ADFC-Test Radfahrer beurteilen Großstädte kritisch

Radfahren boomt. Besonders in mittelgroßen Städten ersetzen Fahrräder oft Autos. Münster zeigt seit vielen Jahren, wie beliebt die Fortbewegung mit Pedalkraft sein kann. Der Erfolg bringt aber auch Probleme.
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Radfahrer geben dem Wohlfühlfaktor im Straßenverkehr in Deutschland als durchschnittliche Note eine schlechte Drei. Quelle: dpa
Wo sich Radfahrer wohlfühlen

Radfahrer geben dem Wohlfühlfaktor im Straßenverkehr in Deutschland als durchschnittliche Note eine schlechte Drei.

(Foto: dpa)

BerlinZehntausende Radfahrer haben den Verkehr großer deutscher Städte besonders kritisch beurteilt. Die meisten Großstädte wie Berlin, Hamburg, Köln und Düsseldorf landeten in einer bundesweiten Umfrage des Allgemeinen Deutschen Fahrrad Clubs (ADFC) auf den hinteren Plätzen.

Münster in Westfalen eroberte erneut den Titel als Deutschlands fahrradfreundlichste Stadt in der Kategorie der Kommunen mit mehr als 200.000 Einwohnern.

Im sogenannten Fahrradklima-Test, den der ADFC am Donnerstag (19. Februar) in Berlin zum sechsten Mal vorstellte, folgen auf dem zweiten und dritten Platz Karlsruhe und Freiburg.

Bei den mittelgroßen Städten mit 100.000 bis 200.000 Einwohnern liegen Erlangen, Oldenburg und Ingolstadt auf den ersten Plätzen.

Die fahrradfreundlichste Stadt mit 50.000 bis 100.000 Einwohnern ist Bocholt in Westfalen. Sieger bei den Orten unter 50.000 Einwohnern ist Reken im Münsterland.

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In Japan baut der traditionsreiche Yacht-Konstrukteur Sueshiro Sano Fahrräder aus Mahagoni-Holz, das aus Honduras kommt.
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Seine Räder seien mindestens so leistungsfähig wie Räder mit modernen Carbonrahmen, würden aber eher eine "ältere" Klientel anziehen, sagt er. Älter und natürlich gut situiert: Das japanische Mahagoni-Fahrrad kostet stolze 14.500 Euro.

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Edel-Fahrrad aus Mahagoni von Sueshiro Sano

Edel-Fahrrad aus Mahagoni von Sueshiro Sano
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Edel-Fahrrad aus Mahagoni von Sueshiro Sano

Edel-Fahrrad aus Mahagoni von Sueshiro Sano
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Edel-Fahrrad aus Mahagoni von Sueshiro Sano

Südlich der Alpen hat der italienische Luxusräder-Hersteller 43 Milano mit dem Sportwagendesigner Pininfarina zusammengearbeitet.
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"Fuoriserie" - auf Deutsch etwa Sondermodell - nimmt Anleihen bei einem Sportwagen aus den 1930er Jahren, wie Pininfarina-Chef Paolo Pininfarina sagt: "Das geflochtene Leder des Sattels und des Lenkers sind vom Inneren des Wagens inspiriert."

Ab 8.400 Euro
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Das Fahrrad mit seinem Chromstahl-Rahmen und einem diskreten Elektromotor mit dem stattlichen Preis von 8.400 Euro sei gedacht für "Führungspersönlichkeiten, die im Stadtzentrum wohnen, wo die Straßen in der Regel voll sind".

Fuoriserie im Pininfarina-Design von 43
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Fuoriserie im Pininfarina-Design von 43 Milano

Unter den sogenannten Aufsteigern, den Städten, die seit 2012 am meisten für die Fahrradfreundlichkeit taten, liegen laut ADFC in den verschiedenen Größenordnungen Wuppertal, Göttingen, Schwerin und Heiligenhaus vorn.

