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ADAC-Jurist warnt vor boomendem Führerscheintourismus

dpa TRIER. Derzeit boomt der Führerscheintourismus in andere EU-Länder. Um dies einzudämmen, hat der Leiter der Juristischen Zentrale des ADAC, Eckart Jung, in Trier eine zentrale europäische Führerscheindatei gefordert.

So könne in den momentan besonders beliebten „Führerschein-Ländern“ Tschechien, Polen, Ungarn und den Niederlanden direkt erkannt werden, ob ein deutscher Fahrschulschüler den Schein zuvor wegen eines Deliktes entzogen bekommen habe. Dort finden derzeit die 6. Europäischen Verkehrsrechtstage statt.

„Eine hohe Dunkelziffer“ von Deutschen begibt sich nach Angaben von Jung derzeit für Führerscheinprüfungen in andere EU-Länder, nachdem ihnen in Deutschland die Fahrerlaubnis wegen Alkohols am Steuer entzogen worden war. Nach einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs von April 2004 muss innerhalb der EU jede Fahrerlaubnis anerkannt werden, die in einem Mitgliedstaat legal erworben wurde. Mit dieser Entscheidung sei „Missbrauch Tür und Tor geöffnet“ worden, sagte der Jurist des ADAC. Mit der 3. EU-Führerscheinrichtlinie, über die die EU-Kommission derzeit berate, solle die Rechtsunsicherheit beendet werden.

Hauptgrund dafür, für die Führerscheinprüfung in andere EU-Länder auszuweichen, sei die auch als „Idiotentest“ bezeichnete Medizinisch- Psychologische Untersuchung (MPU). „Der Test ist ein starkes Motiv, die Prüfung zu umgehen“, sagte Jung. Wer die Fahrerlaubnis in einem anderen EU-Land erworben habe, könnte jahrzehntelang unerkannt weiter fahren. „Das ist unter Aspekten der Verkehrssicherheit ein hohes Risiko“, sagte Jung. Im Internet gebe es zahlreiche günstige Angebote für Prüfungen etwa in Polen. „Zwei Wochen mit Halbpension und Führerschein für 999 Euro ist gängig“, sagte Jung.

Der ADAC-Jurist warnte auch neue Besitzer vor allem von tschechischen EU-Führerscheinen davor, dass die Fahrerlaubnisse in Zukunft wieder eingezogen werden könnten. Tschechien werde von Juli 2006 an überprüfen, ob die Fahrschüler auch einen festen Wohnsitz im Land haben, also mindestens sechs Monate dort gelebt haben. „Wenn sie das rückwirkend machen, werden sie viele Führerscheine wieder einziehen müssen“, sagte Jung.

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