60 Jahre Volkswagen Karmann Ghia

Käfers schönste Kleider

Klassenlose Mobilität, dafür stand der Käfer wie kein anderes Nachkriegsauto. Begehrenswert wie einen Traumwagen machte den Volkswagen aber erst eine elegante Coupékarosserie von Karmann in Osnabrück.
  • Wolfram Nickel
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Volkswagen Karmann Ghia Coupe 1974 Quelle: Volkswagen

Manche Journalisten und Spötter taten die anfangs gerade einmal 30 PS leistenden 1,2-Liter-Boxer-Vierzylinder als „Parodie eines schnellen Wagens“ oder als „Hausfrauen-Porsche“ ab.

Tatsächlich war der Karmann-Ghia mit einer Vmax von 118 km/h nur unwesentlich schneller als der gleich stark motorisierte Käfer und deutlich träger als etwa Auto Union 1000 Coupé oder Borgward Hansa Coupé, deren Preisniveau ähnlich hoch war wie das des 7.500 Mark teuren Karmann Ghia Coupés. Dafür konnte der Karmann mit der Zuverlässigkeit und Langlebigkeit des Käfers glänzen.

„Produktions-Weltrekord für Coupés“ und „Der Schlager auf dem Automarkt“ verkündeten die Schlagzeilen vor 50 Jahren als der Karosseriebauer Karmann, „Europas größtes Spezialwerk für Automobil-Karosserien“, den 150.000sten Volkswagen Karmann Ghia 1200 auslieferte. Was zehn Jahre zuvor in einer Pariser Garage mit einem geheimen Coupé-Concept deutsch-italienischer Herkunft begonnen hatte, wurde zur bis dahin größten Erfolgsgeschichte erschwinglicher Sportcoupés.

Unerreicht waren nicht nur die Verkaufszahlen mit am Ende insgesamt fast 540.000 gefertigten Karmann Ghia aller Varianten, sondern auch die 20 Jahre währende Produktionsdauer der eleganten Zweitürer auf Käfer-Basis mit Karosserie im italienischen Ghia-Design. Tatsächlich stammte die komplette Technik des intern Typ 14 genannten Karmann Ghia vom Käfer, sämtliche Entwicklungsschritte des Wolfsburgers wurden getreulich mitvollzogen. Dazu zählten die Hubraum- und Leistungssteigerungen ebenso wie Cabriolets und Spitzenmodelle in Anlehnung an die großen VW 1500/1600 sowie spezielle südamerikanische Varianten aus einem brasilianischen Werk, vor allem jedoch der Vertrieb über das Portfolio der VW-Partner, die bereits mit dem ebenfalls bei Karmann gebauten Käfer Cabriolet beliefert wurden.

Rückblende in den Herbst 1953. Damals feierte der Prototyp des Volkswagen Karmann Ghia  Premiere. Drei Jahre hatte der Karossier Wilhelm Karmann an der Idee gearbeitet, einen aufregend geformten 2+2-Sitzer auf Käfer-Basis in Serie gehen zu lassen und nun war er am Ziel seiner Träume. Schließlich sollte dieses Auto das Volkswagen-Programm nach oben abrunden, in Amerika Erfolge einfahren und so zugleich die Karmann-Werkshallen auslasten. Überlebensnotwendig in jenen Jahren, die für Karossiers das Ende bedeuteten, sofern ihnen keine Kooperation mit großen Autokonzernen gelang. Und Auftragsproduktionen waren nicht leicht zu erhalten, wie auch das alteingesessene, 1901 gegründete Karosseriebau-Unternehmen aus Osnabrück aus Erfahrung wusste.

So baute Karmann zwar seit 1949 das Käfer Cabriolet, weiteren gemeinsamen Projekten gegenüber zeigte sich Volkswagen-Generaldirektor Heinrich Nordhoff bislang aber äußerst reserviert. Dazu zählte auch ein Roadster, so wie ihn vor allem die in Europa stationierten amerikanischen Soldaten liebten und mit nach Amerika nahmen. Was tun?

„Sagen Sie bitte nicht Dschia!“
Volkswagen Karmann Ghia Prototyp 1953
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Der italienische Designer Luigi Segre von der "Carozzeria Ghia" in Turin hatte den ursprünglichen Auftrag für einen offenen Sportwagen zunächst in ein Coupé umgesetzt, das er im Vorfeld des Pariser Automobilsalons 1953 seinem auf Anhieb begeisterten Auftraggeber vorstellte. Der Karmann Ghia war geboren.

Volkswagen Karmann Ghia Typ 14 Coupe ab 1955 bis 1974 und Cabriolet
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Karmann produzierte bereits das VW Käfer Cabriolet und gewann schnell auch den VW-Chef Heinrich Nordhoff für sein Projekt. So lief 1955 in Osnabrück die Produktion für den Käfer-Ableger an.

Volkswagen Karmann Ghia Cabriolet 1974
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Tatsächlich übertrafen die sofort einlaufenden Kunden- und Händlerbestellungen für den formschönen Italiener deutscher Produktion die kühnsten Erwartungen. Statt 3.000 Einheiten konnte Karmann im ersten Jahr bereits 10.000 Coupés ausliefern und dennoch mangelte es weiter an Produktionskapazitäten für den weit höheren Auftragsbestand.

