Absatz bleibt schwach Autokäufer, verzweifelt gesucht

Seit acht Jahren lief es für Autohersteller in Deutschland nicht mehr so schlecht wie jetzt. Während die meisten heimischen Hersteller durchs Tal der Tränen fahren, haben ein paar ausländische Marken Grund zum Feiern.
Update: 02.07.2013 - 12:57 Uhr 37 Kommentare
Auf Heller und Pfennig prüfen: Vor dem Kauf eines Autos sollten Verbraucher auch Nebenkosten wie Steuern und Versicherung unter die Lupe nehmen. Quelle: gms

Auf Heller und Pfennig prüfen: Vor dem Kauf eines Autos sollten Verbraucher auch Nebenkosten wie Steuern und Versicherung unter die Lupe nehmen.

(Foto: gms)

Hamburg/DüsseldorfEs war ein schwacher Monat - mal wieder: Der deutsche Automarkt hat seine Talfahrt im Juni fortgesetzt. Im vergangenen Monat wurden nach Angaben des Kraftfahrtbundesamtes (KBA) knapp 283.000 neue Autos angemeldet - 4,7 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Besonders die großen deutschen Marken leiden: Bei Opel setzt sich die Talfahrt mit einem Rückgang von 11 Prozent fort. Aber auch die lange als krisensicher geltenden Hersteller wie Volkwagen (minus 9 Prozent) und BMW (minus 7,1 Prozent) leiden unter dem Absatzschwund. Trotzdem kann VW seine Rolle als Marktführer mit einem Anteil von 21,6 Prozent verteidigen.

Die Krise hat den deutschen Neuwagenmarkt im ersten Halbjahr infiziert: Die Zahl der Auto-Neuzulassungen ist zum Vorjahreszeitraum um 8,1 Prozent auf 1,5 Millionen verkaufte Fahrzeuge gesunken. Trotz steigender Beschäftigung und ordentlicher Einkommen seien die Kunden verunsichert durch die Eurokrise, sagt der Verband der Automobilindustrie (VDA). Auch das Firmenwagensegment schwächele. Weil der Rückgang im zweiten Halbjahr 2012 einsetzte, erwartet der Verband in den nächsten Monaten nicht mehr so große Abstände zu den Vorjahreszahlen.

Bereits im Mai waren Hoffnungen auf eine schnelle Erholung auf dem größten europäischen Pkw-Markt zerstoben. Lediglich im April hatten die Neuzulassungen leicht zugelegt, allerdings lag das auch daran, dass der Monat einige Arbeitstage mehr hatte.

Die Antwort der Hersteller auf die Krise: Rabatte. Angesichts des schwachen Marktes werden wieder mehr Autos in Deutschland mit kräftigen Abschlägen verkauft. Nach einer neuen Untersuchung des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen stiegen die Preisnachlässe im Juni wieder an: Mit Sonderaktionen, Sondermodellen und lukrativen Finanzierungen hätten Autokäufer im Durchschnitt 12,6 Prozent gespart.

Mittlerweile scheinen Hersteller mehr und mehr auf Eigenzulassungen zu verzichten, um die Zulassungsstatistik zu schönen. Im Mai gingen sie zum zweiten Mal in Folge zurück, ihr Anteil an den Gesamt-Neuwagenzulassungen beträgt nun noch rund 26,5 Prozent. Bei Eigenzulassungen lassen Autobauer und Autohändler Neuwagen selbst zu, um sie als Dienstwagen, Vorführwagen und Kurzzulassungen billiger anbieten zu können. Das wirkt sich auf den gesamten Markt aus, betonte Dudenhöffer: „Hohe Eigenzulassungsquoten setzen in der Folge die Preise für Neuwagen unter Druck, da Kurzzulassungen und junge Gebrauchtwagen eine Alternative zum Neuwagen sind.“
Insgesamt deute die Entwicklung der letzten beiden Monate zwar darauf hin, dass die Lage angespannt bleibe, sagte Dudenhöffer: „Aber der Höhepunkt im Rabattwettbewerb scheint erreicht.“

