60 Jahre Strand-Spaßmobile

Diese Autos machen Lust auf Meer

Heute sind es Citroen E-Méhari und VW Beetle Dune, die ein Grinsen ins Gesicht Sonnenhungriger zaubern. Tatsächlich avancierten Strandautos aber schon in den 50er Jahren zum Accessoire der Surfer und der High Society.
  • Wolfram Nickel
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Spaßmobile für Dünen und Deauville
Fiat 500 Jolly von Ghia ab 1957
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Die Carrozzeria Ghia entwarf den Jolly auf Fiat-500-Basis. Vorgestellt wurde er auf dem Turiner Salon - und begeistert die Massen so sehr, dass die fröhlichen Mini-Strandautos in den Folgejahren fast unverzichtbares Accessoire aller reichen Riviera-Besucher werden.

Citroen Méhari 1978
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Ein Auto wie ein Bikini: Aufs wesentliche reduziert, und für den Strand gebaut. Als Lieblinge des Jetsets waren die leichten Modelle aus Frankreich und Italien Vorläufer der Buggies auf VW-Käfer-Basis.

60 Jahre Strandautos
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Beflügelt wurde der Bau der maritimen Minis durch das seit Anfang der 1950er Jahre grassierende Fiberglas-Fieber. Leichtgewichtige und rostresistente Plastikkarosserien ließen sich nun billig produzieren und auch über Kleinstwagenchassis stülpen.

Citroen Méhari und Méhari 4x4 1978
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Im Mai 1968 debütierte in Deauville, Frankreich, der Citroen Méhari, designt von Jean-Louis Barrault. Der 3,53 Meter lange offene Kunststoffwagen erhielt in Deutschland keine allgemeine Betrieberlaubnis wegen nicht feuerfester Karosserie aus ABS-Kunststoff, eine Einzelabnahme ermöglichte aber die Zulassung von Importfahrzeugen.

Der Name Méhari ist in Nordafrika die Bezeichnung für ein Dromedar. Wie dieses genügsame, ausdauernde Tier sollte der Méhari nicht nur Freizeitmobil, sondern auch Nutzfahrzeug sein und etwa Strohballen befördern.

Austin Mini Moke 1965
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Das genügsame „Eselchen“ war unter Surfern und Sandfans bereits Kult und startete nach einer wenig erfolgreichen Karriere im Militärdienst durch, um endgültig unsterblich zu werden. Tatsächlich schaffte es der Moke im 21. Jahrhundert über Umwege sogar bis nach China, wo er kopiert wurde, um dann von dort aus als Bausatz in seine britische Heimat verkauft zu werden.

Fiat 600 Giungla
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Fiat 600 Giungla Savio (ab 1965) mit 0,8-Liter-Vierzylinder-Motor (21 kW/29 PS), Vmax 110 km/h.

Renault 4 Plein Air ab 1969
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Was für die Engländer der Moke, waren für die Franzosen Méhari und R4 Plein Air. Türen gab es keine, und das Verdeck ließ sich bis zum Karosseriegürtel abnehmen.

Sommer 1956 an der Riviera: Es war heiß, die Sonne brannte und die Strände von San Remo bis Saint Tropez zogen die Menschenmassen geradezu magnetisch an. Darunter nicht wenige Multimillionäre, die auf ihren Mega-Yachten durchs Mittelmeer kreuzten und denen es an nichts zu fehlen schien. Außer an einem schicken automobilen Beiboot für den Land- bzw. Strandgang, wie der legendäre Automobildesigner Pininfarina und Gianni Agnelli, der Enkel des Fiat-Gründers Giovanni Agnelli, fast zeitgleich feststellten.

Gefragt war ein kleiner, verführerischer und doch praktischer Hingucker, ganz so wie der gerade in Mode gekommene Strand-Bikini. Pininfarina präsentierte deshalb in Paris den Fiat 600 Eden Roc. Basierend auf dem originellen Microvan Fiat Multipla sollte der als vollkommen offenes Cabrio - ohne Türen und Verdeck - konzipierte Kunststoffflitzer die Schönen und Reichen zum Beachclub chauffieren. Ein unwiderstehliches Strandauto, befand sogar Henry Ford II in Detroit und ließ sich den Eden Roc liefern.

