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Abkürzungen in Auto-Verkaufsanzeigen entschlüsseln

Ostfildern/Stuttgart (dpa/gms) - Bietet ein Autobesitzer seinen Wagen zum Verkauf an, will er dessen Vorzüge in den Vordergrund stellen. Er weist daher auf möglichst viele Extras und Ausstattungsmerkmale hin.

Ostfildern/Stuttgart (dpa/gms) - Bietet ein Autobesitzer seinen Wagen zum Verkauf an, will er dessen Vorzüge in den Vordergrund stellen. Er weist daher auf möglichst viele Extras und Ausstattungsmerkmale hin.

Allerdings wird dies meist in einer Art getan, die weniger Eingeweihte außen vor lässt. In den Inseraten herrscht ein Abkürzungswahn, dessen Ergebnis oft nur schwer zu entwirren ist: Extras wie Egshd, easp und WDG sind zwar begehrt - die Verkaufschancen erhöhen sich aber nur, wenn Interessenten verstehen, dass es sich um ein elektrisches Glas-Schiebe-Hub-Dach, elektrische Außenspiegel und wärmedämmendes Glas handelt.

Entstanden sind die Kürzel in der Regel aus Sparsamkeit. „Man spart Geld beim Aufgeben der Anzeige“, so Jürgen Schönleber, Sprecher des Marktbeobachtungs-Unternehmens Deutsche Automobil Treuhand (DAT) im baden-württembergischen Ostfildern. Denn der Platz in Zeitungsanzeigen kostet Geld - und „EFH“ ist kürzer als „elektrische Fensterheber“.

Mittlerweile ist es aber nicht mehr nur das Geld, um das es geht. Auch in kostenlosen Inseraten im Internet wird abgekürzt. „Jeder hat Angst, beim Autokauf übertölpelt zu werden“, so Jochen Hövekenmeier, Sprecher des Automobilclubs von Deutschland (AvD) in Frankfurt/Main. „Mit den Abkürzungen will man dann zeigen, dass man selber etwas Ahnung von der Materie hat.“

Helmut Blümer vom Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) in Bonn geht davon aus, dass manche Kürzel-Häufung auch einfach dazu dient, einen Gebrauchtwagen im Inserat „anzuhübschen“.

Wer sich einigermaßen sicher im Dickicht der Abkürzungen bewegen will, muss einige Zeit übrig haben, sie zu lernen. Denn es gibt eine ganze Menge davon. Klaus-Michael Schaal, Chefredakteur der vom Auto Club Europa (ACE) in Stuttgart herausgegebenen Zeitschrift „ACE Lenkrad“ hat sich die Mühe gemacht, eine Liste der Abkürzungen zusammenzustellen: Ergebnis sind mehr als 100 derartige Begriffe - von AA für Alarmanlage über die als LM oder LMF abgekürzten Leichtmetallfelgen bis hin zu der immer wieder überraschenden Anmerkung „8 fach ber.“. Das steht schlicht für „achtfach bereift“ und bedeutet, dass neben den benutzen Pneus noch ein weiterer Reifensatz zum Angebot gehört - zum Beispiel Winterreifen.

Besonders viel Sorgfalt haben Autoanbieter laut Schaals Sammlung bei der Abkürzung von Dachluken walten lassen. Was normalerweise schlicht als Schiebedach bekannt ist, kommt abgekürzt in einer Vielzahl von Ausführungen vor. Da gibt es einmal das einfache SD, eben das Schiebedach. Das wird aber gerne auch als SSD bezeichnet, also Stahlschiebedach. Ist es aus Glas, wird daraus das GD oder GSD.

Übernimmt ein Elektromotor den Öffnungsprozess, wird ein SSD je nach bevorzugter Schreibweise zum Essd oder e.SSD. Nicht zu vergessen sind jene Dächer, die sich nach oben klappen oder heben lassen - wie das Glas-Hubdach, kurz GHD. Lässt sich die Luke elektrisch schieben und heben wird daraus das schon erwähnte Egshd, oder in Metall-Ausführung das elektrische Stahl-Schiebe-Hub-Dach Esshd.

Doch es geht nicht nur um die Zusammenstellung von markanten Buchstaben zu einer Abkürzung. Teilweise wird auch der ursprüngliche Begriff einfach nur gekürzt. So steht laut dem ZDK das kurze „digi“ für das Ausstattungsmerkmal digitales Soundsystem.

Und dann gibt es noch eine ganz andere Variante: Jene Abkürzungen, die nur noch als solche bekannt sind - während der ausgeschriebene Begriff eher für Verwirrung sorgen würde. „ABS hatte da sicherlich einen auslösenden Charakter“, sagt Maximilian Mauer vom Adac in München. Die Verwendung solcher Abkürzungen in der Autowerbung habe dazu geführt, dass niemand Anti-Blockier-System statt ABS sagt und auch das Elektronische Stabilitäts-Programm ESP fast ausschließlich in der Drei-Buchstaben-Version bekannt ist.

Die Frage welches Ausstattungsmerkmal - ob abgekürzt oder nicht - denn nun unbedingt im Verkaufsangebot stehen muss, beantwortet Jochen Hövekenmeier vom AvD recht eindeutig: eigentlich keines. „Wichtig in einer Anzeige sind die Angaben zu Baujahr, Laufleistung, Zustand, eventuell zur Farbe und auf jeden Fall zum Preis.“ Eventuell könnte eine zusätzliche Angabe wie „gehobene Ausstattung“ zur weiteren Orientierung für Interessierte dienen.

Gerade bei der Preisangabe hält die Welt der Abkürzungen aber noch einen weiteren Fallstrick bereit. Nämlich die Kürzel VHB oder VB für Verhandlungsbasis und VS oder VHS für Verhandlungssache. „VB steht immer vor der Preisangabe, obwohl jeder weiß, dass beim Autokauf gefeilscht wird“, so Hövekenmeier. Nicht selten setzen Verkäufer allerdings VHS vor den Wunschpreis. „Das ist ein typisches Beispiel für eine falsch verstandene Abkürzung.“ Verhandlungssache bedeutet, dass kein Preis genannt wird - der Verkäufer will verhandeln.

Wer auch nach langem Studium von Verkaufsanzeigen noch über die eine oder andere Abkürzung stolpert, braucht sich nicht zu ärgern: „Es ist schon vorgekommen, dass selbst ich nicht wusste, was sich hinter einer Abkürzung verbirgt“, so DAT-Sprecher Jürgen Schönleber.

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