60 Jahre Volvo Sport P 1900

Verpatzter Anfang mit versöhnlichem Ende

Seine Karriere war kurz und glanzlos. Und doch löste der Roadster Sport P 1900 für Volvo die begehrte Einlasskarte in den Club der Sportwagenmarken.
  • Wolfram Nickel
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Tradition: 60 Jahre Volvo Sport P 1900    - Verpatzter Anfang mit versöhnlichem Ende Quelle: Volvo

60 Jahre Volvo Sport P 1900

Er ist ein Schatz, der im Verborgenen blühte und wahrscheinlich auf ewig im Schatten seines Nachfolgers stehen wird. Sogar unter Volvo-Fans kennen nur wahre Enthusiasten den exotischen Sport P 1900, der vor 60 Jahren Geschichte schrieb als erster schwedischer Sportwagen und als erster europäischer Roadster mit damals futuristisch wirkender Fiberglas-Karosserie. Eine neuartige Leichtbau-Technik, die den Volvo zum Konkurrenten der amerikanischen Corvette machen sollte, sich allerdings als noch zu kostspielig erwies und in zu kurzer Zeit realisiert wurde.

Die Folge der übereilten Entwicklung waren massive Qualitätsprobleme und schließlich ein vorzeitiges Produktionsende für den schwedischen Sportler nach nur 68 Einheiten. Zuvor allerdings setzte der Volvo Sport P 1900 noch die Initialzündung zur Entwicklung des legendären Coupés P 1800 und zu leistungsgesteigerten Versionen des Buckel-Volvo PV 444. Zwei Modelle, denen die Skandinavier den Durchbruch in Amerika verdanken.

Ein Schatz, der im Verborgenen blieb
Volvo Sport P 1900 Jahr 1956 bei Feierlichkeiten zu 40 Jahre Volvo 1967
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Volvo Sport P 1900 Jahr 1956 bei Feierlichkeiten zu 40 Jahre Volvo 1967

Volvo Sport P 1900 Prototyp 1954
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Volvo Sport P 1900 Prototyp 1954

Volvo Sport P 1900 Prototyp 1954
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Volvo Sport P 1900 Prototyp 1954

Volvo Sport P 1900 Prototyp 1954
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Volvo Sport P 1900 Prototyp 1954

Volvo Sport P 1900 Prototyp 1954
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Volvo Sport P 1900 Prototyp 1954

Volvo Sport P 1900 Prototyp 1954
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Volvo Sport P 1900 Prototyp 1954

Volvo Sport P 1900 Jahr 1956 und 1957
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Volvo Sport P 1900 Jahr 1956 und 1957

New York, Genf, Frankfurt, Turin und London, das waren im Jahr 1954 die fünf internationalen Startrampen für glamouröse Sportwagenkarrieren. Mercedes (190 SL und 300 SL), Porsche (Speedster), Alfa Romeo (Giulietta Sprint) oder Jaguar (XK 140), aber auch Ferrari und Maserati, sie alle zogen dort neue Vmax-Pfeile aus dem Köcher, die Richtung USA zielten. Warum nicht gleich auf einen Flugplatz gehen, um einen schillernden Sportler auf schnelle Umlaufbahnen zu schießen, fragte sich Volvo.

So traf sich die automobile Fachwelt an einem sonnigen Junitag auf der Startbahn des Flughafens Göteborg. Dort machte sich der Volvo Sport P 1900 mit mächtigem Kühlergrill nach Vorbild einer Turbine bereit, um neue Kontinente zu erobern. Ein Volvo-Sportwagen mit Karosserie aus GFK (glasfaserverstärkter Kunststoff)? Das war eine Sensation, mit der niemand gerechnet hatte. Stand doch Volvo traditionell für robuste und eher betuliche schwedische Volksautos wie den buckligen PV 444 oder große Chauffeur- und Taxilimousinen.

Und jetzt überholte der Göteborger Konzern sogar knapp den einheimischen Konkurrenten Saab, der ebenfalls einen Roadster vorbereitete. Der Saab Sonett konnte allerdings erst ein Jahr später vorgestellt werden und folgte dann dem Vorbild des Volvo mit einer leichten Fiberglas-Karosserie.

Während allerdings Volvo für seinen „Sport“ eine noch bescheiden wirkende erste Serie von 300 Einheiten ankündigte, sollte der Sonett in mindestens 2.000 Einheiten gefertigt werden, wahlweise auch mit Aluminiumkarosserie. Am Ende wurden es 68 Volvo, aber nur sechs Saab Sonett Super Sport.

Denn Saab stoppte seine hochfliegenden Pläne für einen kostspieligen Kunststoffracer sofort nachdem Volvo einen Schlussstrich unter das GFK-Kapitel gezogen hatte. Viel bewegt haben die Pioniere dennoch, vor allem der Sport P 1900, der Volvo für das folgende Jahrzehnt zu einer Marke mit stark sportlichem Image machte.

Zunächst aber sorgte der Volvo Sport P 1900 für Aufregung ohne Ende. Konzern-Chef und Volvo-Gründer Assar Gabrielsson begeisterte sich im Jahr 1953 für die Chevrolet Corvette mit einer leichtgewichtigen Kunststoffkarosserie, die amerikanische Antwort auf die erfolgreichen europäischen Sportwagenkonzepte. Was Gabrielsson allerdings verborgen blieb, waren die Anlaufprobleme des amerikanischen Fiberglas-Pioniers.

