Absatzeinbruch schockt Autobranche
Rabatte auf Höchstniveau

Um den Absatzrückgang zu bekämpfen, setzen die Autokonzerne in Deutschland auf immer stärkere Kaufanreize. In keinem Mai war das Rabatt-Niveau nach einer Studie des Marktforschungsinstituts B&D Forecast so hoch wie heute.

HB FRANKFURT. Volkswagen etwa stützt den Passat mit 2 000 Euro „Eroberungsprämie“. Citroën hat den Rabatt auf die Kleinwagen C2 und V3 von 25 Prozent im April auf jetzt gut 30 Prozent erhöht. Selbst beim neuen Compact-Van C4 Picasso erhält der Käufer 14,5 Prozent Preisnachlass. Opel bietet Sondermodelle mit einem Kundenvorteil von bis zu 4 450 Euro an.

Hintergrund: Die deutsche Automobilkonjunktur verliert trotz des gesamtwirtschaftlichen Aufschwungs immer mehr an Fahrt. Nachdem bereits in den ersten vier Monaten dieses Jahres der Verkauf eingebrochen ist, erwarten Experten, dass die Flaute auch im Mai anhält.

Die offiziellen Zulassungszahlen veröffentlicht der Branchenverband VDA zwar erst Anfang Juni. Das Marktforschungsinstitut B&D Forecast rechnet aber schon jetzt damit, dass in diesem Monat in Deutschland gut 30 000 Autos weniger verkauft werden als im Mai 2006. Vor allem die Zurückhaltung der privaten Kunden könne nicht mehr auf den seit Jahresbeginn geltenden höheren Mehrwertsteuersatz zurückgeführt werden, sagte der Chef von B&D Forecast, Ferdinand Dudenhöffer, dem Handelsblatt. Jetzt verunsichere vor allem die klimapolitische Debatte mögliche Käufer.

Wegen der Anhebung der Mehrwertsteuer von 16 auf 19 Prozent hatten die deutschen Autohersteller zwar im ersten Quartal 2007 eine Verkaufsdelle erwartet. Viele Kunden hatten ihre geplanten Fahrzeugkäufe Ende 2006 vorgezogen. Von Ausmaß und Dauer des Absatzrückgangs in diesem Jahr wurden die Hersteller aber überrascht. Zwischen Anfang Januar und Ende April gab es lediglich 982 000 Neuwagenzulassungen – damit blieben die Verkäufe trotz hoher Rabatte um 9,2 Prozent hinter dem Vorjahreszeitraum zurück. In ganz Europa entwickelt sich der deutsche Automarkt am schlechtesten.

Nach Berechnungen des Instituts für Automobilwirtschaft (IFA) gingen in Deutschland die Käufe privater Kunden in den ersten vier Monaten um rund 30 Prozent zurück. Dem Marktforschungsinstitut Dataforce zufolge musste Ford im Privatkundengeschäft einen Einbruch von 54,4 Prozent hinnehmen, gefolgt von BMW mit einem Minus von 39,1 Prozent. Bei Fiat sank der Verkauf an private Kunden um 38,2 Prozent, bei Audi um 34,6 Prozent, bei VW um 34,4 Prozent und bei Opel um 29,8 Prozent. Als einziger deutscher Hersteller habe Mercedes-Benz den Rückgang mit einem Minus von 6,1 Prozent in Grenzen halten können. „So etwas habe ich in meiner Laufbahn noch nie erlebt“, sagte der Vertriebs- und Marketing-Chef von Opel, Alain Visser, der Fachzeitschrift „Auto, Motor und Sport“. Privatkunden machen normalerweise knapp die Hälfte des Gesamtgeschäfts der Autoproduzenten in Deutschland aus.

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