60 Jahre Volkswagen Karmann Ghia
Käfers schönste Kleider

Klassenlose Mobilität, dafür stand der Käfer wie kein anderes Nachkriegsauto. Begehrenswert wie einen Traumwagen machte den Volkswagen aber erst eine elegante Coupékarosserie von Karmann in Osnabrück.
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„Produktions-Weltrekord für Coupés“ und „Der Schlager auf dem Automarkt“ verkündeten die Schlagzeilen vor 50 Jahren als der Karosseriebauer Karmann, „Europas größtes Spezialwerk für Automobil-Karosserien“, den 150.000sten Volkswagen Karmann Ghia 1200 auslieferte. Was zehn Jahre zuvor in einer Pariser Garage mit einem geheimen Coupé-Concept deutsch-italienischer Herkunft begonnen hatte, wurde zur bis dahin größten Erfolgsgeschichte erschwinglicher Sportcoupés.

Unerreicht waren nicht nur die Verkaufszahlen mit am Ende insgesamt fast 540.000 gefertigten Karmann Ghia aller Varianten, sondern auch die 20 Jahre währende Produktionsdauer der eleganten Zweitürer auf Käfer-Basis mit Karosserie im italienischen Ghia-Design. Tatsächlich stammte die komplette Technik des intern Typ 14 genannten Karmann Ghia vom Käfer, sämtliche Entwicklungsschritte des Wolfsburgers wurden getreulich mitvollzogen. Dazu zählten die Hubraum- und Leistungssteigerungen ebenso wie Cabriolets und Spitzenmodelle in Anlehnung an die großen VW 1500/1600 sowie spezielle südamerikanische Varianten aus einem brasilianischen Werk, vor allem jedoch der Vertrieb über das Portfolio der VW-Partner, die bereits mit dem ebenfalls bei Karmann gebauten Käfer Cabriolet beliefert wurden.

Rückblende in den Herbst 1953. Damals feierte der Prototyp des Volkswagen Karmann Ghia  Premiere. Drei Jahre hatte der Karossier Wilhelm Karmann an der Idee gearbeitet, einen aufregend geformten 2+2-Sitzer auf Käfer-Basis in Serie gehen zu lassen und nun war er am Ziel seiner Träume. Schließlich sollte dieses Auto das Volkswagen-Programm nach oben abrunden, in Amerika Erfolge einfahren und so zugleich die Karmann-Werkshallen auslasten. Überlebensnotwendig in jenen Jahren, die für Karossiers das Ende bedeuteten, sofern ihnen keine Kooperation mit großen Autokonzernen gelang. Und Auftragsproduktionen waren nicht leicht zu erhalten, wie auch das alteingesessene, 1901 gegründete Karosseriebau-Unternehmen aus Osnabrück aus Erfahrung wusste.

So baute Karmann zwar seit 1949 das Käfer Cabriolet, weiteren gemeinsamen Projekten gegenüber zeigte sich Volkswagen-Generaldirektor Heinrich Nordhoff bislang aber äußerst reserviert. Dazu zählte auch ein Roadster, so wie ihn vor allem die in Europa stationierten amerikanischen Soldaten liebten und mit nach Amerika nahmen. Was tun?

Auf dem Genfer Salon 1953 traf Wilhelm Karmann seinen alten italienischen Freund Luigi Segre. Segre, Geschäftsmann und genialer Designer, hatte drei Jahre zuvor die Entwicklungsverantwortung bei der berühmten Carozzeria Ghia in Turin übernommen und war gerade im Begriff, Ghia zu kaufen. Jedenfalls versprach er Karmann, über eine Sonderkarosserie auf Käfer-Basis nachzudenken. Anlässlich des Pariser Salons 1953 war es soweit.

Segre lud Karmann in den Pariser Vorort Neuilly ein, wo der französische Chrysler- und VW-Importeur Ladouches seinen Sitz hatte. In der Garage von Ladouche enthüllte Segre dann zur Verblüffung von Karmann ein Coupé statt des erwarteten Roadsters. Aber was für ein Coupé! Wie ein skulpturales Kunstwerk wirkte das Auto, was auch Heinrich Nordhoff einräumte, der im November 1953 von Wolfsburg nach Osnabrück reiste, um den Prototypen zu begutachten. Als Karmann dann auch noch eine Kalkulation präsentierte, nach der aus dem Coupé ein erschwingliches Großserienauto werden konnte statt des von Nordhoff erwarteten kostspieligen Designerstücks, gab der Volkswagen-Generaldirektor noch am selben Tag das Startsignal zur Serienproduktion.

Die Zeit bis zum Produktionsanlauf im Sommer 1955 wurde genutzt für reichlich Feinschliff. Die Innenausstattung wurde zum überraschend geräumigen 2+2-Sitzer entwickelt mit viel Platz für zwei Erwachsene und zwei Kinder, aber auch größeres Reisegepäck, und die teils noch groben Karosseriedetails wurden finalisiert. Dies unter Wahrung der bei Ghia entwickelten Grundform. Wie diese Grundform im entstanden ist, darum ranken sich bis heute Legenden und Mysterien. Sicher ist: Der Karmann Ghia hat viele Väter.

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„Parodie eines schnellen Wagens“

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