50 Jahre Fulvia Coupé
Dieser Lancia ist ein Nationaldenkmal

Die zweitürige Fulvia gilt in der Fachwelt als formvollendet wie kein anderes kompaktes Coupé. Ein Sportler, dem Wettbewerb technisch überlegen war. Und sogar die Fusion mit Fiat überlebte.
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Überraschung: Kein legendärer Karosserieschneider wie Pininfarina, Bertone oder Zagato hat dieses kleine und klassisch-klar konturierte Coupé gezeichnet. Die nur 3,97 Meter messende zweitürige Lancia Fulvia mit schwebend wirkendem Dachaufbau gilt als Meisterwerk des begnadeten Lancia-Hausstilisten Pietro Castagnero.

Tatsächlich verkörpert der von 1965 bis 1976 gebaute 2+2-Sitzer alles, was Lancia einst ausmachte, nämlich Ästhetik, Exklusivität, Sportlichkeit und Modernität. Weshalb ihm die ab 1969 regierenden neuen Herren des Fiat-Konzerns mit einer aufregend gezeichneten, gleichnamigen Studie noch im Jahr 2003 ein spätes Denkmal setzten.

Vor allem aber war die Fulvia, die auch als viertürige Limousine und als Fließheckcoupé Sport für Furore sorgte, der bis dahin meistproduzierte Lancia aller Zeiten.

Fortschrittlicher Frontantrieb und aufwendige Fahrwerkstechnik ermöglichten den leichtgewichtigen Coupés auf Straße und Strecke eine Souveränität gegenüber leistungsmäßig stärkeren Konkurrenten, die an die Erfolge des englischen Mini Cooper erinnerte. So waren die fast unzähligen Siege der Fulvia im Motorsport die Basis für Lancias jahrzehntelange Dominanz auf den Rallyestrecken. Manchmal ist klein eben besonders fein, wie die kompakten bellissime macchinemit 1,2 bis 1,6 Liter Hubraum bewiesen.

Eine kleine Baureihe für große Gewinne benötigte die Edelmarke Lancia Anfang der 1960er Jahre dringend. Schon 1955 hatte die Familie Lancia ihre Firmenanteile an den italienischen Industriellen Carlo Pesenti verkaufen müssen, der nun seinerseits auf eine Gesundung des Gesamtunternehmens durch die Fulvia hoffte. Dazu schrieb er seinem designierten Einstiegsmodell eine Gleichteilestrategie mit dem größeren Flavia ins Lastenheft und definierte als Produktionsstandort das für die Flavia errichtete Werk in Chivasso bei Turin.

Ebenfalls aus Kostengründen entschied Lancia-Chef Pesenti, dass die Coupéversion der Fulvia nicht wie üblich von einer Carrozzeria entwickelt werden sollte, sondern hausintern unter Verantwortung von Pietro Castagnero. Für den Formenkünstler damals die größte Herausforderung seines Lebens, musste er doch alle unabhängigen Stardesigner in den Schatten stellen. Erfolgreich, wie sich auch zeigte als bei Zagato ein zweiter Coupé-Entwurf als Fulvia Sport in Serie ging.

Zwar schrieb diese von Ercole Spada gezeichnete Fulvia Sport Ende 1965 Geschichte als eines der ersten Fastback-Coupés, zum Volumenmodell und weltweit gefeierten Urmeter für Coupékarosserien geriet aber allein Castagneros Konzept mit filigranen Dachsäulen.

Hinzu kam ein damals beispielhafter cW-Wert von 0,39, der mit dazu beitrug, dass die Lancia Coupés zu den schnellsten Sportlern ihrer Hubraumklasse zählten. Technisch verfügten alle Fulvia nach dem Vorbild der Flavia über fortschrittlichen Frontantrieb und einen ungewöhnlichen V4-Motor. Dessen V-Winkel war mit nur 13 Grad so eng ausgelegt, dass beide Zylinderreihen unter einen gemeinsamen Zylinderkopf aus teurem, aber leichtem Aluminium passten.

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