Aktuelle Urteile
Geländewagen müssen was aushalten

Breite Reifen, Allradantrieb und jede Menge PS: Im Geländewagen wird mancher Bürohengst zum Wüstenbezwinger. Wenn die teuren Spielzeuge dabei kaputt gehen, freuen sich die Anwälte.

Brummer: Probleme akustischer Art plagten einen Nissan-Kunden aus Niedersachsen. Da sein funkelnagelneuer Patrol GR immer wieder laute Brummgeräusche von sich gab, verlangte er die Rückabwicklung des Kaufvertrags. Der Fall ging vor Gericht, wo die Richter es genauer wissen wollten: Sie beauftragten einen Sachverständigen und setzten sich zudem selbst hinters Steuer. Ergebnis: Auch die Robenträger vernahmen einen nervigen Brummton; der Sachverständige diagnostizierte einen "konstruktionsbedingten Mangel". Solche Mängel müssten Kunden im Preissegment über 40 000 Euro nicht hinnehmen, stellten die Juristen klar und stimmten der Rückabwicklung zu (Landgericht Osnabrück, 9 O 2381/03).

Taucher: Ein Ehepaar aus Bayern zog es nach Australien, wo sie mit einem Geländewagen eine Tour durch die Wildnis machten. Doch die Expedition endete vorzeitig, weil sich der Motor bei der Fahrt durch ein vermeintlich flaches Flussbett mit Wasser vollsaugte. Der Autovermieter verlangte von den gescheiterten Abenteurern daraufhin Schadensersatz für die teure Reparatur. Wieder in Deutschland angekommen, forderte das Paar das Geld vom Reiseveranstalter zurück. Ohne Erfolg: Da der Veranstalter im Reisekatalog auf die Gefahren von Flussquerungen aufmerksam gemacht habe, hafte er nicht (Landgericht München I, 29 O 7822/00).

Bremser: Ein Süddeutscher gönnte sich für 29 000 Euro ein geländegängiges Fahrzeug mit permanentem Allradantrieb. Statt über Schotter oder Wanderdünen fuhr er aber lieber auf der Autobahn. Bei Tempo 140 passierte es: Nach einem Gangwechsel fiel die Drehzahl stark ab, für rund zehn Sekunden konnte der Mann nicht beschleunigen. Als diese Phase überstanden war, wartete bei der Höchstgeschwindigkeit von 174 Kilometern pro Stunde das nächste Problem: Ein "starkes Bocken und Vibrieren" schüttelte ihn durch. Als die Macken nach einem Reparaturversuch immer noch vorhanden waren, verlangte der Geländewagen-Fan sein Geld zurück. Die Richter gaben ihm Recht: Die gerügten Aussetzer beim Beschleunigen und das Durchschütteln der Passagiere bei schneller Fahrt entsprächen nicht dem "Stand der Technik" (Oberlandesgericht Karlsruhe, 9 U 239/06).

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