Bei der Entwicklung orientiert sich Renault an einer breiten Käuferschicht. Denn Vorstandschef Pierre Dreyfus verlangt ein Auto, das junge Menschen ebenso wie kleine Familien, Zweitwagenbesitzer und vor allem Frauen anspricht. Er soll klein genug für den Großstadtverkehr sein, variabel genug für Großeinkauf und Wochenendtrip - und moderner und jugendlicher als der R4 aussehen.

Deshalb darf mit Michel Boué der jüngste Designer im Team ran. Er legt einen Entwurf vor, der auf Anhieb begeistert. «Der R5 war das erste Auto mit einem nahezu menschlichen Antlitz», sagt Sammler Goris mit Blick auf die Kulleraugen und den grinsenden Kühlergrill.

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