Abbau der Lagerbestände
Chrysler verschleudert Autos

Bei den Chrysler-Händlern in den USA stapelt sich das Blech. Hunderttausende Autos liegen auf Halde. Die Kunden zeigen sich desinteressiert und die Händler murren. Beiden Gruppen will es der Autobauer nun recht machen: Der Vertriebs- und Marketingchef wird ausgewechselt; hohe Prämien sollen zum Autokauf verführen.

HB DETROIT. Marketingchef Joe Eberhardt werde nach gut drei Jahren zu Mercedes-Benz zurückkehren und dort in der US-Vertriebsorganisation arbeiten, teilte Chrysler am Dienstagabend mit. Einen Nachfolger ernannte der Konzern zunächst nicht. Die Vertriebsmanager der zweiten Führungsebene sollen vorerst direkt an Chrysler-Chef Tom LaSorda berichten.

Eine Management-Ebene unter Eberhardt hatte Chrysler schon im Frühjahr und Sommer vier Führungskräfte ausgetauscht. Für das dritte Quartal hatte Chrysler einen Verlust von 1,16 Mrd. Euro ausgewiesen, der Absatz ging um 14 Prozent zurück. Seit Jahresbeginn sind die Verkaufszahlen um 7 Prozent gesunken. Deswegen steht auch LaSorda unter Druck. Ein Sanierungsplan für die Nummer drei unter den Autoherstellern in den USA soll Anfang 2007 stehen.

Der aus Deutschland stammende Eberhardt war im Juni 2003 vom heutigen DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche als Vertriebschef zu Chrysler geholt worden, nachdem er sich bei Mercedes-Benz in Großbritannien bewährt hatte. Bei den US-Händlern machte er sich in jüngster Zeit allerdings unbeliebt. Er habe sie unter Druck gesetzt, immer mehr Autos zu verkaufen, statt die Produktion zu drosseln, klagen sie. Chrysler versucht seit Monaten, den hohen Bestand an unverkauften Fahrzeugen abzubauen, der zeitweise mehr als 600 000 Stück erreichte. Inzwischen hat das Unternehmen ihn auf unter 500 000 abgebaut, von denen aber noch ein Drittel schwer verkäufliche Vorjahresmodelle sind.

Chrysler winkt mit Prämie

Nun will Chrysler die Händler offenbar mit Vergünstigungen besänftigen und gleichzeitig den Absatz ankurbeln. Im Zuge eines rund eine halbe Milliarde Dollar schweren Anreizpakets bietet der US-Autobauer seinen Händlern bis zu 7 000 Dollar pro Fahrzeug für bestimmte Typen aus dem abgelaufenen Modelljahr 2006, wie eine mit dem Vorgang vertraute Person sagte. Die Händler haben die Wahl, den Rabatt entweder selbst einzustreichen oder an die Kunden weiterzugeben.

Die Rabatte sind gestaffelt von 2 500 Dollar für die Limousine Dodge Charger bis zum Maximalbetrag für den Kleintransporter Dodge Ram und den Geländewagen Durango. Die benzinfressenden Modelle, auf die Chrysler lange setzte, sind bei den amerikanischen Käufern zuletzt in Ungnade gefallen, weil die Spritpreise gestiegen sind.

Ein Chrysler-Sprecher bestätigte das Programm, ohne auf das Volumen einzugehen. Ziel sei es, die Lager von Vorjahresmodellen zu räumen. Eberhardt hatte noch vor einer Woche erklärt, Chrysler habe keine Pläne für weitere Rabattaktionen vor dem Jahresende.

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