Alkolocks
Koalition will Einsatz von Alkolocks prüfen

Erst Pusten, dann Starten. In manchen Ländern und für bestimmte Autos ist er schon Standard: Der Promille-Test mit dem Alkolock vor Beginn der Fahrt. Jetzt will die Koalition auch den Einsatz in Deutschland prüfen.
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Berlin/LübeckSie sind groß wie Navigationsgeräte und direkt mit der Zündung des Autos gekoppelt: Alkolocks. Hat der Fahrer getrunken, dann verhindern sie, dass der Wagen anspringt. Im Kampf gegen Alkoholsünder am Steuer hat Verkehrsstaatssekretär Klaus-Dieter Scheuerle die Prüfung des möglichen Einsatzes elektronischer Wegfahrsperren angekündigt. Es gehe darum, die Vor- und Nachteile der Alkolocks zu ermitteln, sagte Scheuerle am Donnerstag im ZDF-"Morgenmagazin". Zugleich verwies er darauf, dass dabei auf einen freiwilligen Einsatz gesetzt werde.

Scheuerle betonte zugleich, dass 0,0 Promille im Straßenverkehr aber nicht Stand der Diskussion sei. Es müsse darüber geredet werden, wie diese Geräte eingestellt werden. Zudem müsse Missbrauch ausgeschlossen werden. Das stelle er sich aber ziemlich schwierig vor.

Die "Saarbrücker Zeitung" hatte am Mittwoch berichtet, die Koalitionsfraktionen wollten in einem gemeinsamen Antrag Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) auffordern, die Einführung zu prüfen.

Schweden ist Vorreiter bei Alkolocks

Nach eigenen Angaben Weltmarktführer für Alkolocks ist das Lübecker Unternehmen Dräger Safety, ein Spezialist für Sicherheitstechnik. Das Unternehmen findet seit gut einem Jahrzehnt international Abnehmer für seine Messgeräte. Hauptkunden sind die USA, Kanada und Australien: "Hier ist der Einbau in bestimmten Fahrzeugen in einigen Regionen vorgeschrieben", erklärt Dräger-Sprecher Herbert Glass. Auch in Schweden, Finnland und den Niederlanden boomt der Markt - etwa, wenn es um den Transport von Schülern geht. Neuerdings gibt es auch im Inland mehr Nachfrage: Von Unternehmen, die Gefahrgut transportieren.

Als Vorreiter bei den Zündsperren gilt Schweden. Hier dürfe ein Arbeitgeber von seinen Mitarbeitern die Nutzung der Sperre verlangen, erklärt ein Volvo-Sprecher. Der Staat verlange die Nutzung von seinen Bürgern aber nicht. Trotzdem sind nach Einschätzung von Dräger dort 60.000 Alkolocks aller Fabrikate unterwegs. Volvo rüstet seine Neuwagen in Deutschland auf Wunsch ab Werk für rund 1.000 Euro mit dem "Alcoguard" aus. Für andere Fabrikate schlägt ein Gerät von Dräger zum Nachrüsten mit rund 1.440 Euro zu Buche.

Siemens suche für seinen Alkoholsensor noch einen Autobauer als Partner, sagt ein Unternehmenssprecher. Noch ist das fertig entwickelte Gerät nicht auf dem Markt. Die kleinen Geräte müssen in der Autowerkstatt mit der Zündung des Wagens verbunden werden - dann sind sie bei jedem Start aktiv. Der Fahrer wird aufgefordert, in das Mundstück zu pusten. Ist kein Alkohol in der Atemluft vorhanden, springt der Motor an. Sonst wird die Zündung für eine Weile blockiert. "Die Prozedur dauert nur eine halbe Minute", meint Glass. Allerdings sollten die Fahrer vorher weder Trinken noch Essen: Das könne die Werte verfälschen. Auch Mundsprays oder alkoholhaltige Medizin seien tabu. Wie empfindlich ein Testgerät reagiert, kann eingestellt werden: "Meist sind es so 0,2 bis 0,3 Promille. 0,0 Promille war einfach nicht praxistauglich", erklärt Glass.

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  • Habe soeben einen kleinen Blasbalg patentiert, der in dieses Gerät pustet. Gute Fahrt.

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