Alte Werte
Oldtimer - Die schönere Geldanlage

Der Geruch von altem Leder und Benzin, das Fahrgefühl, wenn sich das Auto aufreizend langsam in Bewegung setzt, Fußgänger die Daumen heben. Oldtimer gehören zu den schönsten Geldanlagen. Und zu den lukrativsten.
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DüsseldorfSein Traum steht seit zwei Jahren in der eigenen Garage. Gelbe Karosserie, "prime-rose-yellow" hat der Hersteller die Farbe getauft. Er ist zwischen Motor und Getriebe notorisch inkontinent, aber ansonsten meistens in Schuss: der Jaguar E-Type. Gekauft hat Stefan Burmeester ihn von einem Kfz-Meister, der zwei Exemplare der britischen Katze besaß, einen offenen und einen geschlossenen. Der geschlossene wechselte für 21.000 Euro den Besitzer. So, wie andere Menschen ihren Hochzeitstag minutiös im Kopf gespeichert haben, so genau kann Burmeester jene Szene vom Sommer 2008 schildern, als er seinen E-Type das erste Mal in Augenschein nahm.

Sein Sohn Max war sofort Feuer und Flamme, seine Frau Alexandra hatte jedoch drei Missverständnisse im Kopf, die Stefan Burmeester nur nach und nach ausräumen konnte. Das erste Vorurteil ließ sich schnell beseitigen: Oldtimer sind keine Rostlauben. An dem Jaguar blitzte der Chrom, nicht ein Rostfleck war zu sehen. Von außen glich er einem Neuwagen. Burmeester hatte einen Fachmann dabei, der das Fundstück begutachtete, wohlwollend nickte und auf der Rückfahrt nach Frankfurt auf dem Beifahrersitz Platz nahm.

Die beiden weiteren Vorurteile, die sich in der Familie hartnäckig hielten, betrafen Zeit und Kosten. Wie viel seiner knapp bemessenen Freizeit würde Stefan in der Garage verbringen? Würde die gelbe Katze zu Dauerebbe in der Haushaltskasse führen? Rund 3.000 Euro, "vielleicht ein bisschen mehr", hat Burmeester seit dem Kauf investiert, Bremsen und Reifen verschlangen das meiste Geld. Die Stunden zählt er nicht, weil sie wie im Flug vergehen. Seine Frau Alexandra zählt sie auch nicht mehr, seitdem sie mitmacht und geholfen hat, die Sonnenblenden neu mit Leder zu beziehen.

Aber ist Oldtimer-Fahren nur eine Beschäftigung für Zeitgenossen, die ein besonderes Virus gepackt hat? Für Menschen mit einem zu hohen Anteil Benzin im Blut, und das auch noch verbleit? Ja, Ja., das sind notwendige Voraussetzungen. Aber Oldtimer haben auch etwas mit Geld zu tun. Nicht nur mit Geld ausgeben, sondern auch mit Geld anlegen.

Denn für Oldtimer, also Autos, die nach Definition des deutschen Gesetzgebers älter sind als 30 Jahre und bei Steuern und Versicherung begünstigt werden, gilt genauso wie für Youngtimer, die nicht mehr Gebrauchtwagen, aber auch noch keine Klassiker sind: Sie unterliegen keinem Wertverlust. Vorausgesetzt Pflege und Zustand stimmen.

Ist sein E-Type eine Geldanlage? Stefan Burmeester reagiert fast irritiert auf die Frage. Er hat den Jaguar nicht deswegen gekauft, sondern weil er "Benzin geleckt" hat, seit er sich als Jugendlicher für dieses Modell begeisterte und als 40-Jähriger einmal mitfahren durfte. Aber gut: "30.000 Euro würde ich für den Wagen heute bekommen", schätzt der Oldtimerfan. Auch bei anderen Modellen sind Wertsteigerungen drin, die sogar den Dax schlagen.

Wer zum Beispiel vor zehn Jahren einen Mercedes 280 SL aus den frühen 70er Jahren erworben hat, konnte damals mit gut 10.000 Euro fündig werden. Heute hat ein guter Wagen dieser Baureihe einen Marktwert von 24.000 Euro. Edelmarken wie Porsche, Ferrari oder Aston Martin liegen deutlich darüber. "Brot-und-Butter-Autos" von Marken mit Klang wie BMW, Alfa Romeo oder auch mancher Citroen liegen leicht darunter.

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  • Wenn Sie Ihren Oldtimer verkaufen wollen, versteigern Sie ihn bei ebay mit angesetztem Mindestwert. Das geht immer, von Provisionen oder ähnlichem kann keine Rede sein.Nur die ebay Gebühr.
    Anstatt einen Oldtimer zu 20.000Euro zu kaufen, können Sie auch 2 Wagen zu 10.000Euro kaufen. Z.B. schwedisches Buckelvolvos aus den 50iger Jahren.Tolle Autos und leicht verkäuflich.

  • Oldtimer, das schöste Hobby, das es gibt. Da gammelt nichts überflüssiges auf irgendeinem Depot herum oder liegt als EM in einem Schrankfach, sondern da gibt es etwas zum Anfassen, zum Bestaunen, zu Ausfahren und zum Herumwerkeln obwohl letzters nicht sein muß aber Spaß macht.
    Und außerdem ist das ganze noch eine gute Wertanlage, aber wer verkauft schon seinen Oldtimer, wenn er es nicht gerade drngend muß?

  • Es handelt sich um keine Geldanlage, sondern um eine Liebhaberei (außer man ist mit der "Szene" gut vernetzt). Eine Aktie kann man an jedem Börsentag verkaufen. Um einen Oldtimer zu verkaufen muss man ggf. monatelang die nächste Auktion abwarten. Ich vermute, dass beim Wiederverkauf die Provision und die Nebenkosten in zweistelliger Höhe liegen. Dann muss der Index etwa 20 bis 30 Prozent steigen, damit man überhaupt seine Anschaffungskosten zurück erhält.
    Wer in ein solches Auto "investiert", gibt außerdem Geld für etwas aus, dessen Nachfrage stark irrationalen Moden unterliegt. Selbst wenn der Index steigt, aber der eigene Autotyp gerade aus der Mode ist, dann hat man Pech gehabt.

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