Aktuelle Urteile
Oldtimer-Dellen vor Gericht

Haifischflossen, Mahagoni-Armaturen, Kühlerfiguren: Autos aus Opas Zeiten lassen Herzen höher schlagen. Haben die Liebhaberstücke eine Delle, schlägt die Stunde der Juristen.
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Schnäppchen: Ein Oldie-Fan kaufte in den USA für 9 000 Dollar ein Porsche-Cabrio, Baujahr 1962. Wie bei Oldtimern üblich, ließ die Vollkaskoversicherung den Wert des Wagens schätzen: 60 000 Euro. Zwei Jahre später wurde der Porsche geklaut, und bei der Schadensmitteilung trug der Bestohlene als "Kaufpreis" 40 000 Dollar ein. Die Assekuranz bemerkte die Schummelei und verweigerte daraufhin die Zahlung. Vor Gericht hatte der Oldie-Fan keinen Erfolg: Derartige Ungenauigkeiten beim Ausfüllen einer Schadensmeldung seien unentschuldbar - auch bei einer Oldtimerversicherung, bei der der Wert des Wagens durch eine Schätzung und nicht anhand des Kaufpreises ermittelt werde (Oberlandesgericht Hamm, 20 U 38/02).

Reparatur: Ein Rheinländer beauftragte den in Düsseldorf ansässigen Vertreter einer polnischen Werkstatt mit der Reparatur seines historischen Citroën. Doch auch nach einem Nachbesserungsversuch war der Oldie-Besitzer nicht zufrieden und forderte 10 226 der überwiesenen 14 000 Euro zurück - ohne Erfolg. Auftraggeber müssten vor der Nachbesserung drohen, einen weiteren Versuch abzulehnen, so die Richter. Das habe der Düsseldorfer versäumt. Der Einwand, dass er erst nach dem Nachbesserungsfehlschlag das Vertrauen in den polnischen Betrieb verloren habe, ließ die Richter kalt (Oberlandesgericht Düsseldorf, 22 U 37/02).

Nebenverdienst: Ein Bayer musste wegen einer aufwendigen Reparatur lange auf seinen Mercedes 190 SL, Baujahr 1960, verzichten und forderte vom Unfallverursacher pro Monat 1 500 Euro Ausfallentschädigung. Die Richter sprachen ihm nur 500 Euro im Monat zu. Ein höherer Betrag komme auch bei Oldtimern nur in Betracht, wenn der Besitzer belege, dass er mit dem Auto entsprechende Gewinne erwirtschaftet, etwa durch die Vermietung bei Hochzeiten (Oberlandesgericht München, 17 U 2196/06).

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