Allianz-Unfallstudie

Die Tücke der Parklücke

Die Fahrer sind ihren Autos immer weniger gewachsen – im Wortsinn. Eine neue Studie der Allianz-Versicherung zeigt nun, warum es so häufig kracht. Eines der meistverkauften Assistenzsysteme nützt offenbar wenig.
  • Peter Weißenberg
6 Kommentare
  • Spotpress
Allianz-Unfallstudie - Das große Krachen   Quelle: Allianz
Gefahr von hinten

Rückfahrkameras und Piepser helfen beim Einparken offensichtlich nur bedingt.

FrankfurtEs geht im Schritttempo zu. Der Fahrer verdreht sich schräg nach hinten. Um ihn herum wuselt der Einkaufsverkehr. Es piept von links und rechts und hinten, hinten quengeln die Kinder … rumms. Mehr als tausend Mal kracht es in einer solchen Situation jeden Tag irgendwo in Deutschland. Rund 2.000 Euro Schaden sind die Regel.

„Optische oder akustische Warnungen kommen meistens zu spät“, stellt Wolfgang Fey bei der Analyse solcher Park- und Rangierunfälle fest. Der Experte für Assistenzsysteme beim Zulieferer Continental hat zusammen mit der Allianz diese häufigste Unfallart im Land analysiert. Und die Ergebnisse sind für die Hersteller wenig schmeichelhaft. Eine der meistverkauften Ausstattungen nämlich erweist sich demnach als „wenig hilfreich“: der Parkpiepser. Autos, die mit solchen Sensoren ausgerüstet sind, bauen sogar noch mehr Rangier-Unfälle als die Fahrzeuge, bei denen der Lenker sich allein auf das eigene Augenmaß und seine Aufmerksamkeit verlassen muss.

Technisch aufgerüstete Autofahrer in Deutschland sind dagegen laut Fey schlicht so überfordert, dass sie den piepsenden Dauerton als letzte Warnung überhören – oder nicht schnell genug gegensteuern. Und das hat vor allem einen Grund, so die Studie: Die Autos sind in den letzten Jahrzehnten ihren Besitzern über den Kopf gewachsen. Sie passen nicht mehr in die Verhältnisse, in denen sie bewegt werden.

Allianz-Experte  Johann Gwehenberger hat das große Krachen seit Jahren studiert – und kennt die Hauptursache: „Die Rundumsicht ist zunehmend eingeschränkt – vor allem nach hinten. Und die Autos sind gewaltig größer geworden.“ Die Parkflächen haben sich dagegen kaum vergrößert. Zudem nimmt der Verkehr in den Städten weiter zu. Und dort leben auch immer mehr Menschen und kurven mit immer dickeren Autos auf immer weniger Raum herum.

Was an unseren Autos richtig nervt
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Warnhinweise ohne Ende

Ständig schauen Assistenzsysteme dem Fahrer auf die Finger und melden sich mit Blinken und Piepen: Ob der Totwinkelassistent, die Verkehrsschilderkennung, der Spurhalteassistent oder der Abstandsassistent. Immer wieder mischen sie sich ein. Dass man als Fahrer ein wenig entmündigt wird, wenn es um Unfallvermeidung geht, ist ja noch OK. Aber wenn den Überblick verlieren, dann nervts.

Achten Sie mal auf Ihren Spurhalteassistent, wenn sie auf der rechten von zwei Spuren nach links blinken, weil zweispurig links abgebogen wird. Der kapiert das nicht ...

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Schlechte Rundumsicht

Zunehmende Anforderungen an Design und Sicherheit sorgen für flach ansteigende Dachlinien oder breite A-, B-, oder C-Säulen. All das behindert eine gute Rundumsicht. Und erfordert in vielen Fahrzeugen die Anschaffung von Rückfahrkameras. Weil sie ohne diese Extras gar nicht gefahrlos rückwärts eingeparkt werden kann.

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Die Einparkhilfe

Kaum ein Einparken ohne Piepen. Obwohl oft noch ausreichend Platz zum Rangieren ist, schlägt die Einparkhilfe immer wieder Alarm.

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Das vernetzte Auto

Seitdem auch das Auto online ist, greift die ständige Erreichbarkeit und Zerstreuung vom Smartphone auf das Fahrzeug über. Das führt zu noch mehr Ablenkung, von der die zahlreichen Fahrtassistenten schon genug mit sich bringen.

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Von innen zu entriegelnde Tankdeckel

Sie haben schon für viele Ehrenrunden rund ums Auto gesorgt: Tankdeckel, die sich nur von innen entriegeln lassen. Zu oft fällt es einem erst dann ein, wenn man schon davor steht.

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Tastenchaos

Mehr Technik, mehr Knöpfe: Viele Extras erleichtern uns das Autofahren, füllen das Armaturenbrett jedoch mit vielen Knöpfen und Anzeigen. Diese sind außerdem oftmals konfus angeordnet und schlecht zu erreichen.

