ADAC-Präsident Peter Meyer
Vereinsmeyer mit langem Atem

ADAC-Präsident Meyer war lange erfolgsverwöhnt. Jetzt ist er unter Druck - wegen des Skandals um den „Gelben Engel“, wegen seiner Flüge im Rettungshubschrauber und seines Krisenmanagements. Doch er gelobt Besserung.
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MünchenWenn es um verkehrspolitische Lobbyarbeit geht, tritt ADAC-Präsident Peter Meyer gern aufs Gaspedal. Stets hat der 64-Jährige vehement etwa gegen ein allgemeines Tempolimit auf Autobahnen gekämpft. Jetzt muss der oberste Repräsentant des zweitgrößten Autoclubs der Welt ein paar Gänge zurückschalten, der ADAC-Skandal hat ihn getroffen. Meyer übt sich in Bescheidenheit - eine völlig neue Rolle für den Westfalen, der bisher immer als selbstbewusster Lobbyist aufgetreten ist. Mit dem Gefühl von fast 19 Millionen ADAC-Mitgliedern im Rücken.

Unvergessen bei Münchner Journalisten ist sein Auftritt bei der Bilanz-Pressekonferenz 2004, als der ADAC erstmals seit zwölf Jahren den Mitgliedsbeitrag anhob, um rund 16 Prozent auf 44 Euro. Auf kritische Fragen von Journalisten rechnete Meyer süffisant vor, um wie viel mehr deren Zeitungen in den zwölf Jahren ihre Preise erhöht hätten. Und er genoss sichtlich diese gut vorbereitete Attacke.
Doch nach dem Skandal um die Fälschungen beim Autopreis „Gelber Engel“ wunderten sich viele, dass Meyer sich nicht an vorderster Front blicken ließ, sondern erst einmal auf Tauchstation blieb. Vielleicht fiel es ihm nach vielen Erfolgsjahren als Chef - nicht nur eines inzwischen mächtigen Wirtschaftsriesen, sondern auch einer angesehenen öffentlichen Instanz - schwer, abrupt von der Überhol- auf die Pannenspur zu wechseln.

Nach anfänglichem Leugnen räumte der ADAC zunächst nur per Pressemittelung die peinlichen Manipulationen ein, einen Tag später stellte sich lediglich ADAC-Geschäftsführer Karl Obermair den Fragen der Medien. Wiederum erst zwei Tage später kam Meyer in die Hufe und kündigte in einer persönlichen Erklärung Reformen an, „die dauerhaft für mehr Offenheit, höhere Transparenz und direktere Mitgliedereinbindung sorgen sollen“. Und das war auch nur eine schriftliche Erklärung.
Sicher war die auch als Befreiungsschlag gedacht, weil infolge der Affäre auch der Stuhl des Präsidenten gefährlich ins Wackeln zu geraten drohte. Aber der selbstbewusste und gerne Klartext redende Meyer will seinen Posten behalten: „Wenn der Wind von vorne kommt, muss man das auch mal aushalten können“, sagte er in einem Interview.

Meyer hat langen Atem. Schon 1970 trat der gelernte Speditionskaufmann sowie Betriebswirt und spätere Transportunternehmer in den ADAC ein, seit 2001 ist er Präsident. Über die Jahre trug ihm sein Engagement für den Autoclub den Spitznamen Vereinsmeyer ein.

Das Krisenmanagement des ADAC und die späte Reaktion von Meyer kritisiert der Politikwissenschaftler Heinrich Oberreuter als merkwürdig. Die Debatte um die Nutzung von Rettungshubschraubern durch das ADAC-Präsidium, auch durch Meyer, hält er allerdings für übertrieben: „Bei 30 Flügen in zehn Jahren sprechen wir von drei Flügen im Jahr. Wenn es die Rettung nicht berührt hat, ist das die öffentliche Aufregung nicht wert“, sagte Oberreuter am Samstag der Nachrichtenagentur dpa. Und doch finden viele, dass in diesem Fall mehr Fingerspitzengefühl des ADAC-Präsidiums angebracht gewesen wäre.
Einmal auf der Pannenspur gelandet, tritt Meyer weiter demonstrativ auf die Bremse. Neben einer stärkeren Orientierung auf die Bedürfnisse der Mitglieder kündigt er auch mehr Zurückhaltung bei politischen Diskussionen an. „Sperenzchen lassen wir jetzt grundsätzlich bleiben“, sagte er der „Automobilwoche“. Wenn der ADAC künftig zu politischen Fragen Position beziehe, sollten zunächst die Mitglieder durch ein Institut befragt werden. „Das Ergebnis dieser Umfrage, zertifiziert und bestätigt - das ist dann die Position des ADAC, weil sie eine Mehrheitsposition ist“, erklärt er den neuen Ansatz. Doch es ist klar: Peter Meyer wird sich vorerst weiterhin auf kräftigen Wind von vorn einstellen müssen.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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