Die Nachfrage befindet sich in ganz Westeuropa im Rückwärtsgang: Im krisengebeutelten Italien schrumpften die Neuanmeldungen im Juni um 5,5 Prozent, in Frankreich wurden knapp neun Prozent weniger Neuwagen registriert. Allerdings gibt es Hoffnungen, dass die Talsohle bald erreicht ist. Experten begründen dies damit, dass der Rückgang zuletzt geringer ausfiel als in den Monaten davor.

Bis die Nachfrage in Europa wieder anspringt, dürfte jedoch noch einige Zeit vergehen. Unternehmensberater verweisen darauf, dass viele Europäer einen Neuwagenkauf wegen der Staatsschuldenkrise aufgeschoben haben und irgendwann zu den Autohändlern zurückkehren dürften. Wann das sein könnte, steht allerdings in den Sternen, denn die Autos halten heutzutage sehr viel länger: Das Durchschnittsalter der Pkw auf deutschen Straßen lag zuletzt bei 8,7 Jahren. Zudem ist die Konjunktur in den europäischen Krisenländern unverändert schwach und die Arbeitslosigkeit hoch.

Importeure nicht unzufrieden

Nach den aktuellen Zahlen des Flensburger Kraftfahrtbundesamt können einige Hersteller aber auch gegen den Markttrend zulegen: Als einzige deutsche Marke legten die Zulassungszahlen von Porsche um drei Prozent zu. Bei den Importmarken verzeichneten Jaguar (plus 35 Prozent), Seat (plus 30,4 Prozent) und Land Rover (plus 21,1 Prozent) gar zweistellige Zuwachsraten. Auf Seiten der Importeure wies Skoda mit 5,1 Prozent erneut den stärksten Anteil aus.

Insgesamt bleibt der Ausblick aber düster: Schon 2012 war mit zwölf Millionen verkauften Fahrzeugen das schlechteste Autojahr seit 1995. Für 2013 rechnen Experten in Westeuropa mit dem sechsten Rückgang in Folge. Die dauerhaft niedrigen Neuzulassungen machen vor allem Massenherstellern wie Peugeot, Fiat und Opel zu schaffen, während Premiumautobauer wie BMW, Audi und Daimler mit seiner Pkw-Tochter Mercedes-Benz die Schwäche auf dem Heimatkontinent durch Exporte nach Nordamerika und China wettmachen. Am Nachmittag werden die Absatzzahlen aus den USA erwartet. Dort dürfte sich der Aufwärtstrend vergangener Monate fortgesetzt haben.

Wie zeitgleich zum Herstellerverband VDA der Importeursverband VDIK mittteilt, ist dessen Marktanteil mit 35,5 Prozent annähernd auf Vorjahresniveau geblieben. Im Juni 2013 wurde mit 283.000 Neuzulassungen ein Minus von 4,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat bei den reinen Importmarken verzeichnet.

Als Trend macht der VDIK eine echte Diesel-Schwäche aus: Die Neuzulassungen von Pkw mit Dieselmotor haben im ersten Halbjahr 2013 deutlicher als der Marktdurchschnitt nachgegeben, heißt es. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum belief sich der Rückgang auf neun Prozent, das entspricht gut 710.000 Fahrzeugen. Ihr Anteil an den Gesamtzulassungen sinkt damit auf 47 Prozent. Die Flottenzulassungen haben sich in etwa analog zu den Fahrzeugen mit Dieselmotor entwickelt.

Bei den Importmarken trotzten Kleinstwagen (plus 0,2 Prozent), SUV (plus 3,6 Prozent) und Wohnmobile (plus 2,9 Prozent) dem insgesamt rückläufigen Markt. In diesen Segmenten fällt der Privatkundenanteil überdurchschnittlich hoch aus. Die internationalen Kraftfahrzeughersteller sind hier besonders erfolgreich, ihr Marktanteil beläuft sich jeweils auf über 60 Prozent.

