Abschied von den roten Doppeldeckerbussen
Rollende Wahrzeichen gehen in den Ruhestand

50 Jahre lang haben sie das Stadtbild geprägt, jetzt schickt London die letzten roten Doppeldeckerbusse in den Ruhestand. Sie müssen modernen Niederflurbussen weichen, die den Standards der Europäischen Union entsprechen.

HB LONDON. Am Freitag drehen sie ihre letzten Runden vorbei an St. Paul's, Westminster und dem Buckingham-Palast. London solle künftig „die modernsten, am besten zugänglichen und sichersten Busse” haben, kündigte die Nahverkehrsgesellschaft Transport for London (TFL) an.

„Romantisch” sei das nicht, räumte TFL-Sprecher Stephen Webb ein, aber praktisch. Denn nach Vorgaben der EU müssen bis zum Jahr 2016 alle Busse für Rollstuhlfahrer zugänglich sein –- Standards, die die teils mehr als 40 Jahre alten "Routemaster" nicht erfüllen.

Trotz der Aussicht auf mehr Komfort verfolgen die Londoner den Abschied von den roten Klassikern mit Wehmut. In einer Umfrage des „Evening Standard” erklärten im November 81 Prozent der Befragten, sie seien gegen eine Verschrottung. Die BBC widmet ihr Programm am Samstagabend den Doppeldeckern, der Komponist Tom Smail hat sogar ein eigenes „Requiem für den Routemaster” geschrieben. Das Stück für Orchester soll die Geräusche von Motoren und dem Fahrkartenautomaten des Schaffners nachempfinden.

Die bulligen Aluminiumgefährte wurden Mitte der 1950er Jahre eingeführt und speziell für die engen, gewundenen Straßen Londons entworfen. Seitdem zierten sie zahllose Postkarten und Schnappschüsse von Touristen. Liebhaber schätzen an ihnen besonders die offene Plattform am Heck und den Ticketverkäufer an Bord. 1966 hob das „Time”-Magazin einen der roten Doppeldecker auf seine Titelseite.

Angekündigt hatte sich der Abschied vom „Routemaster” schon lange: Bereits 1970 erklärte TFL, die als veraltet geltenden Busse sollten in zehn Jahren ausrangiert werden. 1996 war dann von einer Einstellung in fünf Jahren die Rede, um verschärfte Sicherheitsvorschriften einzuhalten –- nicht selten gab es verknackste Knöchel, wenn jemand, obwohl verboten, zwischen zwei Haltestellen von der offenen Plattform sprang.

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