An der Umfrage beteiligten sich im Herbst mehr als 100.000 Radfahrer, die anhand von 27 Fragen ihre jeweiligen Heimatstädte beurteilten. 468 Städte kamen in die Wertung, die als «Kundenbarometer in Sachen Radverkehr» bezeichnet wurde. 

Schlechte Noten verteilten die Radfahrer in der Befragung oft, weil sie sich unsicher fühlten. Für die Sicherheit gab es in Großstädten nur eine Durchschnittsnote von 4,1. Die befragten Menschen kritisierten parkende Autos auf Radwegen, schlechte Ampelschaltungen, Baustellen und fehlende Schneeräumung im Winter.

Der ADFC forderte daher mehr Tempo-30-Zonen und die Verbreiterung der Radwege, um das Sicherheitsgefühl zu erhöhen. Die alten Radwege aus den 80er-Jahren seien zum Teil gefährlich, weil sie an schlecht einsehbaren Stellen verlaufen würden, sagte der ADFC-Bundesgeschäftsführer Burkhard Stork.

Wo Diebe am liebsten Fahrräder klauen
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Die Kette nur um Reifen und Stange gelegt, nicht das teuerste Schloss benutzt und schon steht man nackt da – zumindest im übertragenen Sinne, nämlich ohne akkurates Fortbewegungsmittel: Diese Situation kennen viele passionierte Radfahrer, jedes Jahr werden etliche zu Opfern von Fahrraddieben. In 2013 haben fast 317.000 Räder unfreiwillig den Besitzer gewechselt, wie eine aktuelle Kriminalitätserhebung des Versicherungsportals Geld.de zeigt. In den 80 größten Städten Deutschlands wurden fast 4000 Räder mehr als im Jahr 2012 gestohlen. Insgesamt schätzt Geld.de den Schaden durch die Diebstähle auf 134 Millionen Euro.

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Bundesweit liegt die Aufklärungsquote für Fahrraddiebstähle bei 9,6 Prozent. Viele Räder bleiben also verschwunden, die Täter werden selten geschnappt. Am schlechtesten schneiden die Polizeikräfte in den Stadtstaaten Hamburg (Aufklärung von nur 4,4 Prozent der Delikte), Berlin (4 Prozent) und Bremen (6,2 Prozent) ab. Denn am Tatort werden meist keine verwertbaren Spuren hinterlassen und die teils international agierenden Banden sind hochprofessionell organisiert. Kurz nach dem Diebstahl werden die Räder laut der Untersuchung häufig in ihre Einzelteile zerlegt und so unauffällig ins Ausland transportiert. Zwar stammen insgesamt nur 22,7 Prozent der Täter aus dem Ausland, doch die Studie benennt in Anlehnung an Polizeischätzungen einen Trend zur Bandenkriminalität aus osteuropäischen Ländern im Bereich des Fahrraddiebstahls. Die Autoren schreiben: „Das größte Problem: Die fehlenden Grenzkontrollen ermöglichen es den hervorragend organisierten Kriminellen, leicht ins Land zu kommen und wenige Stunden nach den Raubritter-Zügen Deutschland wieder zu verlassen.“

Remscheid
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Ein weiterer Grund für die hohen Diebstahlzahlen ist neben der internationalen Bandenorganisation jedoch auch mangelnde Vorsicht: Laut Allgemeinem Deutschen Fahrradclub ist jedes vierte Rad in Deutschland nicht gesichert. Dabei ist der Faktor Zeit beim Fahrradklau entscheidend. Je schwieriger ein Schloss zu knacken ist, umso eher lässt ein Dieb die Finger davon. Doch das ist genau das Problem: Die Hersteller von Fahrradschlössern werfen zu viel schlechte Ware auf den Markt – das belegt auch eine Untersuchung der Stiftung Warentest. Nur wenige der 37 getesteten Schlösser hielten den mit Zangen und Sägen ausgestatteten Kontrolleuren Stand – bei den meisten brauchten sie nicht einmal drei Minuten, um sie zu knacken. Bügelschlösser schnitten im Vergleich noch am besten ab.

