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ABS im Motorrad hat sich etabliert

Es ist noch nicht lange her, da galten Antiblockiersysteme unter Motorradfahrern als verpönt. Derzeit ändert sich diese Einstellung allerdings.

dpa/gms EBERN/ESSEN. Es ist noch nicht lange her, da galten Antiblockiersysteme unter Motorradfahrern als verpönt. Derzeit ändert sich diese Einstellung allerdings.

Die Vorzüge der weiter verbesserten Technik sprechen sich herum, und Motorradhersteller verzeichnen teils überraschend hohe ABS-Quoten. „Die Akzeptanz des ABS ist in den vergangenen Jahren deutlich größer geworden“, sagt Roger Eggers, Motorrad-Experte des TÜV Nord in Hannover. „Gerade unter den älteren Fahrern ist die überwiegende Mehrheit bereit, sich ein Motorrad mit ABS zu kaufen.“ Was wohl auch daran liegt, dass Fachleute immer wieder zu dem Schluss kommen, mit ABS ließen sich viele schwere Unfälle verhindern. „Es gibt Untersuchungen, dass mit ABS an allen Motorrädern in Deutschland jährlich 70 Fahrer weniger getötet und 3 000 weniger verletzt würden“, sagt Bernd Kulow vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR) in Bonn.

Das liegt vor allem daran, dass ein ABS das gefährliche Blockieren des Vorderrades und damit einen Sturz verhindern kann. „Kommt es vor einem Zusammenstoß mit einem Auto ohne ABS zu einem Sturz, ist der Motorradfahrer in einer schlechten Position“, erläutert Elmar Forke von Institut für Zweiradsicherheit (ifz) in Essen. Denn der auf der Straße dahin rutschende Fahrer kann direkt gegen das Auto prallen. „Mit ABS dagegen bleibt er aufrecht sitzen und fliegt über das Hindernis hinweg.“

Immerhin gibt es eine Auswahl entsprechend ausgerüsteter Maschinen: „Mit der Saison 2004 sind rund 35 Modelle mit ABS oder unterstützenden Bremssystemen im Angebot“, erklärt Michael Kusmanov, Sprecher des Industrie Verbandes Motorrad (IVM) in Essen.

Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen ABS und den so genannten unterstützenden Bremssystemen. Letztere haben keine Antiblockier-Funktion. Sie regeln aber zum Beispiel die Verteilung der Bremskraft zwischen Vor- und Hinterrad.

Hersteller, die ein ABS-Modell anbieten, können sich nicht über mangelnde Nachfrage beklagen. Das gilt besonders für die ABS-Pioniere BMW und Honda. „Bei uns werden durchschnittlich 80 Prozent aller Motorrad-Modelle mit einem ABS ausgeliefert“, so Stefanie Löwenstein, Sprecherin von BMW Motorrad in München.

Bei Honda zeigt die Entwicklung, dass das aufpreispflichtige Extra nicht nur in der Motorrad-Oberklasse gefragt ist. Zum Beispiel finden sich im Honda-Programm die neuen Mittelklasse-Modelle CBF 500 und CBF 600. „Beide werden gegen einen Aufpreis von etwa 600 Euro mit ABS angeboten“, sagt Kerstin Martens, Pressesprecherin von Honda Deutschland in Offenbach. Allerdings bestellten 90 Prozent der Kunden die Bremshilfe gleich mit.

Eines kann ein ABS nicht - die physikalischen Gesetze außer Kraft setzen. Daher bleibt Bremsen in der Kurve auch mit ABS eine kritische Sache. „Das Motorrad hat die Tendenz, sich beim Bremsen in der Kurve aus der Schräglage aufzurichten und neigt dann dazu, geradeaus zu fahren“, so Roger Eggers.

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