Citroen Méhari 1978 Quelle: Citroen
Citroen Méhari 1978

Ein Auto wie ein Bikini: Aufs wesentliche reduziert, und für den Strand gebaut. Als Lieblinge des Jetsets waren die leichten Modelle aus Frankreich und Italien Vorläufer der Buggies auf VW-Käfer-Basis.

Dagegen animierte Agnelli die Carrozzeria Ghia zum Bau der fröhlichen Fiat 500 und 600 Jolly, die bis nach Amerika Sand aufwirbelten. Echte automobile Motorboote fürs Meer waren ab 1959 die deutschen Amphicars, während Mini Moke, Citroen Méhari, Renault 4 und Rodeo in den 1960er und 1970er Jahren zusätzlich als Nutzfahrzeuge dienten. Letztlich brillierten sie aber ebenfalls als Lieblinge des Jetsets und als unkonventionelle Spaßmobile, so wie die Flut der Buggies auf VW-Käfer-Basis. Heute ist es der batteriebetriebene Citroen E-Méhari, der die Idee des leichten Surfboard-Shuttles wiederbelebt, während der VW Beetle Dune an die Tradition der Dünenrenner erinnert.

Tatsächlich war es vor 60 Jahren deutlich leichter, legal durch Dünen- und Strandterrains zu fahren. Aber auch heute finden sich für das abwaschbare E-Mobil von Citroen oder den höher gelegten Beetle Dune noch Autostrände an europäischen Küsten, um im Meer dort geparkter konventioneller Pkw bunte Akzente zu setzen. Die goldene Ära der stylishen Sommer-Sonne-Strandfahrzeuge der schillernden Fifities und Swinging Sixties lässt sich jedoch nicht mehr zurückholen.

Damals, als die Beachcars zum unverzichtbaren Accessoire von Jetset, Playboys, Hippies, Surfern, Industriemagnaten, Fürsten und Königen wurden. Gleich ob Aristoteles Onassis, Fürstin Gracia Patricia von Monaco oder Beatrix, die angehende Königin der Niederlande, sie alle setzten ebenso wie die US-Leinwandmegastars Mae West, Mary Pickford, John Wayne und Yul Brynner sowie US-Präsident Lyndon B. Johnson auf das Flair von Fiat Jolly, Gamine & Co. mit ihren rustikalen Korbsesseln, luftigen Segeltuchdächern und bootsähnlichen Plastikrümpfen.

Volkswagen Buggy von Apal 1973 Quelle: vw
Volkswagen Buggy

Die offenen Spaßmobile mit Kunststoff-Karosserie wurden in Kalifornien erfunden, standen aber auf VW-Käfer-Bodengruppe.

(Foto: vw)

Ein globaler Trend, made in Italy. Gianni Agnelli, ausgewiesener Ferrari-Fan und bereits Fiat-Vizepräsident, liebte nicht nur seine Yachten und Schwimmausflüge vom Hubschrauber aus, sondern auch die kleinen Heckmotor-Minis 600 und 500 Nuova, die er deshalb von Ghia zu perfekten Beachtoys für Badegänge und Bistrobesuche umbauen ließ. Was Agnelli - von vielen als „wahrer König Italiens“ betrachtet - für gut befand, war sofort en vogue.

Auch in Amerika, wohin Agnelli regelmäßig reiste. So flutete eine Welle feiner und origineller Strandautos von Karosserieschneidern wie Fissore, Vignale und Michelotti zuerst die automobilen Modemessen in Turin und Paris, dann die Cote d'Azur und schließlich Catalina Island vor Kaliforniens Küste.

Beflügelt wurde der Bau der maritimen Minis durch das seit Anfang der 1950er Jahre grassierende Fiberglas-Fieber. Leichtgewichtige und rostresistente Plastikkarosserien ließen sich nun billig produzieren und auch über Kleinstwagenchassis stülpen. Weshalb die spaßigen Strandautos schnell nicht nur von Fiat kamen, sondern auch von anderen Micro-Car-Produzenten.

Darunter die englischen Hersteller Meadows (Frisky Sport), die italienische Carrozzeria Frua (etwa Volkswagen Sun Valley oder Glas 1004 Ranch), die spanische Fiat-Tochter Seat (600 Savio), der niederländische Kleinwagenspezialist Daf (Kini) und nicht zu vergessen die kaum zu überschauenden Vielfalt von VW-Buggy-Bausätzen verschiedener europäischer und amerikanischer Anbieter.

Für Bauern und Beachboys
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