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Doch guter Riegel hin oder her – wenn die Diebe wirklich wollen, überwinden sie die meisten Schlösser, selbst teure. Insofern scheint neben der Qualität des Schlosses doch auch die kriminelle Energie in einer Stadt entscheidend, in der ein Besitzer sein Rad abstellt. Und da zeigt das Ranking der Experten von Geld.de erhebliche Unterschiede zwischen einzelnen Städten und Regionen auf. Es folgt ein Überblick über die sichersten und die unsichersten Städte.

Müngstener Brücke
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Sicherste Städte / Rang 1: Remscheid

Ein wahres Eldorado für Fahrradbesitzer scheint Remscheid im bergischen Land zu sein – zumindest was die Sicherheit des Drahtesels angeht. Hier im Schatten der Müngstener Brücke werden laut der polizeilichen Statistiken 90 Prozent weniger Räder geklaut als im Schnitt der verglichenen 80 größten deutschen Städte. Es gab nur 59 Diebstähle pro 100.000 Einwohner, demnach gab es noch einmal 26 Prozent weniger Delikte als 2012 und zusätzlich lag die Aufklärungsquote mit 16,9 Prozent vergleichsweise hoch.

Opernhaus Wuppertal
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Sicherste Städte / Rang 2: Wuppertal

Das bergische Land scheint generell auf der Prioritätenliste der Diebe sehr weit unten zu stehen – ob es an den geologischen Bedingungen und den vielen Steigungen liegt? Beim Abtransport mit Lastern könnten allenfalls die steilen, engen Straßen ein Grund sein. Jedenfalls weist auch Wuppertal, die Stadt der Schwebebahn, eine recht geringe Diebstahlquote auf. Dort wurden 2013 nur insgesamt 285 Räder gestohlen, das sind 83 Delikte je 100.000 Einwohner in der nordrhein-westfälischen Stadt. Die Aufklärungsquote ist mit 10,9 Prozent mäßig.

Hagen
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Sicherste Städte / Rang 3: Hagen

Auch Hagen schneidet im Vergleich zu vielen anderen Städten gut ab. Während ansonsten Studentenstädte oft überdurchschnittlich betroffen sind, dürfte die Form der Fernuniversität hier der Grund dafür sein, dass dieses Phänomen nicht auf Hagen zutrifft. Nur 85 Räder je 100.000 Einwohner wurden hier 2013 ihren Besitzern entwendet, das sind 85 Prozent weniger, als im Durchschnitt der gerankten Städte. Die Zahl der Diebstähle ging gegenüber 2012 merklich um 18,5 Prozent zurück.

Karlsruhe rückte in der diesjährigen Wertung einen Platz vor: «Wir dürfen uns aber auf keinen Fall darauf ausruhen, das ist uns Ansporn, auf diesem Weg weiterzumachen», sagte der zuständige Stadtplaner Johannes Schell der Deutschen Presse-Agentur.

Ein Schwerpunkt der Weiterentwicklung des Radverkehrs sei neben mehr Sicherheit die Öffnung von Einbahnstraßen in Gegenrichtung. Damit haben andere Städte wie Frankfurt am Main bereits gute Erfahrungen gemacht.

Der ADFC rechnet mit einer weiteren Zunahme des Radverkehrs. Besonders die Elektroräder würden einen weiteren Schub bringen, das sehe man an hügeligen Städten wie Wuppertal. Die Infrastruktur der Städte müsse weiter angepasst werden, sagte Stork.

Nötig seien auch zusätzliche sichere Abstellmöglichkeiten und eine bessere Verkehrssteuerung. «Wir haben in den Städten einen großen Nachholbedarf.»

Link: In einer interaktiven Karte auf der ADFC-Homepage lassen sich die detaillierten Ergebnisse aller Städte per Mausklick abrufen.

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