ADAC EcoTest
Der geplatzte Traum vom Umweltauto

Hersteller von Elektroautos versprechen Autofahren ohne Schadstoffe - eine Illusion, wie ein ADAC-Test zeigt.
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FrankfurtSie werden mit dem Zauberwort "Zero Emission" vermarktet und fahren in der Werbung gerne lautlos durch blühende Sonnenblumenfelder: Elektroautos haftet das Image besonders umweltschonender Fahrzeuge an, die kein Klimagift wie Kohlendioxid oder gesundheitsschädliches Stickoxid aus dem nicht vorhandenen Auspuff blasen. Ein schönes Bild, das nur einen Schönheitsfehler hat: Es hat mit der Wirklichkeit nicht viel zu tun.

Wer den realen Schadstoffausstoß von der Kraftstoffquelle bis zum Auto vergleicht, stellt fest: Für das Klima sind die Stromer derzeit nicht unbedingt besser als herkömmliche Modelle. In einem umfangreichen Test verglich der Automobilclub ADAC jetzt die Umweltbelastung von Benzin-, Diesel- und Gasautos mit Elektromobilen und berechnete dabei auch den CO2-Ausstoß bei der Stromerzeugung mit ein.

Das ernüchternde Resultat: Die vermeintlichen Umweltengel mit E-Motor schafften nicht die Bestnote beim Eco-Test. Von den acht getesteten Autos kam der Elektro-Renault Fluence Z.E. zwar auf den ersten Platz, erreichte aber nur vier von fünf möglichen Umweltsternen.

Beim CO2-Ausstoß schnitt das zweite Elektroauto im Test, der Volvo C30 electric, sogar schlechter ab als der größere Audi A4 TDI und der Mercedes B 180 DCI Blue-Efficiency, die beide mit herkömmlichen Dieselmotoren ausgerüstet sind.

Der Hintergrund: Nur mit grünem Strom aus Wind, Wasser und Sonne ist die Ökobilanz der Elektroautos perfekt: Geräuscharm und umweltfreundlich geht es dann von Ampel zu Ampel. Aber leider gibt es die Wirklichkeit, die dieses Szenario kaputt macht. Denn noch wird ein großer Teil des Stroms in Deutschland derzeit aus Kohle gewonnen.

So hat das Heidelberger Institut für Energie- und Umweltforschung schon vor einigen Jahren im Auftrag der Bundesregierung ermittelt, dass beim aktuellen Mix der Stromerzeugung ein Elektroauto nicht weniger CO2-Ausstoß verursacht als manch herkömmlicher Benziner. ADAC-Vizepräsident Thomas Burkhard stellt den Elektroautos deshalb ein schwaches Zwischenzeugnis aus. Im Vergleich zu den sparsamsten Benzin-, Diesel- oder Gasfahrzeugen seien sie für den Klimaschutz "überhaupt kein Vorteil", betonte er gestern in München. Der Dreck "entsteht zwar nicht am Auspuff, sondern am Kraftwerk", aber "wo die CO2-Emissionen entstehen", sei der Umwelt egal.

Der Test ist ein weiterer Image-Rückschlag für die Verfechter einer raschen Technologiewende hin zu rein elektrisch betriebenen Fahrzeugen. In der Industrie ist die Euphorie angesichts der geringen Nachfrage nach den ersten Serienmodellen bereits verflogen. Die Regierung formulierte für Deutschland zwar ehrgeizige Ziele - bis 2020 sollen eine Million E-Autos auf deutschen Straßen fahren. Doch inzwischen herrscht Ernüchterung.

Das Problem mit dem sauberen Strom haben die Hersteller allerdings längst in Angriff genommen: So investieren die Konzerne massiv in Ökostrom. Allein VW plant, in den nächsten Jahren nahezu eine Milliarde Euro in grüne Energie zu investieren. Auch Opel bietet seinen Kunden für den neuen Elektrowagen Ampera einen Vertrag zum Bezug von Ökostrom an. Grünes Fahren ist also möglich - aber gegen Aufpreis.

Kommentare zu " ADAC EcoTest: Der geplatzte Traum vom Umweltauto"

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  • Ich kann solche Vergleiche nicht mehr sehen! Bewusst wird dabei die Realität verzerrt. Bei Elektrofahrzeugen wird die Stromerzeugung miteingerechnet, aber bei Verbrennern scheint der Kraftstoff aus der Zapfsäule zu kommen. Das ist gleich naiv als würde man glauben der Strom kommt aus der Steckdose!!!
    Die Umweltbelastung bei der Gewinnung und dem Transport bis zu unseren Zapfsäulen rechnet keiner! Um wirklich vergleich zu können müsste der gesamte Prozess betrachtet werden! Nicht nur die Bereitstellung des Energieträgers sondern auch die Herstellung des FZGes (Verbrenner wie Batterie). Sowas ist natürlich sehr schwierig und daher berschränkt man sich auf beschränkte vergleiche!! Sehr ärgerlich und unwissende Mitmenschen werden mal wieder hinters Licht geführt.

  • Wer so blauäugig ist und dabei meint Kernkraftwerke sind CO2 frei, irrt sich leider gewaltig. Allein der Abbau des Uraltmaterials benötigt ähnlich viel CO2 als würde man den erzeugten Strom mit Gaskraftwerken erzeugen. Wohlgemerkt, nur der Abbau, nicht der Transport nach der Nutung in einem AKW von einem Zwischenlanger ins nächste .... .

  • Fahr mit Sonnenstrom

    Seltsam, dass hier auf einmal die umweltrelevante Betrachtung ab "Stromgewinnung" beginnt. Das bedeutet ja ganz deutlich dass ADAC endlich beginnt die Verbrennungsmotoren zurückzustufen - zB "Verbotene Umweltbeschmutzung"

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