Aktuelle Debatte konzentriert sich auf Dieselruß und vernachlässigt andere Gefahrenquellen
Auch Katalysatoren sorgen für Feinstaub

Bei der zurzeit geführten Diskussion um den Feinstaub in deutschen Städten geht es fast ausschließlich um den Dieselruß – andere Quellen werden vernachlässigt: Abrieb von Bremsen, Reifen, Straßenbelag und Straßenbahnschienen, Aufwirbelung von Staub und letztlich Partikel aus Katalysatoren in Form von Edelmetallen und Keramikfasern.

HB BERLIN. „Daher würden selbst bei einer 100-prozentigen Filter-Einbaurate bei PKWs und leichten Nutzfahrzeugen mit Dieselmotoren die Feinstaubemissionen im Durchschnitt nur um etwa 2,5 Prozent und unter Einbeziehung der schweren LKWs in der Summe um rund fünf Prozent sinken“, sagt Peter Hupfer, Chef des Tüv Süd.

Ein bisher kaum beachteter Faktor sind vor allem Partikel aus Katalysatoren in Form von Edelmetallen und Keramikfasern. Sobald der Autor-Motor läuft, werden in kleinsten Mengen die Platin-Gruppen-Metalle (PGM) Platin, Rhodium und Palladium aus den Abgaskatalysatoren in die Umwelt geblasen. Die US-Studie „North American Catalytic Converter Recycling“ hat im Jahr 2003 mehr als 50 000 gebrauchte Katalysatoren daraufhin überprüft, ob die Geräte in Bezug auf ihren Metallgehalt noch vollständig sind. Der Bericht kommt zu überraschenden Ergebnissen: Rund 25 Prozent der Edelmetalle in Katalysatoren bleiben während des Fahrzeugbetriebes auf der Strecke.

Nicht untersucht wurde in der Studie, ob sich in den gebrauchten Katalysatoren noch Reste von Keramikfasermatten befanden, die im funktionstüchtigen Zustand den Keramikkörper im Kat festhalten und schützen. Branchenfachleute glauben jedoch, dass der Keramikmonolith nur dann während der Fahrt in Bröckchen und als Staub ausgetragen werden kann, wenn die Lagermatte aus Krebs erzeugend Keramikfasern zuvor zerstört und ausgeblasen wurde.

Die nachgewiesen mangelhafte Qualität der amerikanischen Katalysatoren ist kein Problem, das auf die USA beschränkt bleibt. Die teuren Metalle aus den Katalysatoren sind nämlich keinesfalls spurlos verschwunden. Was die Katalysatoren-Recycler vermissen, wurde von mehr 150 Wissenschaftlern aus aller Welt gesucht und gefunden. In den vergangenen fünf Jahren gab es dazu mehr als 40 Studien und Fachberichte. Erhöhte Konzentrationen von Platin-Metallen wurden in schwedischen Raubvögeln, Moorhühnern und Spatzen, spanischen Süßwasserasseln, englischer Baumrinde, grönländischem Schnee, Teichschlamm in den USA und sogar im Urin italienischer Verkehrspolizisten festgestellt. In den Städten München, Frankfurt, London, Kopenhagen, Göteborg, Rom, Neapel, Madrid, Honolulu, Biatystok in Polen, Perth in Australien und Accra in Ghana waren die PGM-Werte in Straßenstaub oder der Luft stark erhöht.

Wissenschaftler im US-Staat Indiana fanden derart hohe Konzentrationen von Platin-Metallen an Straßenrändern, dass sie fast schon eine Rückgewinnung für wirtschaftlich halten. Ein Kilogramm Fahrbahnrand enthielt Edelmetalle im Wert von über zwei US-Dollar. In Madrid und im polnischen Biatystok wurden ähnlich abbauträchtige Konzentrationen gefunden. In England ist die Platinkonzentration in Straßennähe innerhalb von fünf Jahren nach der Katalysatoreinführung um das 90-fache gestiegen.

In etlichen Städten stellte man fest, dass der PGM-Gehalt in der Luft mit der Verkehrsdichte und im Straßendreck, etwa in London und Rom, mit Stop-and-Go-Verkehr zunimmt. Eigentlich sind Platinmetalle kaum chemisch reaktionsfähig. Sorge bereitet den Forschern jedoch, dass sie sich im Boden, Gewässern, Pflanzen und Lebewesen anreichern können. Hinzu kommt, dass von den Autoherstellern aus Kostengründen statt Platin und Rhodium zunehmend Palladium eingesetzt wird. Dieses Edelmetall löst Allergien aus, kann sich in Säuren auflösen, ist in der Umwelt mobil und für Pflanzen und Tiere biologisch verfügbar. Es kann also auch in unsere Nahrungsmittel gelangen.

Als Konsequenz haben die US- Forscher daher eine robustere Konstruktion von Katalysatoren angemahnt – und auch für technisch möglich gehalten.

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