Stabiler Gebraucht-Markt

Während das Geschäft mit Neuwagen schwächelt, entwickelt sich der Gebrauchtwagenmarkt positiv. Nach einer aktuellen Datenauswertung des Internet-Autoportals mobile.de der Markt nicht durch die zahlreichen Tageszulassungen der Händler beeinträchtigt. Von Januar bis Mai 2013 wechselten fast drei Millionen Fahrzeuge ihren Besitzer. Das waren 2,4 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Durchschnittspreis stieg bei dem Ebay-Tochterunternehmen gegenüber dem Vorjahresmonat um drei Prozent auf 18.416 Euro. Für diesen Durchschnittspreis von 18.416 Euro bekommt der Interessent beispielweise einen BMW 320d, Baujahr 11/2009 mit 48.000 Kilometern oder einen VW Golf BlueMotion 1.6 TDI, Baujahr 9/2012 mit 8.500 Kilometern.

Wenn Gebrauchtwagen-Suchende auf die Internetseite "mobile.de" gehen, schränken sie zu 85,3 Prozent die Suche nach "Modell" ein, wobei für die favorisierten Modelle eine Mehrfachauswahl möglich ist. Die BMW 3er-Reihe liegt mit 4,74 Prozent aller Nachfragen an der Spitze, gefolgt vom VW Golf mit 4,35 Prozent.

Zu einer etwas detaillierteren Betrachtung der aktuellen Gebrauchtmarkt-Trends gelangt der Restwerteexperte Schwacke, und stellt fest: Mit Mittelklasse-Fahrzeugen ist kein zufriedenstellender Umsatz zu erzielen. Allein im Mai hat dieses Pkw-Segment in Deutschland im Vergleich zum Vorjahresmonat ein Minus von 20 Prozent hinnehmen müssen. Das drückt auch die Gebrauchtwagen-Preise.

Am stärksten hat es nach Feststellung der Marktbeobachter von Schwacke den Ford "Mondeo" getroffen, der nach drei Jahren und mit 60.000 Kilometern auf dem Tacho nur noch einen Restwert von 39,6 Prozent besitzt. Den besten Werterhalt versprechen der "3er" von BMW und der Audi "A4": Deren Restwerte kommen nach drei Jahren noch auf 55,5 Prozent beziehungsweise 50,5 Prozent des Neupreises.

Der durchschnittliche Restwert für Dreijährige in diesem Marktsegment, in dem 77 Prozent der Neufahrzeuge als Dienst- und Mietwagen zugelassen werden, beträgt 49,3 Prozent; ihm kommt der Mazda "6" mit 48,3 Prozent näher als die Mercedes-Benz C-Klasse, für die Schwacke 46,3 Prozent ausweist.

(mit Material von MID, KBA,VDIK und dpa)

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37 Kommentare zu "Absatz bleibt schwach: Autokäufer, verzweifelt gesucht"

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  • Wer soll sich bei den Preisen noch ein neues Auto mit einer einigermaßen guten Ausstattung leisten ?

  • Wieder einmal "Nur Heiße Luft" Die "Absatsflaute ist politisch gewollt. Sie wurde durch die Abwrackprämie. Alte Autos in Schrott neue auf die Straße. Alles klar.

  • Schön, wenn es so wäre, ist es leider aber nicht!

  • Lol :-)

    Meine Frau hat vor 3 Jahren einen gebrauchten Nissan Almera Benziner Baujahr 1999 für €2000,- gekauft. Der Wertverlust in 3 Jahren war minimal. Das Auto fährt problemlos, bisher keine Reparaturen. Nur minimaler Rost nach 14 Jahren. Verbrauch ca. 6,5 Liter pro 100km. Jeden Tag steckt ein Kärtchen dran "kaufe Auto für Export"...

