911er nur noch mit Turbo
Bei Porsche fällt die letzte Bastion

Künftig drücken auch beim Porsche 911 Carrera Turbolader den Verbrauch runter und die Leistung hoch. Eventuell kritische Kundschaft beruhigt der Hersteller schon vor Premiere auf der IAA.
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Die wichtigste Neuerung beim anstehenden Lifting des Porsche 911 sind nicht die optischen Straffungen, sondern die neuen Motoren: Erstmals arbeiten in den Carrera-Variante des Sportwagens Turbo-Triebwerke. Das erlaubt einen kleineren Hubraum und senkt den Verbrauch. Die Markteinführung erfolgt am 12. Dezember, die Preise steigen deutlich auf mindestens 94.344 Euro.

Unter dem neu gestalteten Heckdeckel mit seinen nun vertikalen Lamellen findet sich bei Carrera und Carrera S ein drei Liter großer Boxermotor. Bislang hatte der Sechszylinder 3,4 beziehungsweise 3,8 Liter Hubraum, das fehlende Volumen gleicht ein Turbolader aus.

Im Einstiegsmodell sorgt er für einen Leistung von 272 kW/370 PS, im S-Modell sind es 309 kW/420 PS. In beiden Fällen entspricht das einem Plus von 20 PS gegenüber dem alten Sauger. Auch das Drehmoment steigt, um je 60 auf 450 respektive 500 Nm. Zur Verfügung steht es im breiten Band zwischen 1.700 bis 5.000 Umdrehungen.

Die neuen Motoren sorgen für leicht bessere Fahrleistungen. So dauert es 0,2 Sekunden weniger, bis Tempo 100 erreicht ist (Carrera mit Doppelkupplungsgetriebe: 4,2 Sekunden), die Höchstgeschwindigkeit steigt um bis zu 6 km/h (Carrera: 295 km/h).

Hauptgrund für die Änderung am Motorenkonzept war jedoch der Verbrauch: Der Normwert sinkt um bis zu einen Liter – vor dem Hintergrund immer strengerer CO2-Emissionsvorgaben ein Riesenschritt.

Der Carrera kommt laut Hersteller nun mit 7,4 Litern aus, der Carrera S mit 7,7 Litern, jeweils in Kombination mit dem verbrauchssenkenden Doppelkupplungsgetriebe).

Porsche ist mit diesem Spar-Ansatz nicht allein. Neben nahezu allen Volumenmarken nutzt mittlerweile auch Erz-Konkurrent Ferrari bei 488 GTB die Kombination aus Aufladung und kleinen Hubräumen zur Verbrauchssenkung.

Puristen sehen die Entwicklung häufig mit Bedauern, erfreuen sie sich doch gerne am typischen linearen Kraftaufbau der Saugmotoren, am hohen Drehzahlniveau und an ihrem häufig kernigeren Klang.

Porsche beeilt sich daher auch zu betonen, dass auch die Turbos den markentypisch sonoren Motorklang bieten. Und auch das Drehzahlmaximum bei 7.500 U/min übertreffen die Werte üblicher Turbomotoren deutlich.

Beim Rundendrehen auf der Nordschleife soll die neue Version der alten sowieso überlegen sein. Porsche hat 7:34 Minuten gemessen, gut sechs Sekunden weniger als beim Vorgänger. Das mag auch am überarbeiteten Fahrwerk liegen, das die Karosserie zudem nun zehn Millimeter näher an den Boden absenkt.

Dazu gibt es neue Dämpfer und erstmals die Hinterachslenkung, die bislang 911 Turbo und 911 GT3 vorbehalten war. Zu den weiteren Neuerungen zählen ein überarbeitetes Infotainment-System sowie neue und überarbeitete Assistenten.

Der Preis für das aufgeladene Carrera Coupé beträgt 94.344 Euro. Gegenüber dem aktuellen Modell bedeutet das einen Aufschlag von knapp 4.000 Euro. Ähnliches gilt für das Carrera S Coupé, das künftig 108.505 Euro kostet. Auch bei den Cabrios steigt der Preis: Sie stehen für 107.434 Euro und 121.595 Euro in der Liste.

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