Ein Kombi wie aus dem Märchen
Volvo 1800 ES Baujahr 1972
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Sie nennen es Facelift: Die Auto-Designer nehmen sich ein leicht angegrautes Modell vor, um es aufzupeppen. In der Hoffnung, dass sich der eine oder andere Käufer doch noch für den Wagen entscheidet. Kurz darauf erscheint ein Nachfolger, und die Sache ist vergessen. Auch bei Volvo hatte man Ende der Sechziger einen entsprechenden Plan gefasst - und war wohl verwundert über die Folgen. Die Auffrischungsaktion schuf einen Klassiker, der seine Basis in den Schatten stellt: den P 1800 ES, auch Schneewittchensarg genannt ...

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Bekannt ist und war Volvo vor allem für trutzige Limousinen. Aber gelegentlich gönnten sich die Schweden auch etwas Sportlichkeit. Ende der Sechziger hieß das entsprechende Auto P 1800 - und war vor allem optisch nicht mehr zeitgemäß: Andeutungen von Heckflossen erinnerten an eine Blechmode, die längst das Zeitliche gesegnet hatte. Vorne sah der Wagen ähnlich überholt aus: Während alle Welt auf rechteckige Scheinwerfer setzte, hatte der P 1800 runde Leuchten samt Chromrand ...

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Das erste Serienmodell des Coupés war 1961 vom Band gerollt. Eine Zeit lang genoss der P 1800 Prominenz, kreuzte doch der spätere James-Bond-Darsteller Roger Moore in seiner Rolle als Privatdetektiv Simon Templar (internationaler Titel: "The Saint") mit dem Wagen über den TV-Schirm - und fuhr das Modell auch einige Jahre lang privat. Doch mit der Zeit verblasste dieser Ruhm, und auch die Form wirkte immer blasser. Man retuschierte hier und da, aber so richtig half das nicht. Die Alternative, ein komplett neues Modell zu präsentieren, schied nach einem Blick in die Firmenkasse aus. Also kam man auf eine andere Idee ...

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40 Jahre Volvo P 1800 ES: Für viele ist der P 1800 ES - auch Schneewittchensarg genannt - der schönste Kombi, der je gebaut wurde. Die Coupé-Version des Modells rollte bereits 1961 vom Band. Doch zehn Jahre später sollte eine schwungvoller Kombi-Version erscheinen  - der P 1800 ES.  Das Besondere daran war vor allem Glas: Große Seitenscheiben unter dem lang gezogenen Dach sorgten für bessere Sicht. Wahrzeichen des ES ist aber die komplett aus Glas gefertigte Heckklappe. Auch bei den Kunden kam der „Schneewittchensarg“ gut an. Trotzdem blieb er eine Episode. Nachdem der Coupé eingestellt war, lief 1973 nur noch der ES vom Band - bis am 27. Juni jenes Jahres auch für ihn Schluss war.

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Besser anfreunden konnten sich die Herren mit dem Beach Car. Diese Studie war optisch nahe an dem, was im August 1971 auf den Markt kam. Wilsgaard hatte dem Coupé neuen Schwung gegeben. Was den P 1800 ES so besonders machte, war vor allem Glas: Große Seitenscheiben unter dem lang gezogenen Dach sorgten für bessere Sicht. Wahrzeichen des ES ist aber die komplett aus Glas gefertigte Heckklappe ...

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War er der erste Lifestyle-Kombi überhaupt? Der Dreitürer präsentierte sich als Sportwagen mit Kombiheck, bei dem die hinteren Sitze nach vorn geklappt werden konnten, wodurch eine ebene Ladefläche entstand - eine für die damalige Zeit sehr ungewöhnliche Lösung.

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Alles in allem wurde die Form derart aufgefrischt, dass der Volvo als echter Blickfang galt. Nicht jeder fand ihn schön, aber jeder guckte hin. Bald hatte der P-1800-Kombi auch einen Spitznamen, der heute wesentlich bekannter ist als die Werksbezeichnung: Ein fantasievoller Geist fühlte sich von dem rollenden Glashaus an einen Schneewittchensarg erinnert. Dem Image war der Begriff Sarg aber nie abträglich.

Tatsächlich sollte das GFK Auslöser dafür werden, dass aus dem Traumwagen zunächst ein Alptraum wurde, zu aufwendig, teuer und langwierig gestaltete sich anfangs die Produktion des glasfaserverstärkten Kunstharzes. Ein Drama, das sich bei Volvo wiederholen sollte, nachdem Gabrielsson den kalifornischen Fiberglas-Spezialisten Glasspar mit der Entwicklung eines entsprechenden Sportwagens beauftragte. Während allerdings Chevrolet für die Produktionsprobleme eine Lösung fand, musste Volvo den Stecker ziehen und auf konventionelles Stahlblech für Sportwagen umsteigen.

Anfangs lief bei den Schweden noch alles nach Plan. Das heißt, Glasspar-Designer Bill Tritt lieferte nach wenigen Wochen einen Entwurf in schlichter Pontonform mit langer Motorhaube, gestreckter Flanke und kurzem Heck. Wären da nicht das fest fixierte Hardtop, die nicht versenkbaren Seitenfenster, die fehlenden Rückleuchten und die unsportliche, dafür in der Produktion teure Panoramafrontscheibe gewesen.

Das Chassis hatte Volvo geliefert und dazu den PV 444 als Basis genutzt. Allerdings war der Radstand der stabilen Gitterrohrkonstruktion um 20 Zentimeter kürzer. Auch der 1,4-Liter-Vierzylinder für den Sportler stammte aus dem Buckel-Volvo, leistete aber dank zweier SU-Vergaser 51 kW/70 PS. Genug Power, um das maximal 969 Kilogramm wiegende Leichtgewicht in seiner späteren Serienversion auf 150 bis 170 km/h zu beschleunigen.

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