Nachrichten
Alte Konzepte für neue Kompaktsportler

Klein, stark und schnell - und am besten auch noch stärker und schneller als die Konkurrenz. So stellten sich die Autohersteller lange Zeit den idealen Kompaktwagen vor. Schließlich planten sie meistens auch ein sportliches Topmodell der jeweiligen Baureihe ein.

dpa/gms PARIS. Klein, stark und schnell - und am besten auch noch stärker und schneller als die Konkurrenz. So stellten sich die Autohersteller lange Zeit den idealen Kompaktwagen vor. Schließlich planten sie meistens auch ein sportliches Topmodell der jeweiligen Baureihe ein.

Seinen Anfang nahm der Trend mit dem Golf GTI, der 1976 die Klasse der sportlichen Kompakten begründete, beachtlichen Erfolg hatte und schnell zum Kultauto wurde. Seitdem schraubten die Autobauer die Leistungsspirale bei den Kompakten in immer höhere Regionen. Beim Rundgang über den Pariser Automobilsalon zeigt sich, dass sich in dieser Hinsicht zumindest bei den deutschen Herstellern nicht viel geändert hat.

Leistung, Dynamik, Sportlichkeit und Schnelligkeit sind nach wie vor die Schlagworte, wenn es um neue Topmodelle der Kompakt-Baureihen geht - wie sinnvoll das im Einzelfall auch sein mag. Am lautesten trommelt dabei der VW-Konzern, der in Paris die fünfte Generation des Golf GTI vorstellt. In der Werbung für den neuen Kompaktsportler versucht man sich an einer Wiederbelebung des GTI-Kults: „Der Mythos kehrt zurück“, will man die Autokäufer glauben machen.

Der GTI sei in der Vergangenheit ein wenig vernachlässigt worden, sagt VW-Sprecherin Daniele Heuser. Während die zuletzt aktuelle Generation im Grunde nur eine Ausstattungsvariante unter vielen im Golf-Programm gewesen war, soll der Neue wieder an die GTI-Tugenden von einst anknüpfen. „Der Ur-GTI war puristisch. Das spielt auch im Neuen wieder eine Rolle“, sagt Heuser.

So gibt es den GTI wie vor fast 30 Jahren nur mit einer einzigen Motorisierung. Statt der 81 kW/110 PS von damals leistet der neue Turbo-Direkteinspritzer allerdings 147 kW/200 PS. Doch die PS-Zahl allein sei es nicht, was den Mythos ausmache, sagt Heuser. Der GTI sei „die sportlich-emotionale Seite des Golf“. Bemerkbar machen soll sich das an einem gegenüber dem Serien-Golf „aggressiver“ gehaltenen Design, das auf Merkmale des Ur-GTI verweist: So gibt es wie damals einen schwarzen Kühlergrill mit roter Umrandung, auffällige Spoiler an Front und Heck sowie Schottenkaro-Muster auf den Polstern.

Erzrivale Opel gibt in Paris allerdings alles, um mit der OPC-Studie des Astra-Dreitürers GTC Volkswagen die Show zu stehlen. Das wuchtige „Astra High Performance Concept“ soll Ende 2005 nahezu unverändert in Serie gehen und wird ebenfalls von einem 2,0 Liter großen Turbo-Benziner angetrieben. Der leistet mit 176 kW/240 PS allerdings 29 kW/40 PS mehr als das GTI-Aggregat.

Opel-Sprecher Manfred Daun weist zudem darauf hin, dass es bereits einen 147 kW/200 PS starken Astra-Fünftürer gibt - also quasi mit „GTI“-Motorisierung: „Der Gegner des GTI ist schon auf der Straße.“ Allerdings sei der Astra OPC „nicht der GSi von früher“, sagt Daun. Unter jenem Kürzel hatte Opel in den achtziger und neunziger Jahren stark motorisierte Kadett- und Astra-Modelle als GTI-Rivalen ins Rennen geschickt. „Da setzt der OPC noch einen drauf“, meint Daun.

Abgesehen von den leistungsstarken Motoren hätten die sportlichen Kompakten heute ohnehin nicht mehr viel mit den legendären Vorgängern gemein. „Der Kunde will nicht mehr nur das nackte, sportliche Fahrzeug. Das ganze Paket muss stimmen“, sagt Daun. So sei heute beispielsweise eine umfangreiche Komfort- und Sicherheitsausstattung unverzichtbar. Beides hatten weder der Ur-GTI noch die nachfolgenden GSi-Modelle an Bord. An den Kultstatus der früheren Kompaktsportler anzuknüpfen, hält Daun daher heute nicht mehr für möglich.

Auch der Automobilforscher Professor Ferdinand Dudenhöffer hat an derlei Werbe-Versprechungen seine Zweifel: „Man wird das Rad nicht mehr zurückdrehen können. Der Trend ist gelaufen.“ Mittlerweile seien längst die Premium-Anbieter auf den Siegeszug der sportlichen Kompakten aufgesprungen - so zum Beispiel Audi mit dem A3 oder BMW mit der ebenfalls in Paris vorgestellten neuen 1er-Baureihe.

Zudem gehe auch bei den Serienmodellen die Entwicklung zu immer stärkeren Motorisierungen. Da habe es ein neuer GTI schwer, sich zu unterscheiden - geschweige denn, den Mythos neu aufleben zu lassen. „Mit einer getunten Version nur mit stärkerem Motor und Bremsen wird das nicht mehr funktionieren.“ Vielmehr seien für die GTI-Klientel von heute eigenständige Modelle gefragt. Die Rolle des GTI übernähmen heute daher die „M“- und „S“-Modelle von BMW und Audi. „Das sind die modernen Gtis“, sagt Dudenhöffer.

Von denen ist im Kompaktsegment in Paris zwar nichts zu sehen. Die Hersteller haben aber bereits Neues angekündigt. So hält Audi einen neuen S3 für „wahrscheinlich“. Auch BMW will das Leistungsspektrum des neuen 1ers nach oben erweitern - obwohl es laut Firmensprecher Wieland Bruch bis auf weiteres kein M-Modell geben wird: „Wir haben es nicht eilig mit einer Supersportversion. Unter der Motorhaube ist aber noch Platz für ein paar Zylinder mehr.“ Als Topmodell der neuen 1er-Baureihe wird daher demnächst ein Sechszylinder nachgeschoben, und zwar ganz unspektakulär unter BMW-Label.

Aktuelle Bilder vom Pariser Autosalon finden Sie hier

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%