Alle blicken nervös auf den Marktführer Allianz
Autoversicherer: Angst vor dem großen Kampf

Was jeden Autofahrer froh stimmt – sinkende Preise in der KFZ-Versicherung – bereitet vielen Versicherungsvorständen Kopfschmerzen. Sie fürchten nach den Preisnachlässen des Marktführers Allianz nichts mehr als einen erneuten Preiskampf.

Die Münchener hatten im Herbst die Preise einiger Tarife verbilligt. Damit reagierten sie auf das Abbröckeln ihres Marktanteils. Ihr Verfolger HUK reagierte schnell, zog für 2005 geplante Preissenkungen vor. Ansonsten blieb es aber ruhig bei den KFZ-Versicherern, die mit 22,4 Mrd. Euro Beitragsvolumen der drittgrößte Sektor der Branche sind.

Die regelmäßigen Dementis der Versicherungsvorstände belegen aber ihre Nervosität. „Wir werden uns an einem neuen ruinösen Preiskampf in der KFZ-Versicherung nicht beteiligen“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Gothaer-Versicherung, Werner Görg, kurz vor Weihnachten. Ähnlich äußerten sich der Chef der Talanx, Wolf-Dieter Baumgartl, und der neue Chef der DBV-Winterthur, Frank Keuper.

Ob dies mehr als Lippenbekenntnisse sind? Alle Autoversicherer haben noch gut die Jahre 1996 bis 1999 in Erinnerung. Damals kämpften sie mit großzügigen Rabatten um die Kunden. Das Resultat war ernüchternd aus Sicht der Anbieter: Sie häuften im reinen Versicherungsgeschäft einen Verlust von rund fünf Mrd. Euro an. Ausgeglichene Ergebnisse erzielten sie nur dank üppig sprudelnder Kapitalanlageerträge. Trotz des aggressiven Vorgehens verschoben sich die Marktanteile nur wenig.

Weshalb könnte es zu einem neuen Preiskampf kommen? Die Haftpflichtpolice, die jeder Autofahrer abschließen muss, gilt bis heute als wichtiges Türöffnerprodukt in der Branche. Und mittlerweile scheint bei den Unternehmen auch wieder Geld für neue Rabattrunden vorhanden zu sein. Nach den mageren Jahren schrieben die Versicherer im vergangenen Geschäftsjahr auch versicherungstechnisch (ohne Kapitalerträge) durchgängig schwarze Zahlen: Der Gesamtverband der Versicherungswirtschaft (GDV) geht von 500 Mill. Euro oder 2,3 Prozent der Bruttobeitragseinnahmen aus. Mit dem Geld könnten die Anbieter sich gegenseitig Kunden abjagen.

Die Autoversicherung gilt bis heute als Schlüsselgeschäftsfeld der Schaden- und Unfallversicherer. Schließlich erzielen sie damit zwei Fünftel der Beitragseinnahmen. Doch der heimische Markt ist weitgehend gesättigt. Er wuchs in den vergangenen drei Jahren gerade einmal um ein Prozent jährlich. Und da die KFZ-Zulassungen seit dem Jahr 2000 rückläufig sind, gibt es auch wenig Aussicht darauf, dass sich diese Entwicklung drehen sollte. Neue Kunden können sich die Versicherer also nur gegenseitig abwerben. Und dafür ist der entscheidende Schlüssel der Preis. Die Verbraucher wechseln die Autopolice am häufigsten von allen Versicherungen. Dies belegt kürzlich wieder eine Studie von Psychonomics.

Dass sich der Preiskampf erfolgreich praktizieren lässt, beweist der Axa-Konzern. Nach jahrelangen Marktanteilsverlusten stellten die Kölner ihr Angebot um. Neben dem herkömmlichen Tarif führten sie einen Billigtarif ein. Und die Kölner verdienen auch mit den Billigpolicen Geld. Dies war allerdings nur deshalb möglich, weil die Vertriebe mitzogen: Die Vertreter erhalten nur die Hälfte der üblichen Provisionen.

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