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Sound Engineering

Die Technik entwickelt sich weiter, wird sparsamer, Motoren werden kleiner – und leiser. Weil das Triebwerk nicht mehr selbst röhrt, helfen Autohersteller nach. Nur sind diese unterlegten Geräusche nicht authentisch und klingen künstlich.

Dafür ist die Industrie prägend mitverantwortlich. Die Studie gibt zwei Beispiele: Hatte der erste Renault Espace 1984 noch eine Länge von 4,37 Meter und eine Breite von 1,77 Meter, so sind es jetzt 4,86 und 1,89 Meter. Und der Golf ist in dieser Zeit von 3,34 Meter Länge und 1,63 Meter Breite auf 4,25 Meter Länge und 1,80 Meter Breite gewachsen. Eine durchschnittliche Parkbucht mit 2,30 Meter mal fünf Meter ist damit auch schon gut gefüllt. Zum Rangieren bleibt nicht mehr viel Raum.

Hinzu kommen erschwerend zwei weitere Trends, so Studienleiter Gwehenberger: Ein Design, das nach hinten hin die Fenster zu Schlitzen verengt. Und die Mode zu hochbauenden Großfahrzeugen wie SUV und Vans. Die Schlachtschiffe der Straße haben denn auch 30 Prozent häufiger Park- und Rangierunfälle als Klein- und Kompaktwagen – und das, obwohl gerade diese Fahrzeuge häufiger Warnsysteme an Bord haben.

Bei Senioren kracht es öfter
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6 Kommentare zu "Allianz-Unfallstudie: Die Tücke der Parklücke"

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  • Ich teile die kritischen Ansichten der Kommentare. Stoßstangen sollten StoßFÄNGER sein und mittlere Parkanstöße ohne Schaden absorbieren können. Aber man wird den Eindruck nicht los, dass dies nicht gewollt ist. Dann hätten ja die Vertragswerkstätten und überhaupt die Zunft weniger Aufträge. Volkswirtschaftlich handelt es sich um fragwürdige Wertschöpfung, weil diese Schäden einigermaßen leicht vermeidbar wären und die ausufernden Versicherungsprämien ohne Weiteres sinken könnten.

  • Bis in die 90er Jahre gab es noch Stoßstangen. Dann kamen die Kratzfänger bei den OEMs in die Mode - durch die Bank. Der Verbraucher wurde nie gefragt. Alle OEMs stellten beinahe gleichzeitig um. Heute haben alle Autos die lackierten Kratzfänger, die für Kratzer nur allzu einladend sind. Mit Stoßstangen brauchte man die "Asistenzsysteme" nicht. Eine Einladung zur Schadensbeschaffung. Selbst der ADAC hat aufgehört, gegen diesen Unsinn zu wettern. Gegen die Unübersichtlichkeit in allen Richtungen wird vermutlich wenig zu machen sein, wenn die Autos leise und sparsam sein müssen.

  • Preiswerter und einfacher als anfällige und unzuverlässige elektronische Systeme sind einfache kratzer-unempfindliche stabile Stoßstangen und große Heckscheiben an übersichtlichen Autos. Ein Stoßfänger, der nach einem Parkanstoß 2000,- € Schaden hat ist schlicht seiner Aufgabe nicht gewachsen (fällt dies unter die Gewährleistung??).
    Heutige Autos sind halt fast nur noch schick, aber oft unpraktisch und die Kunden die diese superschicken und überdimensionierten Autos kaufen müssen halt damit leben, dass die Versicherung bzw. Schäden entsprechend teuer sind.

  • Preiswerter und einfacher als anfällige und unzuverlässige elektronische Systeme sind einfache kratzer-unempfindliche stabile Stoßstangen und große Heckscheiben an übersichtlichen Autos. Ein Stoßfänger, der nach einem Parkanstoß 2000,- € Schaden hat ist schlicht seiner Aufgabe nicht gewachsen (fällt dies unter die Gewährleistung??).
    Heutige Autos sind halt fast nur noch schick, aber oft unpraktisch und die Kunden die diese superschicken und überdimensionierten Autos kaufen müssen halt damit leben, dass die Versicherung bzw. Schäden entsprechend teuer sind.

  • Wann werden wieder PKW entworfen und produziert, die a) trotz höher Legens übersichtlich sind und b) keinen unnötigen technischen Schnick-Schnack haben und c) damit deutlich günstiger sein könnten?
    Übrigens: Auch als Senior gelingt es mir in Lücken einzuparken, die mein Parkassistent nicht einmal registriert.

  • Wann wurden denn die Normen der Parkplätze und Parkhäuser zuletzt überarbeitet??

    Noch nie, sie stammen aus den 50ern. Größere Parkplätze = größere Kosten. Damit Ablehnung durch die betreffenden Lobbyverbände. Und die regieren schließlich das Land.

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