  • "bis die Nachfrage wieder anspringt"

    Wird da subtil versucht einzureden, dass 1,5 Millionen verkaufte Fahrzeuge keine Nachfrage sein soll?

    Die armen Hungerleider in der Automobilindustrie! Ach Gott, gib, dass Europa wieder zu einem Wachstumsmarkt werde, statt ein Konsolidierungsmarkt zu sein seit 30 Jahren...

    Oder anders ausgedrückt, einen "iPhone"-Hersteller sucht man in der Automobilindustrie vergebens!

    Unterstellt mir da jemand jetzt Häme?


  • Völlig korrekt. Auf den Punkt getroffen.

  • Wer das Mäulchen aufsperren muß, einfach mal Ahnung haben.

    Auf was für eine Quelle bauen Sie denn Ihre Überzeugung, daß mit der AfD alles viel schlimmer würde? Oder finden Sie es toll, was die Etablierten so fabrizieren?

    (Ironiemodus an)
    Wenn ja, dann KAUFEN SIE - es ist doch alles OPTIMAL mit denen. Gehen SIE mit guten Beispiel voran und kaufen Sie am besten als Ausgleich für die armen Geistesgestörten, die mehr Demokratie wollen und AfD wählen, gleich 3 Autos. WIE JETZT - das können Sie nicht? Unter der CDU ist doch alles prächtig, wie kann das denn sein, daß SIE sich das nicht leisten können.
    (Ironiemodus aus)

  • Die Hersteller begreifen es einfach nicht: Ich will keine überteuerte Kiste mit allem möglichen elektronischen Schnickschnack drin, aus der ich kaum raussehe, die teuer wird, wen auch nur das Kleinste zu reparieren ist, die auf Monsterreifen daherkommt (auch die teuer) und die zu allem Überfluß immer wie ein angreifender Tigerhai aussieht. Es mag Leute geben, die das wollen, aber die sollen das bitte auch bezahlen. Ganz offenbar KÖNNEN das aber immer weniger Leute und deshalb stagniert der Absatz. Meine Konsequenz? Ein schönes, richtig altes Auto fahren, das KEINEN Wertverlust mehr hat (sondern eher noch zulegt) und für den Winter ein klitzekleines Verbrauchsauto für 500 Euro. Aber Neuwagen? Nie mehr wieder - nur schlechte Erfahrungen gemacht.

  • Die armen Beamten, mir kommen gleich die Tränen... Nicht erwähnt wurde nämlich von Ihnen die faktische Unkündbarkeit des Beamtenverhältnisses (wo gibts das bitte in der freien Wirtschaft?), die Beihilfe + Privatversicherung für die Gesundheitsversorgung, die exorbitanten Pensionen usw. Also: M.E. gehört das Beamtentum - bis auf wenige Ausnahmen - ABGESCHAFFT! Diese Privilegien sind durch NICHTS mehr gerechtfertigt.

  • Es sind nicht nur die Polizeibeamten die mäßig verdienen. Alle Beamten im mittleren Dienst haben ein eher mäßiges Einkommen. Das wird selbst bei Einbeziehung der Pension nicht besser. Gerade im Bereich Finanzbeamte hält sich der Verdienst auch in Grenzen.
    Bedingt duch die hemmungslose Privatisierung des Tafelsilbers unseres Landes haben sich die Gewinne der Reichen im Lande stark erhöht, für die Bürger blieben bedingt durch dann fehlende komumnale und staatliche Einnahmen nur die erhöhten Ausgaben übrig. Dies drückt auf die Einkommen.
    Haben die Komunen aus den Gewinnen der Komunalunternehmen früher Freibäder, Theater, Nahverkehrsmittel usw. quersubventiniert, gehen diese Gewinne heute in die Taschen der reichen Eigner, die ehem. subventionierten Einrichtungen müssen von den Bürgern bezahlt werden. Dies senkt nochmals die Einkommen.

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