1957 machte das Cabriolet Wilhelm Karmanns Traum vom Open-Air-Star wahr und 1961 folgte der ebenfalls von Ghia gezeichnete größere Typ 34 als Karmann Ghia 1500. Schon ein Jahr zuvor war die Produktion bei Karmann-Ghia do Brasil angelaufen.

Volkswagen Karmann Ghia Typ 14 Produktion
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Zwei Jahre später erhielt auch die offene Version des Karmann Ghia den Segen von Heinrich Nordhoff. Zwischen 1955 und dem Produktionsende 1974 fertigte Karmann von den beiden Varianten des intern "Typ 14" genannten Modells insgesamt 443.482 Exemplare. 362.601 davon waren Coupés, 80.881 hatten ein Stoffdach.

Volkswagen Karmann Ghia Coupe 1974
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Manche Journalisten und Spötter taten die anfangs gerade einmal 30 PS leistenden 1,2-Liter-Boxer-Vierzylinder als „Parodie eines schnellen Wagens“ oder als „Hausfrauen-Porsche“ ab.

Tatsächlich war der Karmann-Ghia mit einer Vmax von 118 km/h nur unwesentlich schneller als der gleich stark motorisierte Käfer und deutlich träger als etwa Auto Union 1000 Coupé oder Borgward Hansa Coupé, deren Preisniveau ähnlich hoch war wie das des 7.500 Mark teuren Karmann Ghia Coupés. Dafür konnte der Karmann mit der Zuverlässigkeit und Langlebigkeit des Käfers glänzen.

Volkswagen Karmann Ghia Typ 14 Cabriolet 1958
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Der Karmann Ghia erwies sich nicht zuletzt als Export-Schlager. 61 Prozent der Produktion ging in die Vereinigten Staaten.

Volkswagen Karmann Ghia Typ 34 Cabriolet Prototyp 1961
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Der Erfolg scheint im Rückblick erstaunlich. Mit einer Leistung von 30 PS trat der Karmann Ghia bei weitem nicht so dynamisch an, wie es die sportliche Form vermuten ließ. Die Höchstgeschwindigkeit betrug gerade einmal 118 km/h.

Auf dem Genfer Salon 1953 traf Wilhelm Karmann seinen alten italienischen Freund Luigi Segre. Segre, Geschäftsmann und genialer Designer, hatte drei Jahre zuvor die Entwicklungsverantwortung bei der berühmten Carozzeria Ghia in Turin übernommen und war gerade im Begriff, Ghia zu kaufen. Jedenfalls versprach er Karmann, über eine Sonderkarosserie auf Käfer-Basis nachzudenken. Anlässlich des Pariser Salons 1953 war es soweit.

Segre lud Karmann in den Pariser Vorort Neuilly ein, wo der französische Chrysler- und VW-Importeur Ladouches seinen Sitz hatte. In der Garage von Ladouche enthüllte Segre dann zur Verblüffung von Karmann ein Coupé statt des erwarteten Roadsters. Aber was für ein Coupé! Wie ein skulpturales Kunstwerk wirkte das Auto, was auch Heinrich Nordhoff einräumte, der im November 1953 von Wolfsburg nach Osnabrück reiste, um den Prototypen zu begutachten. Als Karmann dann auch noch eine Kalkulation präsentierte, nach der aus dem Coupé ein erschwingliches Großserienauto werden konnte statt des von Nordhoff erwarteten kostspieligen Designerstücks, gab der Volkswagen-Generaldirektor noch am selben Tag das Startsignal zur Serienproduktion.

Volkswagen Karmann Ghia Cabriolet 1974 Quelle: Volkswagen

Tatsächlich übertrafen die sofort einlaufenden Kunden- und Händlerbestellungen für den formschönen Italiener deutscher Produktion die kühnsten Erwartungen. Statt 3.000 Einheiten konnte Karmann im ersten Jahr bereits 10.000 Coupés ausliefern und dennoch mangelte es weiter an Produktionskapazitäten für den weit höheren Auftragsbestand.

1957 machte das Cabriolet Wilhelm Karmanns Traum vom Open-Air-Star wahr und 1961 folgte der ebenfalls von Ghia gezeichnete größere Typ 34 als Karmann Ghia 1500. Schon ein Jahr zuvor war die Produktion bei Karmann-Ghia do Brasil angelaufen.

Die Zeit bis zum Produktionsanlauf im Sommer 1955 wurde genutzt für reichlich Feinschliff. Die Innenausstattung wurde zum überraschend geräumigen 2+2-Sitzer entwickelt mit viel Platz für zwei Erwachsene und zwei Kinder, aber auch größeres Reisegepäck, und die teils noch groben Karosseriedetails wurden finalisiert. Dies unter Wahrung der bei Ghia entwickelten Grundform. Wie diese Grundform im entstanden ist, darum ranken sich bis heute Legenden und Mysterien. Sicher ist: Der Karmann Ghia hat viele Väter.

„Parodie eines schnellen Wagens“
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